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taz: „Die Helmpflicht führt zu mehr Unfällen: Gefährlicher Kopfschutz“

kopfschutzDie Helmpflicht führt zu mehr Unfällen: Gefährlicher Kopfschutz – taz.de

Die Helmpflicht macht das Fahrradfahren nicht sicherer, sondern gefährlicher. Das mag überraschen – ist aber nachgewiesen und Konsens in der Unfallforschung.

Ausgesprochen interessanter, sachkundiger Artikel, dessen Grundpositionen ich mich im wesentlichen anschließen würde.

Aber ob in die Fahrbahn integrierte Radwege wirklich sicherer sind als in die Gehwege integrierte? Ich bin mir nicht sicher. Ich meine, gelesen zu haben, daß in Holland das Zaubermittel zum Sicher-Machen des Radfahrens gerade in der strikten Trennung von Radwegen und Auto-Fahrbahnen bestanden hat…

Na, vielleicht sind sie es doch, das Argument mit der Sichtbarkeit zieht ja – wenn denn die Integration nicht nur darin besteht, einen weißen Strich und alle 200 Meter ein Fahrrad-Symbol auf die Fahrbahn zu pinseln. Und nach zwei Jahren ist der Spaß dann vom Asphalt abgefahren – von wem wohl? Richtig ist aber sicherlich die Kernthese, daß es möglichst viele Radfahrer geben muß, daß es eine Kultur des (Alltags)-Radfahrens zu schaffen bzw. zu fördern gilt. Und daß eine Helmpflicht das genaue Gegenteil bewirkt, daß sie Radfahren zu einem Ausnahmezustand macht, für den man sich gleichsam aufzurüsten hat.

Auch der Verkehrspsychologe Ian Walker von der Universität Bath hat mithilfe von Selbstversuchen festgestellt, dass er häufiger mit höherer Geschwindigkeit und geringerem Abstand überholt wurde, wenn er einen Helm trug. Wohl unbewusst handeln Autofahrer nach dem Motto: Dieser Radler ist ja geschützt, da braucht man keine Rücksicht zu nehmen.

Überzeugend. Hinzuzusetzen wäre allerdings wohl, daß sich auch viele Helmträger offensichtlich unverwundbar fühlen und dementsprechend fahren wie die Wildsäue.

Ich hatte es, glaube ich, hier schon öfter gesagt – die absolut allerschlimmste Kategorie von Radfahrer sieht so aus: männlich, mitte fünfzig, Funktionsklamotten, grauer Vollbart, Brille, Helm, teures Fahrrad. (Also so etwa wie der Autor des taz-Artikels, aber eben noch plus Helm und Brille.) Wenn Sie einem solchen Typen im Großstadtverkehr begegnen, besteht akute Lebensgefahr. Bleiben Sie am besten einige Augenblicke stehen, bis das Unheils-Wesen weitergezogen ist.

Zusatz

Jedenfalls ist es der mir wünschenswert erscheinenden Kultur der Alltags-Radelei auch abträglich, wenn sich Radfahrer benehmen wie im Ausnahmezustand.

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: more »

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