schriftzugover
 

Geschichte, Inland
, , , , ,

Kein Kommentar

fdjIch rege mich gerade über eine Doku über die Geschichte der FDJ in der ARD auf. Und zwar nicht einmal so sehr darüber, daß da fast nur Alt-Stalinisten und maximal noch ein paar Halbdissidenten zu Wort kommen – sondern darüber, daß überhaupt nur „Zeitzeugen zu Wort“ kommen.

Es gibt überhaupt keinen eingesprochenen Kommentar, keine Erläuterungen, nur ein paar Untertitel, wenn’s gar nicht anders geht. Also nur zeitgenössisches Filmmaterial und „Zeitzeugen“ – ich bin nach zwei Minuten zum erstenmal explodiert…

Erstens bleibt dadurch vieles auch dem leidlich zeitgeschichtlich versierten Zuschauer dunkel. Zweitens und vor allen Dingen wird hier zugunsten einer faden und abgeschmackten „Authentizität“ jeder historiographische und kritische (im Doppelsinne) Anspruch aufgegeben. Wer so etwas macht, kann’s auch ganz sein lassen. Das ist kaum besser als diese endlosen „No comments“-Sequenzen bei diesem Bingo-Bongo-Privat-Nachrichten-Sender.

Immerhin, bis jetzt noch kein Interview mit einem Kind oder Enkel eines „Zeitzeugen“, also keine Knoppsche „Erblichkeit des Zeugenstandes“

Andreas Platthaus faßt das in der FAZ viel zu milde an. Aber das hier trifft einen Nebenaspekt ganz gut:

Es ist erstaunlich, wie etwa Klaus Bölling, ehedem Bonner Regierungssprecher unter Helmut Schmidt, sich an Erich Honecker erinnert: „Er war ein rechtschaffener Mann.“ Warum? Weil er sehr prüde gewesen sei, nicht getrunken und nicht geraucht habe. Wenn das die Kriterien für Rechtschaffenheit sein sollen …

Gerade eben: „dit war och ne Zeit der Rebellion“ :roll:

Antworten

rss Kommentare als RSS-Feed