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Zweimal zu Georgien (Militär & Entzauberung)

Zum fetten Sonntag zwei ruhige Analysen der russischen Invasion in Georgien.

Thom Shanker nimmt sich in der IHT der militärtechnischen Aspekte des Konflikts an. Fazit: Die russische Armee hat seit Afghanistan und Tschetschenien viel gelernt, hat aber duchaus noch Schwächen.

Rußland hat die alten sowjetischen Methoden des massiven Einsatzes von Infantrie und Artillerie mit neuen der verbundenen Operationen von Land-, Luft- und Seestreitkräften kombiniert, und dies mit einigem Erfolg. Letztlich war dies weiterhin ein Sieg der größeren Massen, aber man hat es heute aber auch nicht mehr mit der russischen Armee des Zweiten Tschetschenienkrieges zu tun, die ein Land zerstören muß, um es unter Kontrolle zu bekommen, so Shanker. (Georgier sind aber auch keine Tschetschenen, wäre Amyklai geneigt hinzuzusetzen.)

Immerhin, die Russen haben auch mindestens sechs Flugzeuge verloren. Den Georgiern hingegen hat ihre Schulung durch die Amerikaner wenig genutzt – zumal sie vor allem für Antiterror-Operationen (im Irak) ausgebildet wurden.

NZZ-Redakteur msn. hingegen setzt denen, die noch von Rußland verzaubert sind, auseinander, warum und inwiefern es nun entzaubert sei:

Paris und Berlin äussern «Besorgnis» und rufen in wattiger Diplomatensprache beide Seiten zur Mässigung auf. Der vom EU-Rats-Präsidenten Sarkozy hastig entworfene Friedensplan wird im Elysée als diplomatischer Erfolg gefeiert; er ist es nicht, denn er verpflichtet Moskau zu nichts, was Russland nach vollbrachter Tat nicht ohnehin zu leisten bereit wäre. Derweil empören sich die osteuropäischen EU- und Nato-Mitglieder. Sie wissen aus schmerzlicher Erfahrung, dass sich Geschichte wiederholen kann – wohl unter anderen Vorzeichen, aber mit ähnlichen Folgen.

Erfreulich scheint ferner, daß er auch etwas zu der Abstrusität der in den letzten Tagen immer wieder zu hörenden Vergleichs zwischen den Operationen Rußlands in Georgien und denen der Nato im Kosovo sagt – leider nur ein Wörtchen.

Et en fin:

Russland verdient den Respekt und das Verständnis des Westens für seine reiche und belastete Geschichte, seine herausragende Kultur, die territoriale Grösse, seinen Ressourcenreichtum und vieles mehr – nicht aber für ein latent aggressives und anti-westliches aussenpolitisches Verhalten, das angeblich durch die «Umzingelungsstrategie» der USA, der Nato und der EU provoziert wird und daher gerechtfertigt erscheint.

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