3. „Konservativ-Subversive Aktion“

von Harki

So, die dritte Konservativ-Subversive Aktion ist – wie de facto angekündigt – an diesem Wochenende über die Bühne gegangen und man hat sich Günter Grass ausgeguckt. Über den Fortgang der Aktion und über die Reaktionen der „ersten Zeitungen“ (das sind bis jetzt die Junge Freiheit und eine ostdeutsche Website) unterrichtet Sie das hier verlinkte WordPress-Blog.

Es war sicher klug, sich auf Grass einzuschießen, jedenfalls ein deutlich besseres und lohnenderes Ziel als Nischenpersönlichkeiten wie Egon Krenz. Vielleicht berichtet ja wirklich noch eine Zeitung.

Vom Verlauf hätte man gerne Näheres erfahren. „Mehrere Zuhörer im Saal solidarisierten sich spontan mit der ksa“ – das ist nun wirklich Ostzonen-Stil.

Den Comic in der allseits beliebten Comic-Sans-Substitutions-Schrift Tekton mag ich nicht beurteilen, ich mag keine Comics und erkläre mich für unzuständig. Und ich mag auch nicht permanent meckern. Immerhin, am Ende wird es Licht. Zwei junge Menschen fragen sich, warum Grass denn nicht „versöhnend erzählt habe“. Wie bitte? Hätte man da ein „Ich war dabei“ erwartet? Na, egal. Zu suggerieren, Grass sei in Kampfhandlungen involviert gewesen, um ihn irgendwie involvierter zu machen, finde ich – aber halt. Nein. Es ist eben ein Comic.

5 Kommentare zu „3. „Konservativ-Subversive Aktion““

  1. frei_sein

    Als Frankophiler und erklärter „Belgien-nicht-die-Auflösung-Wünschender“ müßtest Du doch eigentlich einen Bezug zu Comics haben ;)

    Zur Sache: GöKu scheint es ja ernst zu meinen und hat sich ein mediales Dickschiff als Ziel ausgesucht – auch wenn es bemerkenswert ist, daß man sich von den 68ern über Krenz zurück zur (späten) Frontsoldatengeneration hangeln muß, wenn man eine politische Aussage zur Gegenwart treffen will. Ob nun bemerkenswert für die KSA oder die Republik sei dahingestellt …

  2. Als Frankophiler und erklärter „Belgien-nicht-die-Auflösung-Wünschender“ müßtest Du doch eigentlich einen Bezug zu Comics haben

    Aber nicht zu solchen. ;)

    Brodkorb berichtet erwartungsgemäß, auch die FR und ähnlich die WAZ.

    Übrigens, fällt mir jetzt erst auf: Mutig von Günter Grass, seine Präsentation zeitgleich zu einer Tatorts-Folge anzusetzen…

  3. Mir fällt gerade auf, daß das Wort „Nebelkerzenprosa“ offensichtlich ursprünglich aus einer Rezension im Tagesspiegel stammt.

  4. Richtig, der wurde auch an Besucher verteilt

  5. Daß die Taktik, sich auf ein „mediales Dickschiff“ (wie fs das treffend genannt hat) einzuschießen, richtig war, sieht man an den Reaktionen der Presse.

    Die TAZ frühstückt die Aktion in einem längeren Bericht über den Abend indigniert-kurz ab:

    Und noch etwas fällt aus dem Ablauf heraus. Bald entrollen einige Männer Plakate: “ ,www.ungebeten.de‘ “ „grüßt die moralische Instanz Günter Grass“. „Nebelkerzenprosa“, rufen sie. So wie Martin Walser nach seiner Friedenspreisrede der Schlussstrichvorwurf könnte Grass nun nach seiner verspäteten SS-Einlassung der Verschleierungsvorwurf begleiten. Die Recherche ergibt später, dass es sich bei den Störern um eine obskure „konservativ-subversive“ Gruppe mit neurechts-aktionistischen Gedankengut handelt. Grass blieb gelassen; die Männer sollten doch erst einmal zuhören, sie könnten ja hinterher buhen.

    Eckhard Fuhr hingegen berichtet unter dem Titel „Günter Grass und die konservativen Spontis“ ausführlich über die Sache, wenn er auch keine sehr freundlichen Worte für den Initiator findet:

    Schließlich fordert er „die Öffentlichkeit“ auf, sich Autoren zuzuwenden, denen es „um die Versöhnung der Generationen und die Vielschichtigkeit deutscher Biografien“ gehe.

    Da hat der gute Kubitschek wohl einen Blick durch Grassens „Box“ getan – und die hat ihm sein Wunschbild eines deutschen Autors gezeigt: einen Mann mit Schnurrbart und Pfeife, der wie kein anderer die Vielschichtigkeit deutscher Biografien literarisch gestaltet und die Generationen miteinander ins Gespräch gebracht hat und der gerade in seinen beiden jüngsten Büchern dem schwierigen Verhältnis von Dichtung und Wahrheit nachgegangen ist.

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