Bekannt ist der Sachverhalt seit etwa zweihundert Jahren: Die Marmorskulpturen der griechischen Antike waren ursprünglich nicht edel-einfältig weiß, sondern bunt bemalt. Das weiß auch Uwe Wittstock, der es aber offenbar seiner journalistischen Ausbildung schuldig zu sein glaubt, seinen ansonsten sehr lesenswerten Artikel in der Online-Welt über eine Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus mit einer Pseudo-Enthüllung anheben zu lassen: „Von wegen weiß und edel – die Griechen malten in der Antike…“
Nun, die Ausstellungsmacher probieren es auf ihrer Website mit dem gleichen originellen Trick. Der demente Titel des Artikels stammt hoffentlich nicht vom Autoren selbst: „So schrill und bunt waren die antiken Götter“.
Dennoch: kenntnisreicher Artikel, hübsche Fotostrecke.
Nachtrag: Dieter Bartetzko von der FAZ hat die Ausstellung auch sehr interessant und beeindruckend gefunden, in seinen Ausführungen klingt aber auch – vielleicht bedenkenswerte – Skepsis an:
Damit aber stehen sie in elementarem Kontrast zu allem, was uns an griechisch-römischer Malerei überliefert ist. Selbst provinzielle pompejanische Kopien hellenistischer Gemälde bezaubern durch subtile Lichtreflexe, delikate Farbübergänge, irisierende Hauttöne, Lasuren und Sfumato. Die gemalten Personen der Antike leben. Das Gleiche gilt, selbst wenn alle Farbe von ihnen verschwunden ist, für die antiken Statuen.
Wir bewundern an den entfärbten Kunstwerken, wie Stein und Bronze das Spiel von Sehnen und Muskeln, die Verästelungen von Adern und das Geschlängel von Locken, Gewandfalten, Altersfurchen oder Jugendrundungen nachzeichnen. All dies, dazu die Sorgfalt des Polierens, die den Figuren Lichtspiele und damit Leben schenkt, soll nichts anderes sein als geschliffener Malgrund, auf dem dann Farbe jede Feinheit tilgt, aus lebhaft Handelnden starr Posierende macht?


Sögur

