Um diesen FAZ.net-Artikel geht es. Viele Sachen sind sehr hübsch auf den Punkt gebracht, doch stört mich der aufgeregte, apodiktische Kurzsatzstil ein wenig. Hier schreibt erkennbar eine junge Frau, die sich ihrer Sache sehr sicher ist. Tatsächlich halten die Menschen immer schon und immer noch eine ganze Menge aus, und es war uns bis dato gar nicht aufgefallen, daß Scheidungskinder allesamt zu psychischen Wracks und/oder Kriminellen werden.
Vor allem aber: Man kann nicht einerseits beklagen, daß ein Drittel der Ehen geschieden wird, und andererseits gar nicht zur Kenntnis nehmen, daß dann offensichtlich zwei Drittel der Ehen nicht geschieden werden. Das hat Fuhr kürzlich sehr schön auf den Punkt gebracht.
Dennoch, die junge Dame hat sicher in vielem recht, zum Beispiel hiermit:
In unserer Unverbindlichkeitswelt ist das ein hässlicher Gedanke. Zu ihren Spielregeln gehört, dass wir unser Leben auch mal fortspülen lassen können wie eine Lehmhütte vom Regen. Denn wir glauben, dass uns Besseres zusteht – ein besserer Beruf oder eine bessere Wohnung, ein Partner, der uns besser erkennt, versteht, unterstützt. Die Liebe darf im bonbonbunten Patchworkidyll nicht Prosa, sie muss Poesie sein und die Familie so unbeschwert wie ein Geburtstagsfest. Bis dass der Tod uns scheidet, hört sich schon lange nicht mehr wie ein Versprechen. Es ist eine Drohung.
Rituale (die in der Tat sehr wichtig sind) setzen sich übrigens auch in „Patchwork“- und Scheidungsfamilien durch, da ist sie wieder zu hysterisch.
Zusammenfassend: Wenn man von dieser etwas nervtötenden „Tabubrecher-Lautstärke“ absieht, ist das alles sicher ganz bedenkenswert.

