Savoir vivre
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Die Baskenmütze

Es ist die Baskenmütze eine Kopfbedeckung mit einer merkwürdigen Karriere. Über die Grundgegebenheiten informiert Sie Wikipedia – Sie werden sich vermutlich wie ich darüber wundern, daß Baskenmützen ursprünglich nicht aus Filz waren, sondern gestrickt wurden. Uns aber interessiert hier vor allem die bemerkenswerte Fragmentiertheit der Baskenmützenträger:

A. Das liebe Militär

In vielen Armeen der Welt, vermutlich in den meisten, werden Barette getragen, die direkt auf die Baskenmütze zurückgehen. Wir sind uns fast sicher, daß die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Barette, von denen nach Meinung eines Liedes aus der Jugendbewegung die Feder geschwankt hat, hier nurmehr den Namen beigesteuert haben.

Natürlich, ein Barett:

  • sieht fesch aus.
  • fällt nicht so leicht vom Kopf.
  • läßt sich bequem zusammenfalten und in Taschen oder unter einer Schulterklappe verstauen.
  • ist einfach herzustellen, billig und nahezu unverwüstlich.
  • kann durch unterschiedliche Farben Stolz auf die eigene Waffengattung vermitteln.

Wir erinnern uns übrigens noch sehr gut, in den Neunziger Jahren Gemecker von rechten Bundeswehrlern über die „nicht den deutschen Traditionen“ entsprechende „alberne Pizzabäckermütze“ gehört zu haben. Und nun haben wir kürzlich gehört, daß wiederum gemeckert wird: und zwar, weil man mit der nun wiedereingeführten Landsermütze eben keinen Stolz auf die eigene Waffe mehr zum Ausdruck bringen kann – und wohl auch, weil man mittlerweile gemerkt haben dürfte, wie bescheuert diese Landsermütze eigentlich aussieht, so dürfen wir ergänzend vermuten.

B. Die Abseitigen

Die schwarze Originalbaskenmütze mit dem nach innen geschlagenen Lederband und dem Nippel obendruff wird hingegen von Leuten getragen, die irgendwie daneben stehen oder das zumindest von sich meinen:

Regisseure und Künstler, meist (aber nicht zwingend) Linke in den gesetzteren Jahren, Frankophile und Alt-68er. Kleinstadtintellektuelle und Bibliothekare. Ewige Studenten, Che-Verehrer, Ernesto Cardenal, Heinrich Böll und Joseph Ratzinger. Interbrigadisten, Resistance-Kämpfer und pubertierende Neo-68er.

C. Frauen

Kann man einen bestimmten Typus weiblicher Baskenmützenträger ausmachen? Wir sind uns nicht ganz sicher. Frauen tragen eine Kopfbedeckung wohl weniger aus ideologischen Gründen und eher „gelegentlich“. Vielleicht gibt es einen gewissen Typus von irgendwie cineastisch und/oder intellektuell angehauchten Frauen, die überdurchschnittlich häufig eine Baskenmütze tragen? Eine Baskenmütze auf dem Kopf einer Frau hat vielleicht auch einen gewissen Touch ins Altjüngferliche und Prüde, hm, ins „Eingezogene“… Oder?

D. Und ich!

Ich habe meine Baskenmütze aus Schüler- und Studententagen wieder ausgemottet! Daher schreibe ich das hier! :freu:

8 Kommentare

  1. Huldra

    Ich habe auch eine solche Mütze und trage sie auch gerne … ich verbinde die Baskenmütze bei Frauen immer irgendwie mit Paris. Keine Ahnung, ob es stimmt, dass Pariser Frauen häufiger Baskenmützen tragen im Vergleich zu anderen europäischen Frauen.
    Meiner Meinung nach ist es eine recht elegante Alternative zwischen Mütze und Hut, vor allem, da heutzutage das Tragen von Hüten bei Frauen fast nicht mehr oder nur in gewissen Kreisen vorkommt. Und die meisten Hüte sehen für mich altjüngferlich aus ;-) Und Wollmützen und dergleichen – naja, das sieht selten gut aus, wie ich finde. Eine etwas schräg aufgesetzte schwarze Baskenmütze und darunter dann das lange Haar, das wiederum gefällt mir! :-)

  2. Also, die Assoziation zu Frankreich/Paris ist ganz sicher auch bei weiblichen Baskenmützenträgern gegeben… :-) (Und ich muß halt immer an Filme aus den 40er Jahren denken? Wegen Ingrid Bergman? Oder wegen Marlene? Ich bin mir nicht sicher…)

    Und, ja, man sollte sie leicht schräg tragen. Nicht nur Frauen! (Beim französischen Militär werden sie mittlerweile so schräg getragen, daß man sich wundert, daß sie nicht permanent herunterfallen…)

  3. Sch…

    Erkannt und einsortiert. :-(

  4. Darauf angesprungen! :-D

    (Als ich da betreffende Begriffspaar hingeschrieben hatte, hatte ich in der Tat an Dich und Deinen Vater – es war doch der Vater, oder? – gedacht.)

  5. scipio

    Du meinst meinen „Papa“? Oder hatte ich meinen Vater erwähnt? – Ja, der hatte auch mal eine.

    Meine hat eine ruhige Saison. Mein Frau meint vor einiger Zeit, ich sähe damit so klerikal aus. Seither bin ich vorsichtig, wann ich sie aufziehe.

  6. Ich weiß wirklich nicht mehr, was Du seinerzeit genau gesagt hattest, ich hatte es halt so in Erinnerung behalten, daß Dein Vater (auch schon) eine getragen habe.

    Na, eine Baskenmütz „klerikal“? So empfinde es aber wirklich nicht… Na ja, wenn in rural-katholischen Gegenden die Pfarrer vielleicht die einzigen Intellektuellen im Dorf sind und daher Baskenmützen, kann es vielleicht hinkommen. ;-) Ah, und nicht zu vergessen sind die Basken selbst ja auch ein klerushöroges Völkchen oder waren es zumindest bis 1936…

  7. Vercel

    Also … Bundeswehr und Barett ist ein Thema für sich. Der Begriff „alberne Pizzabäckermütze“ (Kurzform: Pizzabäcker – und jeder wußte, was gemeint war) bedeutete eigentlich, daß das Barett mit der Seite ohne Abzeichen im 90° Winkel abstehend getragen wurde und einfach steindoof aussah. Meist waren das auch noch sogenannte „Fehlfarben“, also alles, was korallrot oder blau trug. „Richtige“ Barettträger waren eigentlich nur Fallschirmjäger (bordeauxrot, eigentlich international so), Jäger als leichte Infanterie mit grün und Panzer mit schwarz. Zusätzlich trugen die Aufklärer (Panzeraufklärer und Fernspäher) die Barette der Panzertruppe und Fallschirmjägertruppe mit goldgelb unterlegten Abzeichen. Interessant ist auch, daß die Abzeichen der drei „originalen“ Barette leicht veränderte Abzeichen der Wehrmacht bzw. der Luftwaffe waren und auch keine schwarz-rot-goldenen Fahne beinhalteten. Ablehnung ist mir in den Achtzigern ehrlich gesagt nie untergekommen: die Panzermänner hatten die Mütze schon im 2. WK und wir Fallschirmjäger hatten damit kein Problem, die Jäger auch nicht. Und da die Gebirgler auch ihre eigene Kopfbedeckung hatten, war die leichte Infanterie klar abgegrenzt vom Rest des Ladens … und das war auch gut so … fanden wir alle

  8. Ah, danke für die Erläuterungen! (Ich habe mich übrigens nach dem Verfassen des Artikels noch belehren lassen, daß es in Deutschland vor 1945 auch andere Vorformen des Baretts gab – was aber an meiner Einschätzung, daß es in seiner heutigen Form von der Baskenmütze abstammt, wenig ändert.)

    Der Bursche, von dem ich das mit der „Pizzabäckermütze“ in den 90ern hatte, war übrigens ein ehemaliger Z12er, ich glaube die meiste Zeit bei den Panzergrenadieren. Derjenige hingegen, der mir gegenüber vor einigen Jahren die Zurückdrängung der Barette beklagt hat, war in der Tat ein Panzerfahrer (Reserve-Hauptmann). Das paßt ja ganz gut zu Deinen Ausführungen.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: more »

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