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Sant‘Anna

In letzter Zeit hatte ich in der Leseliste schon zwei Artikel zu Spike Lees Film „Das Wunder von Sant‘Anna“ verlinkt – heute berichtet Dirk Schümer im FAZ-Feuilleton über die Furore, die dieser Film in Italien nonlens volens gemacht hat: „Mit Scheuklappen durchs Minenfeld“. Worum es geht, wird den meisten wohl schon bekannt sein: um „Buffalo Soldiers“, also um damals selbstverständlich noch in gesonderten Einheiten eingesetzte schwarze US-Soldaten. Und um italienische Partisanen.

Nach Schümer handelt es sich um einen typischen Ami-Historienfilm: rührselig, mit den europäischen Gegebenheiten nicht vertraut, simplizistisch, schwarzweißmalerisch, historisch absurd und plump seinem Hauptanliegen (Rassen-Trennungs-Fragen) verhaftet.

Italienische „Salò-Soldaten“ kommen nicht vor, wohl aber die Waffen-SS, die italienische Resistenza, italienische Zivilisten –  und „Buffalo Soldiers“. Die Waffen-SS, das sind die Bösen, versteht sich, alle anderen sind die Guten. Mit einer Ausnahme: es gibt unter den italienischen Partisanen einen Verräter, den es in der Realität nicht gegeben hat. Daher nun der Skandal, darüber regen sich die italienischer Partisanenverband und andere auf. Nicht hingegen, und das ist ein wichtiger Punkt, die italienischen Rechten. Der arme Spike L. bekommt also auch noch den gefürchteten „Beifall von der falschen Seite“.

Schümer stellt in seinem auch ansonsten lesenswerten Artikel die richtigen Fragen:

Geht es an, für eine schlüssigere Filmhandlung den Widerstand gegen die Nazis ins schlechte Licht zu setzen? Ist bei der Fiktionalisierung von Historie, zumal wenn deren Akteure zum Teil noch leben, deren Umbiegung erlaubt? Solche Fragen führen in Italien schnell zu einer erbitterten, weil zweischneidigen Debatte, denn gerade für die Verharmlosung oder gar Rehabilitierung der faschistischen Kollaboration mit Hitlerdeutschland gibt es bis in die Regierung hinein zahlreiche Fürsprecher. Arbeitet ihnen nicht Spike Lee in die Hände, wenn er den Widerstand als verräterisch denunziert?

2 Kommentare

  1. frei_sein

    Eine richtige Frage wäre auch, ob man die mythisierte Historie der italienischen Partisanenverbände für bare Münze nehmen soll, nur weil sie, wenn nicht unbedingt auf der richtigen Seite, so doch zumindest gegen die falsche Seite waren?

    Um die „faschistischen Kollaboration mit Hitlerdeutschland“ für schlecht zu befinden, muß man kaum Ideologie oder gar Methoden der italienischen Partisanen in den Himmel loben.

    (Ich habe keine Zugriff auf den Artikel, kann deswegen nicht sagen, was Schümer im einzelnen dazu schreibt – seien älteren Artikel zu Italien lassen eine sehr ungut deutsche Perspektive erahnen.)

    Abgesehen davon ist „Hitlerdeutschland“ ein stalinscher Begriff, den in der FAZ zu lesen, ist schon etwas befremdlich. Besonders wenn man gegen „Verharmlosung“ anschreibt, denn der Begriff wurde m.W. erfunden, um die Möglichkeit zu haben, zwischen den „Schergen der Hitlerei“ und dem Volk zu differenzieren, um so in Deutschland ein paar Gerechte zu finden, und als Verbündete für die Installation des Sozialismus zu rekrutieren.

  2. Nur ganz kurz:

    Ja klar, niemaaaals hat es sowas gegeben

    Da der Text von Schümer nicht frei im Web ist, muß ich das klarstellen. Es geht darum, daß es das Massaker von Sant‘Anna gegeben hat, aber davor eben nicht den konkreten Verräter.

    Zu Pansa schreibt Schümer folgendes:

    In der Debatte um Spike Lee verhöhnte der Publizist und beliebte Historienautor Giampaolo Pansa Italiens Resistenza-Verband Anpi als „Sekte von Fanatikern“. Nun ist es genau Pansa, der mit verharmlosenden Werken über Mussolinis Salò-Republik als antikommunistischer Volksbewegung dem Revisionismus zugunsten der Faschisten bewusst zuarbeitet – und damit einem Geschichtsbild, dem ranghohe italienische Politiker der exfaschistischen „Alleanza nazionale“, etwa Verteidigungsminister La Russa oder Roms Bürgermeister Alemanno, recht offenherzig anhängen.

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