Es gibt eigentlich, zumindest bezogen auf Ländernamen, nur frankophil und anglophil, zur Not noch russophil. Sicher, amerikanophil, hispanophil, polonophil, danophil etc. kann man bilden und sie werden verstanden, aber eigentlich gebräuchlich sind diese Wörter nicht. Nicht einmal italianophil ist üblich – bemerkenswert angesichts der jahrhundertealten (unerwiderten) Liebe der Deutschen zu Italien. Und was ist zum Beispiel mit Holland und Belgien? Batavophil und belgophil – das klingt nun ganz komisch. Aber man tröste sich: für …phob gilt ja genau das gleiche. (Anregung.)



Impressionen aus Münster



Nicht einmal italianophil
Die deutsche Italien-Sehnsucht ist Germanen-typisch; sie wird von den gebildeten Schichten der angelsächsischen Länder geteilt, und daß sie nie so recht erwidert wurde, liegt wohl auch daran, daß die Italiener es nicht haben verwinden können, seit der frühen Neuzeit von den nördlichen Ländern ihrer kulturellen Avantgarde-Rolle beraubt worden zu sein.
Umgekehrt pflegten gebildete Engländer, Amerikaner und Deutsche das „Land wo die Zitronen blühen“ im 18. und 19. Jahrhundert aus der gesicherten Position politischer, wirtschaftlicher und kultureller Überlegenheit zu lieben; ihrer Liebe war zuviel Herablassung beigemischt, als daß die Italiener sich ihrer so recht erfreuen konnten. So z.B. wurde Ende der 1880er Jahre der Korrespondent der liberalen Frankfurter Zeitung aus Italien ausgewiesen, weil er angesichts der chaotischen Verhältnisse im Lande aus seiner Verachtung keinen Hehl gemacht hatte.
Generell hatte die Italien-Liebe puritanisch-zugeknöpfter Nordlichter wenig mit der Wirklichkeit des Landes, aber viel mit Projektionen zu tun.
Hier gibt es nur das Original, dafür sorg ich schon.