Feuilleton, Geschichte, International
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Er gehört uns!

Kerstin Holm – immer lesenswert – informiert uns in der FAZ über den aktuellen Stand der Versuche der rußländischen Obrigkeit, das geistige Erbe Alexander Solschenizyns für sich zu reklamieren. Natürlich ist der Verfasserin ebenso wie den zerprengten russischen Liberalen klar, daß Solschenizyn selbst diese Bestrebungen durch seine Altersschnurren – durch seinen etwas lächerlichen Prophetengestus ebenso wie durch seinen in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten kultivierten großrussischen Chauvinismus – nach Kräften vorzubereiten geholfen hat.

Ein anrührender Absatz:

In den Augen russischer Menschenrechtler ist Solschenizyn aber auch ein Verräter am Dissidententum. Sie verehre den Solschenizyn der siebziger und achtziger Jahre, den Autor des „Archipel GULag“, des „Iwan Denissowitsch“, der Briefe aus der Zwangspsychiatrie, erklärt Valeria Nowodworskaja, eine bekennende Christin und Veteranin des Menschenrechtskampfes. Doch jetzt bete sie, dass ihre Landsleute Solschenizyns pompöse Prophetenheimkehr, sein antisemitisches Buch „Zweihundert Jahre gemeinsam“, seine Empfehlungen, Teile der Ukraine und Kasachstans für Russland abzuschneiden, vergessen mögen.

Und ein sehr witziger. Sie wollen in Moskau eine Straße nach Solschenizyn benennen. Eigentlich geht das in Rußland frühestens zehn Jahre, nachdem einer gestorben ist, aber sie machen eine Ausnahme:

Die Wahl der Stadtväter fiel passenderweise auf die „Große Kommunistische“ (Bolschaja kommunistitscheskaja), die vom Taganka-Platz nach Osten abzweigt. Dort soll auch eine Plakette mit der echt postmodernen Inschrift angebracht werden: „Dem bedeutenden russischen Schriftsteller, der öffentlichen Figur, dem Träger des Nobelpreises sowie Auszeichnungen der sowjetrussischen wie der russischen Föderation, Alexander Solschenizyn (1918-2008)“.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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