Medien, Webdesign
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Seiten im Netz

Unter Web-Volk ist die Sache ohnehin seit eh und je bekannt – herumsprechen wird sie sich hingegen ohnehin nie. Dieser Beitrag ist mithin ohnehin vergebliche Liebesmüh – ich möchte es nur einmal loswerden und vielleicht ein ganz kleines bißchen dazu beitragen, daß es sich doch noch herumspricht. Also: Seitenzahlen in Online-Artikeln sind des Teufels!

Es gibt keinen einzigen technischen oder ästhetischen Grund, Blogartikel und Zeitungsartikel im Web, die kürzer als – sagen wir – zwei ganze FAZ-Seiten sind, zu paginieren. Und dieser vage Wert ist noch für ein 56k-Modem gerechnet. Heute sind die Ladezeiten von reinem Text völlig unbedeutend, solange es sich nicht um ganze Bücher oder um Texte mit sehr vielen Abbildungen handelt. Mindestens 99,9 % der Blog- und Zeitungsartikel im Web brauchen und dürfen nicht paginiert werden.

Ja klar, die von mir immer noch geschätzten Foren dürfen wegen der vielen Formatierungselemente und oft auch Grafiken paginieren (auch wenn der zehn Jahre alte Standardwert „15 Artikel/Seite“ wohl einmal hochgeschraubt werden könnte) – aber Artikel dürfen es nicht. (In einer Community darf man auch Sachen, die sich kein Einzelhansel herausnehmen darf.)

Paginierungen nerven, Paginierungen erschweren die Orientierung im Text (auf welcher Seite stand noch gerade der zu zitierende Satz?). Seitenzahlen verlangsamen durch das Neuladen das Lesen, verunmöglichen das Überfliegen eines Textes und machen die Textsuche zu einer Qual. (Ja, auch mit Javascript-Layern erzeugte Paginierungseffekte nerven fast ebenso wie Seitenzahlen mit Get-Variablen in der URL.) Ein Bildschirm ist kein Heft! Scrollen ist unendlich bequemer als fitzelige Seitenzahlen anzuklicken.

Seitenzahlen dienen einzig und allein der Generierung von Klicks – für’s Ego oder für die Werbeeinnahmen. Das ist der Hauptpunkt: Seitenzahlen sind Klickfallen. Und sonst nix. Wer paginiert, wie zum Beispiel die Süddeutsche, nimmt seine Leser nicht ernst oder hält sie (wohl zu Recht) für Vollidioten. Seitenzahlen sind Schikanierung des Lesers um des eigenen Vorteils willen, ausgeübt in der Hoffnung, daß der Leser gar noch zu blöd ist, die eigene Schikanierung überhaupt zu bemerken.

Ich bin vor ein paar Jahren dazu übergegangen, paginierte Artikel „grundsätzlich“ nicht mehr zu lesen, auch nicht deren Seite 1. Klar, Ausnahmen machte ich schon – aber da müßte dann auch schon einer von denen hier schreiben. Und die schreiben nicht in Klitschen, die paginieren.

Boykottiert die Paginierer!

So, das war jetzt die auch mir alle sechs Monate zustehende Dosis an Hilfs-Nerd-Rechthaberei. :-)

Bildquelle: jacqueline-w, CC

4 Kommentare

  1. frei_sein

    Wenn sich der Boykott mal nicht durchhalten läßt, schaffen Safari Reader oder Readability für den Firefox/Chrome Abhilfe. Die helfen auch, wenn der Designer den Text zu klein gesetzt und der Werbung zuviel in seinem Text untergebracht hat.

  2. Jäp, fs, danke für den Hinweis auf die Add-Ons – kannte ich ein der Tat nicht. Die Namen passen jedenfalls: Paginierung ist Zerstörung von Lesbarkeit, also Teufelswerk. (Ich werde echt noch zum Netz-Maoisten. :roll: ;-) )

    Ich kann ja mal wieder nen Forum aufmachen, und da wird der Umbruchwert dann auf 50 Posts hochgeschraubt. :zahn:

  3. Rakir

    Vielleicht findest Du auch instapaper.com gut, falls Du es nicht sowieso schon kennst. Sehr schön gerade für längere Artikel.

  4. Ah, ebenfalls danke für den Hinweis! Ich hab das schon mal gehört, kenne es aber nicht näher… Wenn es einfach nur um das „später lesen“ geht, nehme ich meist eines meiner zahlreichen Lesezeichen-Tools zwischen Twitter und Delicious und erfreue nebenher die Leserschaft dieses Blogs mit einem weiteren Link irgendwo hin ;-) .

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:-) :-( ;-) :-D :übel: more »

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