Feuilleton, Religion
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Chanukka

chanukka

Heute (17. Dezember) ist der erste Tag des achttägigen jüdischen Lichterfestes, also der erste Tag von Chanukka. Wie immer bei jüdischen Feiertagen ist das Datum ein bißchen verwirrend: Diese Feiertage fangen immer schon bei Sonnenuntergang des Vorabends an – wie eben jeder jüdische Tag bei Sonnenuntergang des Vorabends beginnt und bei Sonnenuntergang endet. Dieser kleine Artikel wäre also eigentlich besser gestern abend erschienen – nach jüdischer Rechnung ist jetzt (22:30) schon der zweite Tag Chanukka.

Sei’s drum. Chanukka ist eine der sympathischsten jüdischen Festlichkeiten, schon, weil es ausnahmsweise mal nicht darum geht, daß den Juden irgendein Leid angetan wurde, sondern um ein relativ harmloses und erfreuliches Lichterwunder. Den deutschen Wikipedia-Artikel zum Thema können Sie getrost vergessen: wie so oft bei Artikeln zu religiösen Themen haben sich Hundertprozentige und Fromme, vermutlich Konvertiten oder Lehrer, daran zu schaffen gemacht. Einen normalen Israeli (ja, die gibt es auch noch) interessiert so ein frommer Schwulst überhaupt nicht.

Man zündet im Chanukka-Leuchter (der „Chanukkia“) acht Tage lang jeden Abend eine Kerze mehr an. Das Ding hat also acht Lichter – plus einen für den „Diener“, die Kerze, mit der die anderen Kerzen angezündet werden. Und natürlich wird der Chanukka-Leuchter andauernd mit der Menora, dem siebenarmigen Leuchter als Symbol des Judentums, verwechselt – auch in von Praktikantinnen zusammengeklöppelten Fernsehdokus des Norddeutschen Rundfunks im Jahre 2014. (In einer Menora brennen nie echte Kerzen, insofern sie den heiligen Leuchter darstellt, der mal im Tempel in Jerusalem gestanden hat.)

Und wenn keine Chanukkia zur Hand ist, tun es auch einfach irgendwelche Kerzen. Man macht es sich halt bei Kerzenlicht gemütlich – wie wir auch in diesen Tagen. Kinder bekommen gelegentlich kleine Geschenke; man ißt Süßigkeiten. Die traditionelle Festtags-Speise sind „Latkes“ – nichts anderes als Kartoffelpuffer. Latkes sind wirklich nicht von deutschen Kartoffelpuffern zu unterscheiden, sogar Apfelmuß gehört dazu.

Das Fest fällt immer in die christliche Adventszeit, und obwohl der religiöse Ursprung nicht das mindeste mit Weihnachten oder Jul zu tun hat, nimmt Chanukka schon wegen der geschilderten Lichter-Symbolik in westlich-christlicher Umgebung nahezu zwangsläufig Züge des Weihnachtsfestes an. Weiß der Himmel, wer hier was oder wer wen beeinflußt hat. So darf man sich sicher sein, daß die Komsumtion von Latkes zu diesem Fest im aschkenasisch-jiddisch-polnisch-deutschen Raum etabliert wurde. In irgendwelchen christlich-jüdischen Zusammenarbeits-Zusammenhängen wird heute sogar „Weihnukka“ gefeiert – das ist ein bißchen doof und beflissen, aber ohne Zweifel tolerabel.

Wenn Sie also etwas für den Frieden in Nahost tun möchten, ohne allzu sehr Partei zu ergreifen, dann zünden Sie in diesen Tagen des abends Kerzen an. Oder essen Sie mal wieder Kartoffelpuffer. (Und versuchen Sie – so Sie denn das Pech haben, in der Stadt Berlin zu leben – diese Monster-Chanukkia vor dem Brandenburger Tor zu ignorieren.)

Bildvorlage: Dov Harrington, Wikimedia, CC

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