♦ Auf WDR 3 in eine Wiederholung dieses Störtebeker-Zweiteilers von vor so einem guten Jahr reingerutsch. Nach drei Minuten ausgeklinkt: es ist von „300 Seemeilen“ die Rede. Eine Seemeile sind 1,83 km, also eine Bogenminute der nautischen Breite, also das Sechzigstel des Abstandes zwischen zwei Breitengraden. Nicht schlecht, das im späten 14. Jahrhundert gewußt zu haben. (Ich weiß, das ist jetzt schulmeisterliche Rechthaberei, aber man kann Historienfilme, in denen solche Lapsus vorkommen, einfach nicht anschauen.)
♦ Auf welt.de eine Reportage über Hannover-Linden. Das ist das verzeckteste Studenten-, Türken und Arbeitslosenviertel hier. War schon immer links. Seitdem das 1929 doch noch eingemeindet wurde (vorher das größte „Dorf“ im Staate „Preußen“), ist hier Hopfen und Malz verloren.
♦ Linden. Am Sonntag in der HAZ das Ergebnis aus einem einzelnen Wahllokal dort gesehen: CDU 9 %, SPD 31 %, Grüne 28 %, Linke 25 %. Rekordverdächtig, würde ich sagen. Fast schon wieder ein Grund stolz zu sein.
♦ Dafür ist in Südoldenburg die Welt wieder im Lot. Die CDU ist in den Kreisen Vechta und Cloppenburg wieder über 70 %, sie war da in Zeiten der Wirren schonmal bei 68, oder so. Nun, leben möchte ich da nicht unbedingt.
♦ Vor ein paar Tagen gelesen: Die Gendarmerie in Frankreich will nun Linux einsetzen, nachdem sie schon vor drei oder vier Jahren von MS Office auf OpenOffice umgeschwenkt (worden) war. Gut so. Und zwar Ubuntu, nicht Mandriva. Auch das sicher eine weise Entscheidung.
♦ Wiederlektüre: Ahasver von Brandt: „Werkzeug des Historikers“. Ein wunderbar dichtes kleines Büchlein. Wie nahe ernsthafte Geschichtswissenschaft am Handwerk ist! Leider, leider: In keiner anderen Wissenschaft ist die Öffentlichkeit dennoch so empfänglich für die Erzeugnisse von Scharlatanen und Dilettanten. Historiker-Schicksal.
♦ Um Pardon für diese etwas uninspirierte Sammlung von „Was ich nochmal sagen wollte“-Nachträgen.
♦ Music of the Moment:



Merowinger


Ich weiß ja nicht, wie es heute ist, aber Linden hatte schon so was angenehm Proletarisches, als ich 83/84 dort wohnte.
Im Rückblick möchte ich es nicht missen und gedenke kurz der Seele meiner Vermieterin Irma H. – ich habe nie rausbekommen, was sie in ihrem früheren Leben eigentlich von Beruf gewesen ist. Ich stellte sie mir immer als Bardame vor. Als ich als Untermieter bei ihr einzog, war sie Mitte Siebzig, resolut, Alleinunterhalterin – ich konnte bei der Sonntagsessenseinladung meine eisgekühlte Dose Lindener in Ruhe trinken und ihren Rotkohl essen. Über Weihnachten holte sie der Schlaganfall ein und ein paar Monate später verstarb sie. Rip.
Etwas verspätet: Sieh da, scipio hat mal in Hannover-Linden gewohnt…
Linden und die Nordstadt (in der ich in den 80ern und frühen 90ern gelebt habe) haben heute eine ähnliche Sozialstruktur: viele Studenten, Arbeitslose, „Merkwürdige“, Ausländer. Aber sie haben eine andere Geschichte, was man schon an der Architektur sieht, aber vielleicht teilweise auch noch am „Milieu“ merkt, wie das in scipios Schilderung seiner Wirtin anklingt: Die Nordstadt war vor dem Krieg tatsächlich großbürgerlich, Linden war ein Arbeiterviertel.