Bei Peter Hammer (Köln) gibt’s was Neues von Jorge Luis Borges: „An Island“.
Wie so oft bei JLB gefällt mir hier die wiederholte jähe Wechsel von getragener Melancholie, Abgeklärtheit, Klugheit und etwas beflissener Gelehrsamkeit zu plötzlichem, harten Pathos.
Es ist, als ob auf einmal ganz unvermittelt ein Schwert aus der Scheide flöge. Ich weiß schon, warum ich Borges seit so langen Jahren nun schon so sehr mag.
Man schaue sich zum Beispiel diese Steigerung an:
Von den Gebieten der schönen Erde,
Die mein Fleisch und sein Schatten ermüdet haben,
Bist du das entlegenste und vertrauteste,
= Traurigkeit. Dann der Wechsel zur Markigkeit:
Letzte Thule, Island der Schiffe,
Des zähen Pflugs und des standhaften Ruders,
Der ausgespannten Seemannsnetze,
Jenes seltsam reglosen Nachmittagslichts,
Das der vage Himmel bei Tagesanbruch ausgießt,
Und dann das:
Und des Windes, der die verlorenen Segel
Des Wikingers sucht. Heilige Erde,
Die du die Erinnerung Germaniens warst
Und seine Mythologie freikauftest
Von einem Wald aus Eisen und von seinem Wolf
Und von dem Schiff das die Götter fürchten,
Gefertigt von den Fingernägeln der Toten.
Uah! (Es schreibt wohlgemerkt ein Argentinier…)
Und dann noch einmal das gleiche Spiel:
Wenn der Körper seines Menschen müde wird,
Wenn das Feuer sinkt und schon Asche ist,
Tut das entsagungsvolle Erlernen
Einer unbegrenzten Aufgabe wohl; ich habe
Das Erlernen deiner Sprache gewählt, das Latein des Nordens,
Das die Steppen und Meere einer Erdhälfte
Umschloß und in Byzanz widerhallte
Und an Amerikas jungfräulichen Rändern.
Kann man etwas Schöneres über das Altnordische (und sein Studium) sagen?
Na klar, man muß hier an Mohlers wunderbar giftigen Text über seine Island-Reise denke. Auch darin gibt es dann aber diese Wendung zum Pathetischen („So stellt man sich eine Landschaft vor, in die sich ein Mann zum Sterben zurückzieht“, aus dem Gedächtnis…)
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Nebenbei: Mir ist mal vor Zeiten im Web eine Liste mit zugelassenen Namen von Island-Ponys untergekommen. „Harki“ war auch darunter. Heißt auf Neu-Altnordisch „Lärm“.


Und man merke: Borges erwähnt die Geysire nicht und zeigt sich damit der FAZ-Bildredaktion geistig eindeutig überlegen.
Du solltest echt mal Gunnar Gunnarsson lesen. Wird dir bestimmt gefallen. Zum Einstieg empfehle ich die Eidbrüder oder Advent im Hochgebirge.
Nur nebenbei: Ich habe gerade versucht, den zu wikieren… Es gibt keinen deutschen Artikel, wohl aber einen plattdeutschen:
http://nds.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Gunnarsson
Man beachte die Sprachabkürzung nds…
Aber danke für den (wiederholten?) Tip, ist unbedingt gespeichert.