Ein Hinweis. Die schon im Juni dieses Jahres erschienene Nummer 25 der sozialdemokratischen Theoriezeitschrift horizonte aus Mecklenburg-Vorpommern ist dem Modethema „Gender Maintreaming“, allgemeiner dem „Kampf der Geschlechter“ gewidmet. Auf der Website als PDF-Datei greifbar sind drei Artikel:
Erstens ein Interview mit einem Bildungskommissionsvorsitzenden des meckpömmischen Landtages.
Zweitens – und schon deutlich spannender – das Editorial der Redaktion. Bemerkenswerterweise nämlich zeigen sich die (männlichen und weiblichen) Redakteure durchaus skeptisch gegenüber dem Modebegriff „Gender Mainstreaming“ und formulieren Positionen, die man von Sozialdemokraten nicht unbedingt in dieser Form erwarten würde:
Damit es zu einer echten Gleichberechtigung der Geschlechter im Sinne des Gender Mainstreaming kommen kann, müssen Männer innerhalb des Gleichberechtigungsdiskurses gleichberechtigt auftreten dürfen. Solange Frauen dies verhindern, geht es ihnen nicht um Gleichstellung, sondern um die Durchsetzung der eigenen symbolischen Macht, um die Durchsetzung eines neu verpackten Feminismus, der in der Gestalt des Gender Mainstreaming daherkommt. Keine Frage: Vielen Männern fiele es nicht im Traum ein, sich für Gleichberechtigung der Frauen stark zu machen. Aber gerade deshalb sind Frauen auf Bündnisse mit jenen Männern angewiesen, die dies anders sehen. Wir werden an jenem Tag in Sachen Gleichstellung einen echten Schritt weiter sein, an dem Frauen in Vorstandsetagen auch für Männer ganz normal sind und an dem Frauen es zulassen können, dass es auch männliche Gleichstellungsbeauftragte gibt. Beerdigen wir also den Kampf der Geschlechter!
Drittens schließlich eine Doppelrezension von Charlotte Roches „Feuchtgebieten“ und – Ellen Kositzas „Gender ohne Ende“ unter dem Titel „Porno goes Pop“. Ihr Verfasser Hans Felsbrock, offenbar ein Kenner neurechter Publikationen, zeigt sich von Charlotte Roches Bestseller abgestoßen und an Ellen Kositzas Büchlein kritisch interessiert:
Was genau Kositza jedoch gegen die industrielle Revolution tun will, erfährt der geneigte Leser indes nicht. Nur eines ist sicher: Gegen Gleichstellung hat sie nichts. Alles andere wäre auch wenig vorstellbar bei einer Intellektuellen, die ganz und gar nicht wie das »Heimchen am Herd« daherkommt und sich als Autorin regelmäßig ihrer spitzen Feder bedient. Vielleicht ist Frau Kositza am Ende auch gar nicht so konservativ, wie sie sich selbst gern hätte.
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Wir hatten damals recht anregende Diskussionen zu diesem Thema.
Ich persönlich stehe dem Gender-Zeugs nach wie vor skeptisch gegenüber. Gerade das sogenannte Empowerment, dass Frauen einen leichteren Zugang in „Männerdomänen“ bieten soll (und mitunter auch umgekehrt), halte ich für hochgradig ungerecht.
Na, das ist aber nun wirklich nicht einfach…
Mein reaktionäres Weltbild ist mehr oder weniger zerbrochen. Und auch als es noch halbwegs intakt war, hätte ich niemals mit den Männerbewungs-Heulsusen mitjammern mögen. Und auch damals und immer schon finde ich das Bild vom treuen Heimchen am Herd einfach abstoßend und jämmerlich. Und langweilig.
Also, ich habe bei Ellen Kositzas Glucken auch herzlich gelacht – wie die dann aber realiter aussehen, ist eine andere Frage.
Und tut mir leid, ich fühle mich einfach von Frauen nicht bedroht, auch nicht von Gender Mainstreamerinnen.
Und mit Heiligen kann ich nun schon mal gar nichts anfangen.
Ach was, anstatt weiter zu fabulieren binde ich – sozusagen anstelle einer Antwort – einfach mal wieder JSSs Lady Agnew oben rechts ein.
Nachtrag: Ah, Bouchers Madame de Pompadour könnte auch passen!
„Und tut mir leid, ich fühle mich einfach von Frauen nicht bedroht, auch nicht von Gender Mainstreamerinnen.“
Bedroht fühle ich mich auch nicht. Aber wenn ich keine Stelle kriege, weil irgendwelche Quoten gelten, ärger ich mich schon.