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Ausland, Zu einem Einzelartikel
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Das Ding der Engländer (ergänzt!)

Garton Ash spricht sich in seiner Kolumne im gar nicht monarchistischen Guardian für die Erhaltung der britischen Monarchie aus. Dankenswerterweise geht er auf das läppischste Argument gegen die Monarchie – das ihrer finanziellen Kosten – gar nicht ein.

Er meint, daß die Monarchie zwar theoretisch mit der Demokratie unvereinbar sei, praktisch aber nicht. Wie wahr:

Wenn wir von der Macht einer nichtgewählten Einzelperson reden, dann ist Rupert Murdoch eine bei weitem größere Gefahr für die britische Demokratie als unser Staatsoberhaupt kraft Erbfolge.

Sicher recht hat er auch mit der Feststellung, daß in irgendeiner Form gewählte Staatsoberhäupter immer einen politischen Hintergrund haben, daß sie einmal „ihre Ellenbogen benutzt haben“ und das sie das nur selten ganz vergessen machen können. Und richtig, Sterne wie Vaclav Havel oder Nelson Mandela sind Ausnahmeerscheinungen – unglücklich das Land, das ihrer überhaupt bedarf.

Die Frage, wie man sich fehlgeratener Monarchen (Eduard VIII. in England, Wilhelm II. in Deutschland…) erwehren kann, reißt er allerdings nicht an. So häufig kommt das ja auch nicht vor. Und in England haben sie ja ohnehin nichts zu sagen.

TGAs wichtigstes Argument für die Monarchie aber ist zugleich der hübscheste Absatz des ganzen Textes:

Wie wir nun wieder an der weltweiten Medieninvasion zur königlichen Hochzeit sehen, trägt diese Geschichte, diese Legende und dieser Mythos in erheblichem Maße zu Englands soft power (zu seiner Anziehungskraft) und zu seinen Tourismuseinnahmen bei. Ich glaube kaum, daß irgend jemand nach Berlin fährt, um sich die Wachablösung bei Schloß Bellevue anzusehen oder um einen Blick auf Präsident Wulff, Frau Wulff und die kleinen Wulffs zu erhaschen. „Präsident wer?“ würden die meisten Leute in der Welt fragen, wenn das gegenwärtige Staatsoberhaupt von Europas mächtigstem Land erwähnt würde. Das geht an, wenn man viele BMWs und Mercedesse baut und Schwermaschinen nach China exportiert. Das macht England aber nicht. Stattdessen hat es die Königin, William und Kate.

Ergänzung

Ich habe mir dann gestern abend das Fernsehereignis des Jahres in der einstündigen Zusammenfassung der ARD angesehen – und danach kann ich Garton Ashs Argumente zwar immer noch nachvollziehen, jedoch fehlt mir in noch stärkerem Maße als zuvor jede Spur von Begeisterung für sie. Ich empfinde wie der französische Twitterer @dingerjoe:

Wenn Lächerlichkeit töten könnte, wären die Straßen von London heute mit Leichen übersät.

Eine hübsche Braut und ein wirklich schönes Hochzeitskleid, ja. Aber das schien mir dann auch das einzig Sehenswerte und Aparte an der Veranstaltung. Ansonsten: Langatmige und lächerliche Zeremonien, die aufgedunsenen Inzucht-Gesichter der europäischen Hoch-Schickeria, alberne Hüte, blasierte Weibe, verschnarchte Greise, viele Engländer und David Beckham. Bah. Der Prinz ist zu fett für sein Alter.

Wenn man für den Wiederaufbau der Frauenkirche Geld sammelt, muß man dann zur Prinzenhochzeit einen Lancaster-Bomber anfliegen lassen? Ansonsten war’s man was mau mit den Flugzeugen – in Frankreich macht das Luft-Defilee am 14. Juli erheblich mehr her.

Wirklich, dann lieber Schwermaschinen nach China exportieren.

Ein Kommentar

  1. [...] ansonsten recht pragmatischen und bodenständigen Niederländer zu ihrem Königshaus, ebenso wie die Engländer zu dem ihren. Abschaffen wollen sie es (noch) nicht. Allerdings sind viele der Meinung, dass Beatrix demnächst [...]

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