Marc Felix Serrao von der Süddeutschen hat sich viel gründlicher mit Facebook befaßt als ich und subsumiert seine partiell leidvollen Erfahrungen in einer sechspunktigen Überlebens-Handreichung für nämlichen Netz-Sozial-Dienst: „Freundschaft? Nein danke.“ Man ahnt es schon, es geht ihm vor allem darum, davor zu warnen, zu viele Freundschaftanfragen zu akzeptieren.
Soweit war ich selbst wie gesagt gar nicht gekommen, weil mir Facebook aus verschiedenen anderen Gründen auf die Klötze gegangen ist, bevor ich eine nennenswerte Zahl von fb-Freunden akkumulieren konnte.
Ferner meint Serrao, daß man sich nicht verpflichtet fühlen soll, auf Kommunikationsversuche und Anpiepereien zu reagieren: „Auf alles kann, auf nichts muss reagiert werden.“ Bon, wohl war, aber das gilt nun einmal seit Anfang aller Online-Kommunikation – und vermutlich schon wesentlich länger. Ein dickes Fell braucht hier vor allen Dingen, wer vom Instant Messenging (ICQ etc.) nicht sehr schnell genug haben will.
Auch andere Ratschläge sind sicher nicht nur für das Agieren im Facebook relevant. Zum Beispiel dieser: Im Zweifel Schweigen.
Das eigentlich Neue an Facebook ist aber eben, daß man dort in der Regel unter Klarnamen schreibt und deshalb noch ein bißchen vorsichtiger sein sollte als z.B. in der guten alten Forenwelt. (Andereseits war es im de-Usenet, also noch eher, auch schon üblich, das heißt es wurde sozial gefordert und angemeckert, unter Klarnamen zu schreiben.)
Nachsicht üben heißt die dritte Regel. Auch sonst selbstkritische Menschen zeigen bei Facebook mitunter Seiten von sich, die man offline nie und online lieber nie bemerkt hätte. Da outet sich das SPD-Mitglied (okay) als Hubertus-Heil-Fan (nicht okay). Da stellen stolze Eltern Fotos ihrer betrunken dreinschauenden Babys für alle sichtbar ins Netz und provozieren damit die schlimmsten Glückwünsche, vor allem von kinderlosen Frauen über 30.
Das erinnert mich an eine Geschichte, die meine älteren Leser schon kennen, ich erzähle sie nun mindestens zum dritten Male: Es war in einem Forum im Jahre 2003. Da postete eine Userin am späten Nachmittag ohne Vorwarnung ein Foto ihres knapp einjährigen Babys. Ein fetter, lachender Säugling. Einfach so. Keine fünf Minuten später kam von einem der Moderatoren (Pogue Mahone, ich hab Dich nicht vergessen! :-) ) der Kommentar: „Na toll, ich wollte heute eigentlich noch zu abend essen.“
Dabei lassen sich leicht ganze Gruppen ausgrenzen. Berufliche Kontakte, zum Beispiel, sind in einem privaten Portal wie Facebook tabu. Andernfalls steckt man irgendwann in der Situation, Bürodinge mit jemandem besprechen zu müssen, der weiß, dass man im Kino weint oder unter Klaustrophobie leidet.
Wirklich tabu? Ich kenne Freiberufler, die sich gerade aus beruflichen Gründen verpflichtet fühlen, bei Facebook mitzumachen…
Und noch:
Es gibt nur sehr wenige lebende Menschen, die Aphorismen schreiben können und sollten; der Journalist und Schriftsteller Michael Klonovsky, zum Beispiel, aber so einer ist nicht bei Facebook.
Oh Graus… Vielleicht hat er sich mächtig gebessert, aber für die Büttenwitze, die ich von dem mal gelesen habe, hätte ich ein echter Büttenreden-Schreiber geschämt.
Wahlen an der Wand (implizite Aufforderung zur Gemütsruhe)
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