Netz - Natur - Technik, Persönliches
, ,

Zehn Jahre nach dem Start von „konjunktiv 2“

Heute vor zehn Jahren, am 17. Januar 2005, ist das Forum konjunktiv 2 (k2) online geschaltet worden. „Zum bösen Anfang denn und zur Erläuterung“ schrieb der Administrator Harki (also ich) als Überschrift des ersten Eintrages an jenem Tag um 21:36. Das Forum konjunktiv 2 hat (mit einer großen Unterbrechung von etwa einem Jahr) bis September 2010 bestanden.

Nie zuvor und seitdem nie wieder habe ich soviel Mühen (und auch Herzblut) in irgendein Hobby gesteckt wie in jenes Forum. Ich möchte hier überhaupt nicht danach fragen, ob sich diese Mühen in irgendeiner Form gelohnt haben, das wäre müßig. Es war eben ein Hobby. Ich möchte nur kurz zurückblicken.

Um 2005 fingen von Privatleuten betriebene Online-Foren an, als Diskussions-Substrat im Netz schon etwas altbacken zu werden. Der neueste Schrei waren seit etwa 2002 Blogs. Dennoch waren sie damals noch der Hauptort für Diskussionen im Internet, diese Myriaden von privat organisierten Foren, die sehr häufig (und so auch k2) mit der quelloffenen Forensoftware phpBB (damals in der klassischen Version 2) betrieben wurden.

„Social Media“ steckte noch den Kinderschuhen (MySpace). Facebook, Twitter und Tumblr gab es noch gar nicht, ebensowenig wie mittlerweile wieder entschlafene oder halbtote, aber zwischenzeitlich sehr populäre Plattformen wie wer kennt wen, xyVZ, oder google+.

Gelabert und geschrien wurde damals in Foren, die jeweils oft Ausgründungen aus anderen Foren waren. So in etwa war es auch bei k2, das aus einem Blog von mir und meinem Unmut über ein „anderes Forum“ hervorgegangen ist. (Von letzterem wissen selbst die ältesten meiner ehemaligen Mit-Konjunktivisten nichts mehr.) Man verzankte sich untereinander (oder auch mal mit der Online-Redaktion des Forums eines Printmediums) und machte halt seinen eigenen Laden auf – meistens mit mäßigem oder nur zeitweiligem Erfolg. (Dieses Blog Amyklai hingegen ist sozusagen eine Abzweigung von k2.) Das Web war noch viel anarchischer, viel dezentraler als heute.

Auch die Diskussionskultur und vor allem die Art, sich selbst darzustellen, war eine noch deutlich andere. Es war üblich, einen Nick, einen nom de guerre, zu haben. (In IT-Firmen hat man sich übrigens damals meistens damit und nicht mit dem Vor- oder Nachnamen angesprochen.) Leute, die unter Klarnamen geschrieben haben, galten als rechthaberische Sonderlinge oder Spießer. (Noch eine Netzgeneration vorher war das freilich wiederum anders: im deutschen Usenet war es schon in den 90ern Usus und erwünscht, unter Klarnamen zu schreiben. Aber das ist ein anderes Thema.) Auch die heute allgegenwärtigen Bewerbungsfotos als Avatare waren damals ganz unüblich: Man hängte sich eher ein Bananen-Röckchen oder ein Bärenfell um, zog sich einen Tarnanzug oder ein Flitterkleidchen an oder man machte sich zur Comic-Figur, zur Ballerina, zum Miezekätzchen oder zum Stofftier. Der Phantasie waren viel weniger Grenzen gesetzt als heute. Sich zu siezen war vollends verpönt.

Wohlgemerkt, und das ist mir sehr wichtig: Es gab vor zehn Jahren nicht nur „Nerds“ im Netz. Die soziale Streuung war vielmehr eher breiter als heute. Die Twitter-Nasen – also Journalisten und ihre Arschlecker, Politiker, Werbe-Hanseln, „Kommunikationswissenschaftler“, Texterellas, „Kreative“, Coachies und sonstige Berliner – waren noch irrelevant, jedenfalls nicht tonangebend wie heute. Es gab alles, halbwegs gleich verteilt: Nerds, fleißige Studenten, Bummelstudenten, Ingenieure, Hausfrauen, Prollos, Lüstlinge jedweden Geschlechts und Alters, Beamte, Spinner, Asoziale jeder Spielart, Sonderlinge und Erz-Normalos, Schwerst-Alkoholiker und alleinerziehende Mütter. Lehrer, faule Säcke und fleißige Lieschen. Religiöse und Pickel-Revoluzzer, Zahnärzte, Bürogusten, Buchstützen, alte Jungfern mit Katze und schwule Katzen-Papis, Dackel-Besitzer. „Des funzt net!“-Süddeutsche und „Hallo Leute!“-Hamburger. Natürlich waren das damals, vor der Allgegenwart des mobilen Netzes, mehr Leute mit Büro-Arbeitsplatz als etwa Handwerker oder Bauarbeiter. Auch weniger ganz junge Leute (weil die damals noch keine Smartphones und auch nicht alle einen eigenen Rechner hatten). Aber dennoch: Es war noch vor zehn Jahren bunter und weniger öde im Netz. Noch nicht jede Website hatte einen weißen Hintergrund und sah aus wie jede andere Website.

Es gab damals noch Foren und andere Sites, die hatten einen schwarzen Hintergrund mit weißer Schrift. Das muß man sich heute überhaupt einmal vorstellen! Auch mittelgraue Schrift auf hellgrauem Hintergrund war bei Web-DesignernInnen noch sehr beliebt. ;-) Es war nicht alles so schwarzweißrot wie heute die junge Welt.

Auch die clan-artigen Strukturen waren irgendwie witziger als das seit Jahren schon notorische „Leave a comment“ für jedermann auf den meisten Sites – und kurioserweise auch als die piefige LogIn-Aufforderung bei den großen Zeitungs-Sites wie FAZ.net heute.

Es wurde viel mehr mit Smilies geschrieben: schauderhaften, niedlichen, unmöglichen, scheußlichen, hinreißenden oder unsterblichen GIF-Graphiken. Damals konnte man mit animierten GIFs noch was Kreativeres machen, als Pornofilm-Ausschnitte bei Tumblr hochzuladen oder ein neues „Bitte Warten“-Symbol für’s Web 2.0 zu kreieren.

(Über den Begriff „Web 2.0“ haben wir uns auf k2 übrigens das erstemal so etwa im Jahre 2006 lustig gemacht, weil er uns ausgenudelt und abgegriffen erschien.)

Ich möchte das alles nicht idealisieren: Doofheit, Ignoranz, Mobbing, Bosheit, Fanatismus, plumpe Anbaggerei, Rechthaberei, Primitivität, Suff-Flames, Selbstreferentialität, Leserechtschreibschwächen – überhaupt alle menschlichen Schwächen – gab es im Netz damals genau wie heute. Nur war es doch irgendwie bunter im Netz… Es fehlte die Atmosphäre des perpetuierten Bewerbungsgespräches, die Twitter oft so schwer erträglich macht. „Shitstorms“ gab es nicht in der Form wie heute, einfach weil das Web dafür viel zu atomisiert und verwinkelt war. Und niemals wären wir von der ARD-Wahlberichterstattung zitiert worden wie heute die Twitterer. Es war – um dieses schwer zu fassende Thema nun abzukürzen – alles noch verspielter.

Damals und noch Jahre danach gab es die Unterscheidung zischen „Real Life“ („RL“) und „Forenleben“, die heute – nur zehn Jahre später – schon kaum mehr verständlich zu machen ist. Es war genauso doof wie heute, vielleicht sogar noch blöder, weil die Entscheider noch nicht online waren. Aber eben doch – ich sage es nochmals – war verspielter, charmanter und, ja, träumerischer.

k2 war immer ein sehr kleines Forum. Ich habe oft und lange darunter gelitten, daß so wenig los war. Aber es war natürlich meine Schuld – freilich auch in gewisser Weise mein Verdienst. Ich habe auf k2 eisenhart moderiert und gebannt. Und wenn ich dadurch viele Leute abgeschreckt oder eingeschüchtert habe, auch wenn ich vielleicht per se nicht zum Forenbetreiber getaugt habe, so hatte ich mit k2 doch zeitweilig „das einzige im weiteren Sinne rechte Forum in Deutschland, das man ohne Wäscheklammer auf der Nase betreten kann“ (um den unvergessenen k2ler Coriolan aus dem Gedächtnis zu zitieren).

Ja, ich habe mit dem k2 einigen Leuten Zeit und Nerven gestohlen – am allermeisten freilich mir selbst. Ich war oft zu unduldsam, zu betrunken, zu pingelig und zu unbeherrscht. Ich bitte rückwirkend um Nachsicht und Entschuldigung. Es konnte wohl einfach nicht klappen, was ich mir da vorgestellt und vorgenommen hatte. Aber ich bleibe auch dabei: k2 war eine gewisse Zeit lang ein Leuchtfeuer in der Nacht des deutschen Internet. (Wiederum nach Coriolan.) So etwas, Ihr lieben Leute, gibt es heute einfach nicht mehr, das sei in aller Arroganz festgehalten.

Seit etwa anderthalb Jahrzehnten wandere ich von rechts nach links. k2 hat mich ein Stück dieses Weges begleitet, es war Teil dieses Weges. Andere (wenige) Leute – Ex-Konjunktivisten oder Gäste – wird es anders beeinflußt haben. Ich hoffe immer noch, sehr pathethisch ausgedrückt, daß k2 unterm Strich mehr gegeben als genommen hat. Ich habe da viele Fehler gemacht und/oder machen müssen; aber es war wirklich kein Schrott- oder Absahner-Projekt.

Und ein bißchen Skripten gelernt habe ich dabei auch noch, um nun doch gleich wieder egozentrisch zu werden – dazu kam man mit phpBB viel schneller als heute mit WordPress.

Ich möchte mich hier vor allem bei meinem stets moderaten, sehr klugen und duldsamen k2-Mitstreiter und Co-Admin der ersten Stunde bedanken: bei frei_sein.

Nicht weniger danke ich den ehemaligen k2-Moderatoren Raistlin und !

Stets unvergessen bleiben werden mir diese k2ler und Gast-Beiträger und viele ihrer Äußerungen:

Amal, Antigone, Clemenza, Coriolan, Darkfalconheart, Dávila, Erlkönigin, Froschi, Gardekürassier, Huldra, imbrahimde, Ion Mota, klandestina, luminoire, Lysarion, Mia, Möchtegern, Mutz, Nigromontanus, Nikodemus, Odin, Paul, Pictures of Lily, Quasimodo, Rocinante, Vercel, Vinneuil, Wurzel.

Ach, und an einige andere denke ich noch. Und sei’s der Schweizer Peter, der sich einmal grundsätzlich gegen graphische Smilies ausgesprochen hat, weil Smilies keine Nasen haben. :-D Euch allen: Danke!

Mag aus Euch allen, im Gegensatz zu mir, noch was werden: Papst oder Sultan, General oder Geheimrat, Schuldirektor oder Großmutter, Filmregisseur oder Psychotherapeut. Fotograf, Immobilien-Hai, SAP-Berater, Verleger oder Schriftsteller. Pilot, Kapitän oder Lotse. Deutscher, Schweizer oder Österreicher. Dichterin oder Forenbetreiber-Coach; Niedersachse, Kubanerin oder Preuße. Herzog zu Braunschweig-Lüneburg oder Steuerpächter irgendwo in der Vendée. Chefredakteurin des Midi Libre, Moderator bei Russia Today deutsch oder Bild-Archivar bei der HAZ. Moschus-Tierchen, Orient-Katze oder Amur-Tiger. Was Ihr wollt. Hö, die meisten von Euch werden schon was geworden sein.

Und auch der wohl wichtigste aller k2-Smilies, er soll in diesem Nachruf nicht fehlen:

:übel:

Die Jahre, sie rollen… :freu:

Glück auf und Glück ab! Mögen die Amazonen und die Zentauren, die Götter und alle Heiligen und Unheiligen mit Euch sein! In einer besseren Welt oder zumindest in einem besseren Land wären wir alle gute Kommunisten geworden. ;-)

Bleibt mir gewogen!

Euer Harki

:-)

"Zehn Jahre nach dem Start von „konjunktiv 2“", 5 out of 5 based on 10 ratings.

8 Kommentare

  1. Leser von einst

    Solange die blaue Kornblume RECHTS oben im Bild noch blüht, gebe ich die Hoffnung auf Reconstitution von k2 nicht auf und schaue alle paar Monate mal vorbei – so zwischen SIN und un/zugehörig
    Dennoch gewogen bleibend
    der Leser von einst

  2. Danke für die netten Worte. :-) (Die Kornblume rotiert im Stundentakt durch die vier Ecken. ;-) )

    Und nebenbei, es betrifft nicht nur „Leser von einst“: Wenn ich im Moment mal sehr langsam mit dem Freischalten von Kommentaren bin, so wird das mit einiger Wahrscheinlichkeit technische Gründe haben – ich habe seit einiger Zeit nervige Probleme mit meinem ISP (Vodafone).

  3. Anderer Leser von einst

    Tja. Ich habe heute an konjunktiv2 (nach langer Zeit wieder) gedacht und die alte Adresse eingegeben. Wollte schauen, ob die Domain nicht mittlerweile verkauft ist an irgendeine Deutsch-als-Fremdsprache-Bude für Südeuropäer in Berlin und bin dann bei diesem Artikel gelandet. Einem brillanten Artikel. Yeah!

    Nicht erwartet habe ich, dass dieser Blog, der ja eigentlich keine Abzweigung, sondern ein in die Länge gezogenes Nachwort zu k2 ist, wieder online geht. Die „Pause“ vor einem Jahr, als ich das letzte Mal vorbeigeschaut habe, schien mir, die war für immer.

    Ich weiß gar nicht mehr, wann oder wie ich zu k2 gekommen bin. Kurz vorm Abitur, vermutlich gegen Ende 2006 (oder doch ein Jahr später); politisch waren mir schon damals die ganzen Ideologeme aus dem JF-Dunstkreis, mit denen ich zuvor etwas kokettiert habe, weitgehend fremd geworden.

    Aber k2 war für mich in erster Linie kein rechtes Forum, sondern eine elitäre virtuelle Szenebar mit (einem allerdings dann rechten) Stinkefingergestus. Der Stil und der intellektuelle Anspruch machten k2 unter den deutschen Onlineforen mit Politikbezug einzigartig. Konjunktiv2 war klein, und meist nur stoßweise belebt – aber diese manische: manchmal legere, manchmal verbissen-wütende Intellektualität war etwas ungeheuer Köstliches. Das war eine große Leistung von Dir, das auf die Beine zu stellen.

    Der Wandel der Netzkultur: genauso, wie Du es beschrieben hast, ist es gewesen. Eins nur: Mit der social-media – Wende ist das Internet viel femininer geworden. Natürlich waren Frauen immer schon präsent in Onlinediskussionen jeder Art: in der no-nonsense Usenetzeit und erst recht in der manchmal unbeholfenen, bunten (wie Du angemerkt hast: auch im wörtlichen Sinn) Forenwelt um 2000 herum. Aber schau Dir jede Diskussion auf Twitter heute an, das ist nicht vergleichbar.

    Wie wird es weitergehen? Vielleicht werden soziale Netzwerke, die im Gegensatz zu Facebook mehr Raum zur Kontaktaufnahme und offener Kommunikation außerhalb bestehender RL-Netzwerke geben (ansatzweise Google+ oder Ello), doch noch Erfolg haben. Vielleicht werden Debattenportale entstehen, die Hybridwesen sind aus Kulturzeitschrift und Kommentarbereich – mit drakonischer Moderation, die 90 % der Beiträge aus inhaltlichen und stilistischen Gründen als unqualifiziert zurückweist – aber eben nur 90 %. Vielleicht geht aber auch alles weiter seinen Gang: Facebook verwandelt unser Leben endgültig in einen Schulhof-Stream aus hemmungsloser Selbstdarstellung, Katzenbildern und Zweizeilerstatements zur Politik von Menschen, die zu 100 Prozent genauso denken wie wir; die Print-Mandarine, die schon seit etwa zwanzig Jahren fest und unkündbar in ihren Satteln sitzen, machen das publizistische Leben weiterhin unter sich aus ; Blogs, außerhalb weniger fachlicher Nischen bleiben – jedenfalls in Europa – meist irrelevant: geistige Masturbation vor einem Minipublikum. Leider. Keine Ahnung, was wird.

    Und k2? Ich hoffe sehr, dass Du das Forum als Archiv zum Lesen wieder hochlädst.

    PS: die Erwähnung im Blogartikel oben hat mich sehr angenehm berührt.

  4. Ehrenvolle Worte – herzlichen Dank! :-)

    Tja. Ich habe heute an konjunktiv2 (nach langer Zeit wieder) gedacht und die alte Adresse eingegeben. Wollte schauen, ob die Domain nicht mittlerweile verkauft ist an irgendeine Deutsch-als-Fremdsprache-Bude für Südeuropäer in Berlin

    :-D

    Eins nur: Mit der social-media – Wende ist das Internet viel femininer geworden. Natürlich waren Frauen immer schon präsent in Onlinediskussionen jeder Art: in der no-nonsense Usenetzeit und erst recht in der manchmal unbeholfenen, bunten (wie Du angemerkt hast: auch im wörtlichen Sinn) Forenwelt um 2000 herum. Aber schau Dir jede Diskussion auf Twitter heute an, das ist nicht vergleichbar.

    Ich muß zugeben, weder bei Facebook noch bei Twitter ganz auf dem laufenden zu sein; ich habe bei beidem nur noch ein paar alte Bekannte auf dem Schirm. Was ich im Rahmen des ersten Twitter-Hypes 2009 (bei dem ich mitgemacht habe) noch mitbekommen habe, war folgender gender-soziologische Wandel: der in der alten Forenwelt (nicht auf k2) recht stark vertretene Typus „herzige Mittelschichten-Büroguste mit Faible für englische Süßigkeiten und furchtbar originelle Kochrezepte“ wurde von den „Berlinerinnen“ verdrängt, also von „Textarbeiterinnen“, Werbe-Trullas, „Lyrikerinnen“, diversen „starken Frauen“ etc.

    Hm, damals (also 2009) waren aber noch kaum PolitikerInnen und – ihnen folgend – Journalisten im Social Media: gerade mal Volker Beck, diese CDU-Weinkönigin, die spätere Köhler und vielleicht noch ein oder zwei andere. Daß diese Typen dann im Twitter en masse aufgetaucht sind (gegen 2011), war das m.E. fast so eine Art „zweiter Frühling“ von Twitter.

    Die „bunte“ Atmosphäre der alten Forenwelt kann man ansatzweise übrigens noch auf Tumblr finden – insofern es dort weder so karrierebezogen wie auf Twitter, noch so familienbezogen wie auf fb zugeht.

    Nochmals: Ich möchte diese „alte Forenwelt“ nicht idealisieren: Wenn sie mir gepaßt hätte, hätte ich nicht versucht, meinen eigenen Schuppen aufzumachen.

    (Bei google+ hingegen bin ich mittlerweile vollends außen vor. Keine Ahung, wie das da im Moment so läuft…)

    Vielleicht werden Debattenportale entstehen, die Hybridwesen sind aus Kulturzeitschrift und Kommentarbereich – mit drakonischer Moderation, die 90 % der Beiträge aus inhaltlichen und stilistischen Gründen als unqualifiziert zurückweist – aber eben nur 90 %.

    Tja, nette Vorstellung! :-) Aber wie soll’s gehen? Wer soll das (als Moderator) machen und – ehrlicherweise – wer läßt sich das (als User) heute bieten? Die Zeiten, in denen die Leserbrief-Seite der Papier-FAZ noch das hitzigste Plenum/Forum im Reiche war, sie sind wohl endgültig vorbei.

    Print-Mandarine, die schon seit etwa zwanzig Jahren fest und unkündbar in ihren Satteln sitzen, machen das publizistische Leben weiterhin unter sich aus

    Ja, stimmt. Aber ein bißchen Gegendruck haben sie ja im Laufe des letzten Jahres schon bekommen, insofern sich angesichts des Themas „Putin und die Ukraine“ „die Rechte(n) und die Linke(n)“ bemerkenswerterweise mal einig gewesen sind, obwohl das keine von beiden Fraktionen gerne zugibt. Ich meine wirklich, daß das den Presseleuten einen gehörigen Schrecken eingejagt hat…

    Und natürlich weiß ich auch nicht, wie’s weitergehen wird. :-)

    Und k2? Ich hoffe sehr, dass Du das Forum als Archiv zum Lesen wieder hochlädst.

    Nein, wirklich nicht, auch wenn ich mir das manchmal selbst wünschen würde. Online-Geschreibsel hat nun einmal sein Verfallsdatum, und kluge Forenbetreiber mußten auch nicht von irgendwelchen Gerichten auf ein „Recht auf Vergessenwerden“ aufmerksam gemacht werden. ;-)

    (Und nur mal am Karnevals-Sonnabendabend so dahingeplaudert: Technisch gesehen könnte ich den Laden in 30 Sekunden wieder flottmachen. :teufel: Datenbank und Web-Dateien sind noch auf dem Webspace, eben nur per .htaccess abgeklemmt. Aber bitte: Keine Angst! ;) )

  5. Daniel

    An den „Anderen Leser von einst“,

    Das Forum war vor allem optisch schön. Dieses genügsame Silber-weinrot. Keine Werbeblinkerei. Man konnte Abschweifen und auch mal spinnen. Ich war jahrelang Forist auf einem anderen Platz (Name lasse ich bewusst weg). Diese mitsichbringende emotiale Abhängigkeit hat mich aber zum Ausklinken gebracht. Disskussionen die einen aufwühlten, verliefen im Sande, während man irgendwo unterwegs immer noch an Folgebeiträgen bastelte (Kopfkino). Das hatte zwei Gründe: Es war erstens die harte und nicht ganz uneitle Hand des Forenbetreibers (löschen oder Schlussstrich ziehen; er ist immerhin der Herr im Haus). Zweitens sind nach meiner Einschätzung 50 Prozent der Forenschreiber betrunken. Und davon ist nochmal die Hälfte unzurechnungsfähig. Aber es war eine gute Nachschule in Bezug auf das Feilen an der eigenen Rechtschreibung. Das k2-Archiv bis kurz vor der Ausschaltung verkaufe ich Ihnen für 10k. Dann können Sie stöbern. Ich muß nur noch die DVD finden. Wie das so immer so ist mit den Silberscheiben… die gehen irgendwann verschütt, verlieren sich selbst im Archiv.

  6. Froschi

    Lang, lang ist’s her. Schön war die Zeit.

  7. Lysarion

    Hallo Hari,

    ich bin bei K2 das erste mal auf Orwells Berichte aus dem spanischen Bürgerkrieg und Möhlers „Konservativer Revolution“ begegnet und dem – wie hieß der ähiopische Prinz gleich – Asfa-Wossen Asserate – natürlich! Du und K2 haben mir Impulse gegeben, die mir noch heute wichtig sind. Manches was Poggenburg und Höcke sagen und doch nicht sagen, würde ich nicht verstehen ohne K2. Ich sage nur die Diskussion über den faschistischen Stil! Ich bin ein konservativer geblieben, aber einer dessen Wel größerer geworden ist, deswegen habe ich auch heute abend mal wieder nach dem Genossen B. gesucht. In dieser Zeit vermisse ich den intellektuellen Austausch von K2 schmerzlich. woimmer ihr anderen Diskutanten seid(und einige von Euch wurden schon damals von der Antifa beobachtet) – für mich seid ihr Brüder – ich rufe Euch ein Horrido zu!

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: more »

rss Kommentare zu diesem Artikel als RSS-Feed