Deutschland, Geschichte, Persönliches
, , , , , , ,

Impressionen aus Münster

Es gibt einen bestimmten westfälischen Phänotypus, der dem niedersächsischen ähnlich, ihm aber nicht gleich ist. Es sind auch schlichte, solide, in sich ruhende Gesichter, auch sind sie leicht rötlich und gegerbt – jedoch sind sie etwas weniger kartoffelig und dafür faltiger und frommer. Vielleicht auch etwas viereckiger.

Man sieht da überall Pferde, fast bis in die Innenstadt hinein. Ob das historischen Traditionen geschuldet ist oder ob es eine Modemasche ist, das weiß ich nicht. Überhaupt reicht das Land weit in die Stadt hinein, und das liegt sicher nicht nur an der überschaubaren Gesamtgröße der Stadt.

Bekanntlich gibt es in Münster viele Fahrräder. Und man staunt nicht schlecht über die großen Ansammlungen von abgestellten Fahrrädern am Rande der Altstadt. Fahrräder haben fast immer Vorfahrt, gut so. Erstaunlicherweise sieht man meist Hollandräder und andere gemütlichere Bauarten, nur wenige Mountainbikes. Auch Männer fahren auffällig oft Damenfahrräder. Es ist unbedingt zu empfehlen, sich dort zur Erkundung der Stadt selbst Fahrräder zu leihen – das geht schon am Hauptbahnhof.

Der vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit sich hinziehende Konflikt zwischen (hier bischöflichem) Landesherrn und Bürgerschaft, nämlich Aufstieg und Fall der letzteren, liegt exemplarisch vor einem – nota bene hängen die Wiedertäufer dann am Turm der bürgerlichen Renommier-Kirche St. Lamberti und nicht etwas am bischöflichen Dom. Dieser Turm ist heute gotisch, der Dom so halbwegs romanisch. Das ist natürlich beides dem Historismus geschuldet, der Zweite Weltkrieg tut ein übriges. Und fast am Ende ist man preußische Provinzstadt, wie schön.

Es fehlt dieser Stadt sehr an Kiosken, an denen man sich des abends mit Bier und Tabakwaren versehen könnte. Es gibt sie, aber es sind ihrer zu wenige.

Der „Friedenssaal“ im (nach 45 wiederaufgebauten) Rathaus ist erstaunlich und erfreulich klein, so 6 mal 8 Meter – sicher, weil es im 17. Jahrhundert noch keine Presse, Pressesprecher, Praktikantinnen und sonstige Politiker-Entouragen gegeben hat.

Der Film „Inception“ ist von großer Primitivität, Langweiligkeit und Konfusion. Das Trommelfeuer von populärpsychologischem und pseudoerkenntnistheoretischem Geschwurbel trifft einen in die Magengrube, wegen des Geballers kann man nicht einschlafen. Vom Besuch wird ausdrücklich abgeraten.

Man findet nicht weit außerhalb der Stadt leicht ruhige Plätze am Wasser und im Grünen. Wie gesagt, man sollte sich da unbedingt Fahrräder leihen.

Test.

2 Kommentare

  1. Eine schöne Beschreibung, die Lust auf’s Erkunden der Stadt macht (per Fahrrad, versteht sich ;-) ) Die Kiosk-Kultur in Hannover sucht ihresgleichen, da sind wir wohl etwas verwöhnt.

  2. @Alex

    Ja, vielleicht sind die vielen Fahrräder auch niederländischer Einfluß, wer weiß? Es sind ja nur ca. 50 km bis zur Grenze. Übrigens gibt es da so einen Sonderzug Münster-Enschede, den z.B. Studenten (und davon gibt es an der Uni Münster übrigens 40.000) mit diesem NRW-Ticket kostenlos nutzen können. Alles furchtbar europäisch, versteht sich – das freut dann das Herz des Provinzpolitikers. ;-) Ist aber ja auch wirklich okay. :-)

    Die Kiosk-Kultur in Hannover sucht ihresgleichen, da sind wir wohl etwas verwöhnt.

    In Köln ist es auch so, fast noch besser! :-) „Büdchen“ heißen die da, und sie haben z.B. in der Innenstadt wirklich so lange auf, wie es sich lohnt, am Wochenende also auch durchaus schon mal bis drei Uhr nachts.

    Aber generell hast Du natürlich recht.

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

rss Kommentare als RSS-Feed

Falls Ihnen Ihr Paypal-Konto zu beleibt erscheint, bietet Amyklai Ihnen die Möglichkeit, es zu verschlanken: