Geschichte
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Landleute in der Stadt

hoferAm Sonntag, den 20. September, jährt sich der Beginn des Andreas-Hofer-Aufstandes in Tirol zum 200. Mal. Thomas Schmidt orientiert uns in einem sehr kompetenten Artikel in der Frankfurter Rundschau über die zu erwartenden/befürchtenden Feierlichkeiten im österreichischen und italienischen Teil Tirols: „Nur die Dornenkrone, die fehlt“.

Im zweiten Teil des Artikel referiert er die Rezeptionsgeschichte des Aufstandes. Sehr bedenkenswert scheint, daß Hofer (angeblich) im 19. Jahrhundert zunächst einmal ziemlich vergessen wird und daß der Mythos Hofer dann erst anläßlich des 100. Jahrestages des Aufstandes konstruiert wird. (Das war mir in der Tat neu, ich bin mir nicht sicher, ob oder inwiefern das stimmt.) Und dann kommt’s halt wie üblich: Jeder bedient sich nach eigenem Gusto, von den Nazis bis zu den Kommis, wenig erstaunlich.

Wichtiger erscheint mir aber, daß Schmidt in der ersten Hälfte des Artikels sehr klar die sozial- und geistesgeschichtlichen Wurzeln des Aufstandes bei Namen nennt. Daß da nämlich nicht etwa edle, freiheitsliebende Bauern gegen eine brutale Fremdherrschaft aufstehen, natürlich schon einmal gar nicht unter nationalen Vorzeichen – sondern Klerikalreaktionäre gegen den neuen fortschrittlich-liberalen Landesherrn (das war damals Bayern, tatsächlich). Daß die Enteignung von Kirchengut eine Hauptursache des Aufstandes war, daß Leute im Hintergrund stehen, die wir heute vielleicht Haßprediger nennen würden.

Auch der sich zum Beispiel in den Ausschreitungen von Hofers Haufen in Innsbruck manifestierende Gegensatz Land-Stadt wird angerissen, ferner die in diesem Zusammenhang nicht unerheblichen antisemitischen und (in heutiger Terminologie) frauenfeindlichen Komponente des Aufstandes:

Während seiner kurzen Herrschaft steuerte Hofer einen strikt konservativen Kurs. Er ließ bayernfreundliche, liberal gesinnte Universitätsprofessoren verhaften und beschwerte sich in einem Sittenmandat, „dass die Frauenzimmer von allerhand Gattungen ihre Brust und Armfleisch zu wenig, oder mit durchsichtigen Hudern bedecken, und also zu sündhaften Reizungen Anlass geben“. Hofer war – wie viele seiner Zeitgenossen im bäuerlichen Milieu – ein katholischer Fundamentalist mit antisemitischen Anwandlungen.

Mein Ratschlag wäre also dieser: am Sonntag nicht mitfeiern, kein unverdienter Ruhm für die Austro-Vendéens. Stattdessen für den 10. Februar 2010 einen guten Wein bereithalten, um damit auf das wie immer sehr sichere Urteil Napoleons und auf das Andenken des Kaisers anstoßen zu können. :-)

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:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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