Diese merkwürdige Aufnahme von Michèle Lalonde aus den frühen 70ern mag ich sehr und habe sie wirklich viele, viele Male gehört. Das im Grunde schon gegenstandslose Pathos gefällt mir aus mir selbst nicht ganz erklärlichen Gründen. Die ehemaligen „weißen Neger“ Nordamerikas haben zu dieser Zeit schon eine Stimme – und benutzen sie selbstverständlich sofort, um sich zu beklagen, um Leiden zu reklamieren und um fremdes Leid in die eigene Leidensgeschichte einzugliedern. Das ewige Spiel der intellektuellen „Nation Builders“.
Hier wird eine ganze Menge auf kleinem Raum deutlich: die Säkularisierung der zuvor erzklerikalen Quebecker, das Aufspringen auf Züge, der Leidensgestus nach eigentlich schon gewonnener und auch nur gewinnbarer Medien-Schlacht. Ihre Oma hat noch – in endlosen Winternächten, versteht sich – Rosenkranz gebetet, sie schreit von Little Rock und Algier. Nun ja.
Dennoch und wie gesagt: Hübsches Stück. Und ein bißchen Antiamerikanismus ab und an kann ja auch nicht schaden, wo kämen wir da hin.


Durchetikettiert



Da ich des Französischen nicht mächtig bin, ist mir besonders das Bild aufgefallen, das diesem Beitrag flankiert. Was zeigt denn diese schöne Aufnahme?
Das ist Schloß Frontenac, das mächtige (historistische) Stadtschloß über der Stadt Quebec…
Das Bild hat mich übrigens spontan an die Kathedrale von James Ensor erinnert.
Übrigens: Dieses Suchen nach Creative-Commons-Fotos auf Flickr, die ich dann als Beitragsbilder verwende, macht mir im Moment außerordentlichen Spaß. Man ist ein bißchen in der Lage der Bildredaktion der FAZ, die nach dem „Bild des Tages“ für Seite 1 sucht
und muß oft mit Suboptimalem Vorlieb nehmen. Aber dieses Graben macht halt Spaß, und die Idee dieser Lizenzen ist wirklich okay. Ich weiß nicht, Nikodemus, ob Du kreuz.net liest (ich hoffe nicht
) – die machen es jedenfalls bei ihrer Artikelbildern auch so.
Na, die Autorin beklagt sich halt gerade, es auch nicht zu sein.
(Obwohl sie es natürlich ist.)