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Kein Scrobbeln mehr?

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Vor einer Woche wurde der Webauftritt des Musikdienstes last.fm (Wikipedia) einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Ergebnis: Es funktioniert so gut wie gar nichts mehr, und das Geschrei in der verbliebenen Fangemeinde des Dienstes ist ein Unermeßliches.

Ich habe die Website selbst nur selten besucht, und es ist mir weiterhin egal, welche „neuen Bands“ man da eventuell finden oder wie man sich da mit wem „befreunden“ kann. Eines aber stört mich wirklich: Seit dem Relaunch kann man seine gehörte Musik nicht mehr aus der Site auslesen.

Das eigentliche „Scrobbeln“, also die Übermittlung der Titel der gehörten MP3-Dateien an last.fm (so gut wie jede MP3-Abspiel-Software unterstützt das), funktioniert weiterhin. Aber es gibt keine RSS-Feeds mehr, vermittels derer man seine gehörte Musik dann in Blogs oder Forensignaturen der interessierten Öffentlichkeit mitteilen könnte.

Bis zum Relaunch gab es unter den URLs des Schemas

http://ws.audioscrobbler.com/1.0/user/USERNAME/recenttracks.txt

auch immer kleine, aktuell generierte Textdateien mit den letzten zehn gehörten Musikstücken eines Users. Mit dieser Datei konnte man dann bequem weiterskripten, um zum Beispiel eine hübsche Graphikdatei mit seinen letztgehörten Stücken zu erzeugen. Vielleicht eine vorsintflutliche Methode, aber immerhin hat sie über zehn Jahre (!) stets tadellos funktioniert. Last.fm hat lange Zeit auch vorformatierte, nach dieser Methode erzeugte Graphiken als Widgets angeboten – die sind nun auch tot.

Und seit sage und schreibe zehn Jahren habe ich da auch ein Benutzerkonto. Als ich mich da eingeklinkt habe, waren last.fm und „Musik im Internet“ noch nahezu gleichbedeutend. In all den Jahren habe ich mich an diese etwas exhibitionistische Form des Musikhörens wirklich gewöhnt – sie war eine Art minimalistisches Ausdrucksmittel für mich. Andere Leute drehen halte die Mucke laut, um ihre Nachbarn zu erfreuen – ich habe gescrobbelt, um meine zahllosen Online-Leser an meinem Musikkonsum und -geschmack teilhaben zu lassen.

Nun geht das zumindest bis auf weiteres nicht mehr. Es gibt keine RSS-Feeds und keine Textdateien mehr – und dieses Manko wird in der oben verlinkten To-Do-Liste von last.fm nicht einmal erwähnt. Kann also gut sein, daß die Sache gestorben ist. Sehr bedauerlich nach einem Jahrzehnt und 85.000 gescrobbelten Musikstücken.

2 Kommentare

  1. Luminoire

    Oh, was´n das? Bin gerad völlig desorientiert.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: more »

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