Nun haben sie ihn also doch erwischt. Ich muß zugeben, in diesen zehn Jahren immer mal wieder gedacht zu haben: „Na, wär richtig klasse, wenn die Franzosen ihn erwischen würden.“ Die sind ja auch in Afghanistan, und denen hätte ich es eher zugetraut.
Na, das war wohl im Wortsinne ein bißchen vermessen… Und nun hat sich der Radiowecker eben anders entschieden.
Und dennoch: den „Dummchen aus Amerika“ hätte ich das eben nicht zugetraut, und nun haben sie es doch noch geschafft, man glaubt es kaum. Warten wir auf Details.
Unvergeßlich bleiben mir die Worte meines Chefs vor zehn Jahren: „Na, wenn’se den erwischen, wird er schockgefroren und in Dünnschliffscheiben geschnitten; und jeder Offizier kriegt dann eine.“
Bei den nun auch schon zehn Jahre alten Bildern von Osama, die jetzt natürlich wieder überall auftauchen, schien mir stets eines besonders kurios: die Jacke im US-amerikanischen „Woodland“-Tarnmuster.
P.S.: Ah, das Schlagwort gibt es in diesem Blog noch gar nicht. Als jahre- und jahrzehntelanger ehemaliger FAZ-Leser erweise ich meinem alten Blatt die Referenz, ihre Schreibweise zu übernehmen.
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Und was mir noch so einfällt
- Daß es „Al Qaida“ in den letzten zehn Jahren nicht mehr gelungen ist, einen nennenswerten Anschlag auf dem Territorium der USA zu verüben.
- Daß es immerhin mal wieder bezeichnend ist, daß Usama in einem großen mehrstöckigen Haus gelebt hat. (Und nicht irgendwo versteckt in einer Höhle.)
- Daß „Guantanamo“ der Sache der Amerikaner (die zumindest partiell auch die unsere ist) mit Sicherheit einigen und vermutlich großen Schaden zugefügt, ihr aber mit Sicherheit wenig und vermutlich gar nichts genutzt hat.
- Daß es dem entspricht, was man von den Amerikanern erwartet, daß sie sich jetzt um eine korrekte islamische Bestattung Bin Ladens bekümmern.
- Spon, Hervorhebung von mir:
Er versteckte sich in einer großen Residenz in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad, verzichtete auf Telefon und Internet – trotzdem kam ihm der US-Geheimdienst auf die Spur.
- Daß das Maß der Involviertheit der pakistanischen Dienste in die Aktivitäten Al Qaidas ein noch größeres sein muß als schon bisher angenommen.
- Daß es in diesem Abbodinges-Nest sogar einen Golfplatz gibt…


Ja, nun hat mehr Zeit sich zu überlegen, wie er sich vor dem Jüngsten Gericht rechtfertigt. Soll er bis dahin in Frieden ruhen.
Vielleicht wollten sie das auch gar nicht. Die finanziellen Verpflichtungen aus den verschiedenen Kriegen und den erhöhten Sicherheitsmaßnahmen sind ja so hoch, dass sie, so wie es zur Zeit aussieht, die USA und Teile des Westens ruinieren. Zusammen mit anderen Faktoren. Wozu da noch ein Anschlag, der aufwändig zu planen und durchzuführen wäre?
Aber lebt Al Qaida nicht von ihrem Ruf?*) Diese Killervideos aus dem Irak (also Bilder von Anschlägen auf US-Patrouillen etc.), die dann im Netz verbreitet werden, sind meines Wissen ein recht entscheidender Faktor bei der Selbstdarstellung dieser Leute und auch bei der Rekrutierung von Nachwuchs.
Und ein weiterer Anschlag mit Blitz und Knall und Stank in den USA hätte in diesem Sinne doch sicher mächtig was hergemacht… Und in Europa haben „sie“ ja auch auch zugeschlagen, eben in London und in Madrid.
*) Ich weiß gar nicht, was ich in diesem Satz in Anführungszeichen setzen soll: „lebt“, „Al Qaida“, „ihrem“ oder „Ruf“? Es ist halt so eine amorphe Geschichte…
Gute Frage! Letztendlich kann ich sie nicht beantworten. Wovon ich aber ausgehe, ist, dass sie dem ‚Westen‘ so viel Schaden wie möglich zu möglichst geringen Kosten zufügen wollen. Langfristig gedacht braucht es dazu vielleicht gar nicht so viele Anschläge. Nicht jede Kultur ist so geschichtsvergessen wie die deutsche, und nicht jede denkt so kurzfristig
Nach anderthalb Wochen hat sich die Aufregung wohl ein wenig gelegt. Nach meinem Eindruck lief das in etwa folgendermaßen: Nach einer Schamfrist von etwa 36 Stunden habe die Leute, von denen man das auch erwartet hat, das antiamerikanische Ressentiment ihrer Klientel bedient – beispielsweise die Frankfurter Rundschau. Und danach ist man dann über Murkel hergefallen, der man schwerlich anderes wünschen mag, als daß über sie hergefallen werde.
Ich hätte es in gewissen Weise auch für „besser“ gehalten, wenn man Bin Laden einen Prozeß gemacht hätte. (Nur bitte nicht in dieser trotteligen Ami-Konstruktion Guantanamo, sondern in Den Haag.) Es hätte souveräner und weniger, hm, primitiv gewirkt.
Dennoch meine ich weiterhin, daß es in der Politik und im Krieg eben auch eine extralegale Sphäre, ein „Schattenrecht“ gibt, ob einem das nun paßt oder nicht. Und wenn es einem nicht paßt, sollte es zumindest kein allzu großer und ostentativer Aufreger sein.
Um es anders zu formulieren: Bin Laden „war nun einmal“ ein Fall für‘n Henker, und wer darum große Worte macht, nervt. Glaubwürdig wäre er nur, wenn er schon vor Bin Ladins Exekution gefordert hätte: „Macht Bin Laden den Prozeß!“ Und daß diese Forderung von den Linksliberalen mit Verve vorgebracht worden wäre, wäre mir entgangen.