Savoir vivre
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Ausflug in die Kulinargenetik

76px-illustration_coriandrum_sativum0.jpgBekanntlich empfinden viele Menschen, insbesondere Europäer, die die Verwendung von Koriandergrün als Küchenkraut nicht gewöhnt sind, seinen Geruch als unangenehm – nämlich als „seifig“ oder „wanzenartig“.

Die Erfahrung lehrt uns, daß man sich an vieles gewöhnt. Früher haben wir den Geruch des Korianderkrauts als abscheulich empfunden, heute stört er uns kaum noch.

Nun aber lesen wir in einem seriösen Werk folgendes: „Interessanterweise stößt Korianderaroma bei Menschen nichteuropäischer Herkunft fast universell auf Zustimmung – dieses eigenartige Phänomen wird oft mit einer genetischen Besonderheit der Europäer erklärt.“*

Damit wäre dann Koriander sozusagen ein Anti-Europäer-Kraut…

*) Zur Kulturgeschichte der Gewürze, hrsg. v. Mamoun Fansa, Gernot Katzer, Jonas Fansa, Göttingen Die Werkstatt, 2007, S. 159.

11 Kommentare

  1. Einhard

    Es mag ein seltsamer Kommentar sein, aber dennoch die Frage:
    Woher wissen die Menschen eigentlich wie „Wanzen“ riechen?
    Mir persönlich hat sich noch keine Wanze zur Verfügung gestellt, um Mal kurz daran zu schnuppern. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich als Europäer durchaus nichts gegen Koriander habe. Soll heißen, ich kann daran riechen und es sogar problemlos essen, ohne mich in Luft aufzulösen.

  2. Woher wissen die Menschen eigentlich wie „Wanzen“ riechen?

    Dazu ein Zitat aus Tom Stobarts immer noch wunderbarem und unübertroffenen „Lexikon der Gewürze“:

    Die Bezeichnung ist abgeleitet von dem griechischen Wort Koris gleich Wanze, wegen der angeblichen Ähnlichkeit zwischen dem Geruch von Korianderblättern und Wanzen. Die meisten Leser werden nicht das Vergnügen haben, Wanzen zu kennen; wer jedoch schon mal unter primitiven Bedingungen im Fernen Osten reiste, dem steht ein Urteil zu. Tatsächlich ist die Ähnlichkeit nur gering.

    Ich habe hier mal ein kleines Insekt in die Finger bekommen, das zerquetscht tatsächlich wie Koriander gerochen hat – ich weiß nicht, ob das eine Wanze war.

    Übrigens nennt man Koriander ja manchmal „asiatische Petersilie“. Geruch/Geschmack sind bekanntlich völlig verschieden, aber die Verwendung, die Allgegenwart des Krauts in den jeweiligen Küchen ist ähnlich. Aus dem im Ausgangsbeitrage zitierten Werk habe ich gelernt, daß Petersilie in einigen Gegenden Asiens tatsächlich als „europäischer Koriander“ bezeichnet.

    Und laut Fansa etc. werden beide Kräuter gleichzeitig nur in Georgien verwendet – und im Nordkaukasus, so würde ich beflissen hinzufügen wollen.

  3. Man erwerbe ein Haus in Mittelitalien auf dem Lande, zücke den Staubsauger, um sich gegen eine Invasion von Stinkwanzen zu wehren (diese grünen, rhombenförmigen), und mache den Fehler, sie alle einzusaugen.
    Danach weiß man, wie Wanzen stinken.
    Man kann aber auch solche hässlichen Deckenfluter aufstellen, die oben ohne Abdeckung sind, dann sie fliegen zuhauf hinein und rösten, dann weiß man, wie geröstete Wanzen stinken (ähnlich wie aufgesaugte, nur noch atemraubender). :-)
    Ein schönes weiteres Beispiel ist neben dem Koriander (den ich übrigens gerne mag, vielleicht einer unbekannten tscherkessischen Vorfahrin zu verdanken) die Durian, die Stinkfrucht. Das Ding hat gelboranges Fleisch wie eine Mango, aber es stinkt derartig durchdringend entsetzlich, dass man den Geruch nie mehr los wird. Essen kann man es selbst mit tscherkessischer Vorfahrin aber nicht. In Thailand eine große Delikatesse.

    (Um diesen schönen Eintrag mal hochzuholen)

  4. (Man kann mit diesen Tool, das ich hier eingebaut habe, nicht hochschubsen wie in einem Forum, sondern ich kann die Artikel halt positionieren – und mache das auch gerne, wenn ich merke, das was wieder Aufmerksamkeit findet.)

    Ach je, ich habe noch nie eine Durian gegessen, obwohl ich schon Rühmendes darübe gehört habe. Ist es nicht so, daß nur die Schale stinkt wie die Pest, das Fleisch aber wundervoll schmecken soll? So habe ich das gelesen. Und das sie daher eben auch nicht exportiert werden kann? Vielleicht war das aber auch eine Ente, und auch das Fleisch schmeckt scheußlich?

    Und ja, stimmt, in der Türkei wird Koriander nur von den Tscherkessen – die da nach 1864, also nach der Niederlagen gegen die Russen, eingewandert sind – verwendet. Auch die Osseten im Nordkaukasus verwenden es verschwenderisch. Wie gesagt, ich mag es mittlerweile so halbwegs. Muß mich immer wieder daran gewöhnen, wenn ich in die Verlegenheit komme/gebracht werde.

  5. Eh nein, ganz so ist es nicht. Die Schale stinkt wie die Pest, das Fleisch stinkt wie die Pest und es schmeckt ansatzweise ähnlich einer verfaulten matschigen Zwiebel. Aber nur ganz ansatzweise.
    Oder besser wie ein ganzer Korb davon. Ich ermutige Menschen ja wirklich gerne, unbekannte Dinge zu versuchen, aber hier kann ich nur nachdrücklich abraten. Ich schüttle mich jetzt noch vor Ekel, wenn ich nur dran denke. Etwas entsetzlicheres kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

  6. :übel: :-D

    Ja, dann war das eine Falschinformation… Das war aus einem auch nicht sehr zuverlässigen Küchenlexikon; offensichtlich hat der Autor keine Ahnung gehabt. :roll:

    Wikipipi, ausnahmsweise: http://de.wikipedia.org/wiki/Durian

    Daraus:

    Aufgrund der Geruchsbelästigung ist die Mitnahme von Durianfrüchten in Hotels oder Flugzeugen meist nicht gestattet. Setzt sich der Geruch erst einmal fest, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Deshalb ist es in Hotels üblich, bei Verstoß gegen das Durian-Verbot das Zimmer für eine weitere Woche zahlen zu müssen.

    :-D

  7. Ich verstehe nicht, wenn diese Durian ja angeblich nach buttrigem Vanillepudding schmecken soll, wieso man sich nicht einfach einen solchen KOCHT. Vor allem duftet das Haus nachher noch ein Weilchen sehr angenehm.
    Gegen die Durianduftnote im Haus hilft es nicht mal ein Dutzend inkontinente Marder durchs Wohnzimmer zu jagen.

  8. Ich schüttle mich jetzt noch vor Ekel, wenn ich nur dran denke. Etwas entsetzlicheres kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

    Gegen die Durianduftnote im Haus hilft es nicht mal ein Dutzend inkontinente Marder durchs Wohnzimmer zu jagen.

    Oh Elsa, es ist Dir aufgrund Deine Wortwahl unbesehen und sofort zu glauben, daß Du aus Erfahrung sprichst. :-D

  9. Peter

    Zitat: „Damit wäre dann Koriander sozusagen ein Anti-Europäer-Kraut…“

    Ist auch nicht sonderlich wunderlich, denn

    Zitat:
    Grüne Stinkwanze, heimisch in: Europa

    Riechen beide absolut identisch,

    wer schon mal in einen Apfel gebissen hat, auf der sich vorher eine Stinkwanze gesonnt hat, wird mich verstehen !!

    WIDERLICH !!!!!! :übel:

  10. Brrrr….. Zu der mir bislang völlig unbekannten Durian-Frucht weiß die englischsprachige Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Durio_zibethinus) zu berichten:

    The edible flesh emits a distinctive odour, strong and penetrating even when the husk is intact. Some people regard the durian as fragrant; others find the aroma overpowering and offensive. The smell evokes reactions from deep appreciation to intense disgust and has been described variously as almonds, rotten onions, turpentine and gym socks. The odour has led to the fruit’s banishment from certain hotels and public transportation in southeast Asia.

  11. Ich hab die Dinger auch noch nie gesehen/gerochen, und anscheinend muß ich das auch nicht bedauern…

    Soweit ich weiß, werden sie aus naheliegenden Gründen nicht exportiert…

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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