Geschichte, Zur Lektüre
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„Die Verwandlung der Welt“ 4 – Duldsamkeit gegenüber Migranten und keine gegenüber Indigenen

In dem Mobilitäts- und Migrationskapitel finden sich zwei impressive Absätze über, nun ja, zwei einander gegenüberstehende Aspekte des 19. Jahrhunderts. Zunächst geht es um die Duldsamkeit Englands und anderer europäischer Länder gegenüber politischen Asylanten:

So wie die émigrés nach der Französischen Revolution von 1789 sich zunächst in Koblenz gesammelt hatten, wurden später im 19. Jahrhundert London, Paris, Zürich, Genf und Brüssel die wichtigsten Operationsbasen für Exilpolitik. Im Rückblick von der Gegenwart aus erstaunt die Freiheit, die viele Exilpolitiker trotz zunehmender Überwachungsanstrengungen der Behörden (etwa in Frankreich) genossen. In Großbritannien wurde während des gesamten 19. Jahrhunderts kein einziger politischer Flüchtling vom Kontinent an der Einreise gehindert oder später abgeschoben. Niemand dachte daran, Karl Marx in London oder Heinrich Heine in Paris einen Maulkorb zu verpassen. Rechtshilfeabkommen mit anderen Regierungen gab es nicht. Ersuche, Regimegegner in London zu verfolgen, wurden stets abschlägig beschieden und manchmal gar nicht erst beantwortet. Auch der Kritik am eigenen, dem britischen, Imperialismus wurden keine rechtlichen Hürden in den Weg gelegt.

S. 213

Und sodann um das Ende des Sioux-Volkes:

Ein ähnlicher Zufluchtsort [wie das Osmanische Reich für die aus Rußland vertriebenen] Kaukasier, K.B.] fehlte anderen verfolgten Volksgruppen. Anfang Mai 1877 überquerten nach Jahren des Rückzugskampfes und einem Sieg im Vorjahr über die US-Armee bei Little Big Horn die überlebenden Lakota-Sioux unter ihrem Häuptling Sitting Bull die vermeintlich rettende Grenze zum Land der „Großen Weißen Mutter“ , der Queen Victoria, die soviel gütiger zu regieren schien als der „Große Vater“ in Washington D.C. und in deren Reich es Gesetze gab, die für alle galten. Zum ersten Mal in seinem Leben traf der Häuptling in Kanada Weiße, die ihm mit Respekt begegneten und denen er meinte vertrauen zu können. Die Diplomatie machte einen Strich durch diese Rechnung. Die USA, die sich im Kriegszustand mit den mittlerweile schwachen und verelendeten Lakota fühlten, verlangten von Kanada, die Indianer zu internieren. Hunger und unablässiger amerikanischer Druck zwangen die kleine Lakota-Gemeinschaft, einen Schatten einstiger Sioux-Größe, schließlich in die USA zurück, wo sie wie Regierungsgefangene gehalten wurden.

S. 216

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