So, das ist jetzt wirklich sehr schnell hingeworfen – zwei, drei Kippenlängen (edit: und dann nachgefeilt). Kunstgeschichtliche und politische Epochen sind ebenso durcheinandergewürfelt wie Epochen der deutschen und solche der europäischen Geschichte.
Außereuropäische Epochen oder solche, die nur für ein europäisches Land außer Deutschland relevant sind, wurden nicht aufgeführt. Epochen und Generationen, die schon jenseits der Geburtsdatums des Bloggers liegen („Neunundachtziger“) ebenfalls nicht. Natürlich auch kein „Ich lebe gerne heute.“
Natürlich werden die Epochen immer kürzer, je näher man der Gegenwart kommt.
Ich denke, es wird bei allen offensichtlichen systematischen Schwächen deutlich, worum es geht…
Nu, wann also?
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Bildquelle: Wikimedia


So, ich erläutere dann noch mal kurz, was ich angehakt habe.
Rokoko und Belle Epoque, klar. Die beiden klassischen Traumepochen der abendländischen Geschichte. Ganz und gar höfisch-weltlich.
(Geistesgeschichtlich die eine die goldene Zeit der Aufklärung, die andere die des Liberalismus. Die beiden Epochen, in der das Christentum in Europa erledigt wurde, von denen es sich nie wieder erholt hat. Aber das nur nebenbei.)
Ich nenne die Belle Epoque übrigens nur ungern „Gute alte Zeit“, weil mir das zu sehr nach preußischen Kommißstiebeln und dem Micker-Nationalismus der Zukurzgekommenen klingt. Da muß es schon Frankreich sein.
Es sind einfach die schönen Zeiten. Punkt. Und vor allem sind es die Zeiten der schönsten Malerei und der schönsten Mode, ganz wichtig.
Beide enden mit einem Knall. Die erstere immerhin mit einem faszinierenden. Napoleon, das ist der Soldat, der Europäer und der Monarch. Den hätte ich mir ungern entgehen lassen, daher also auch Revolutions-Zeitalter.
Nach der Aufregung tut dann Ruhe wohl, daher habe ich auch Biedermeier angehakt.
Zur Schröder-Clinton-Generation hätte ich auch ganz gerne gehört. Oki, anfangs je nach Milieu noch viel Ärmlichkeit und Piefigkeit (ich riete wirklich, sich die Erzählungen vom Dorfe aus deren Kindheit anzuhören). Aber kein Krieg an dem man teilnehmen muß. Dann Wohlstand. Der große Aufbruch in den 60ern, von dem wir heute noch in so vieler Hinsicht zehren, in Deutschland endlich die geistige Abrechnung mit dem Nazismus. Noch kein Aids, aber schon die Pille.
Man muß seine Jugend nicht mehr für irgendwas verschwenden, Krieg, Wiederaufbau oder derlei. Und hat heute noch was zu sagen.
Nur ganz kurz zur Erläuterung:
Auf meinem Notizzettel hatte ich die 20er zunächst als eigene Epoche zwischen „1. WK / Nachkrieg“ und „30er /2. WK“ stehen. Ich habe die dann beim Eintippen vergessen, und mit dem Umfragefrageplugin kann man keine Fragen „dazwischenschieben“. So kam das. Kann man sicher drüber streiten…
Hm, ja, das ist natürlich auch richtig. Aber die Musik in Europa und in der Welt wird damals halt schon in Paris gemacht. Nicht in Wien, nicht in Berlin. Und während in Wien der Kaiser an irgendeinem Katholiken-Feiertag die Füße von irgendwem wäscht, hat in Paris über 30 Jahre die antichristlichste aller Parteien, also die liberale Radikale Partei – die Freimauerei des Grand Orient mithin – das Sagen. Und sorgt für Luft zum Atmen. Diese Blütezeit der europäischen Zivilisation wird von messerharten Antiklerikalen und Säkularisten geschützt.
Es ist nicht bekannt geworden, daß etwa Ernst Jünger, schon weit im 20. Jh., sich etwa von Paris nach Wien hätte versetzen lassen wollen.
Zum Rest morgen mehr…
Ja, das ist alles irgendwie richtig und auch wieder nicht. Man kann nicht die ganze Epoche diskreditieren, weil Österreich seit dem Ausgleich mit Ungarn zumindest ein strukturelles Problem hat – nämlich Böhmen. Und de facto noch eine Menge mehr, nämlich auf dem Balkan. Und weil Preußen-Deutschland überschnappt.
Und Du sagt es ja selbst: Paris ist noch bis in die 30er hinein der kulturelle Mittelpunkt der Welt (in das eben nicht nur Amis ziehen, sondern auch jede Menge zivilisierter Emigranten aus Rußland), London bis 1929 der wirtschaftliche.
(Ach so, London: Denk nur an das schöne Edwardinische Zeitalter. Da hat’s auch nix von Kapuziner-Gruft-Mief einerseits und den Neurosen Wilhelms II. andererseits. Stattdessen wird die Entente Cordiale geschlossen – auch tatsächlich erst ermöglich durch die charmante und zivile Persönlichkeit Eduards VII. Während Wilhelm II. fünfmal pro Tag die Uniform wechselt und D. in aller Welt zum Gespött macht.)
Es geht mir hier aber auch nicht primär um ein Städte-Ranking, sondern um ein Zeiten-Ranking, das ist wohl klar.
Hm, für’s Spätmittelalter hat sich bis jetzt nur ein einziger begeistern können… Na ja, schon der Begriff läßt wohl zuerst an die Pest, die politische Agonie des Reiches und derlei denken. Aber immerhin, daß ist auch die Renaissance, die höfische Zivilisation in Burgund, das Aufblühen der Niederlande… Je nun, ich hab’s auch nicht angehakt.
Daß der Barock so gut dasteht, wundert mich hingegen ein bißchen…
Es ist natürlich vollkommen legitim, sich von dieser Morbidität faszinieren zu lassen. Nur ist die Situation in anderen Ländern dieser Epoche eben eine ganz andere.
Im wesentlichen wohl wirklich der bramarbasierende Stil. Das ist doch damals schon im Simplicissimus karikiert worden („englische und deutsche Diplomaten“)! Das, was gemeinhin unter „Militarismus“ gefaßt wird. Das gibt es in anderen Staaten auch, aber eben nicht so extrem, so maßlos.
Vgl. auch hier: http://amyklai.net/wilhelm-ii-stuermer.html
Ja, ist schon recht…
Das war wohl das Grundproblem des zweiten Deutschen Reiches, der Stil war auftrumpfend, in der Realpolitik hingegen war man gegenüber den außenpolitisch erfahreneren (und skrupelloseren) Staaten eher ein Waisenknabe
Wunderte mich gestern auch – habe spontan auch keine Erklärung, außer daß sich unter Barock mehr Menschen was vorstellen können als unter Rokoko (wobei die Leser dieses Blogs wohl mit keinem Begriff ein Problem haben dürften
)
Ansonsten schließe ich mich natürlich Vinneuils Überlegungen zum Wiener Fin du Siècle an
Zufälligerweise spielt mein Computer gerade gerade passend Leonard Cohen:
Einen Verdacht muß ich hingegen zerstreuen: Amyklai hat keine sooo überproportional große Hannoveraner Leserschaft, die das etwa aus lokalpatriotischem Stolz auf den Großen Garten gewählt hätten.
Edit: Ach so, noch was. Es ist mir natürlich bewußt, daß die Abgrenzung „Gegenreformation“ und „Barock“ die Allerhaarigste der Liste ist, insofern Barock ja gerade (auch) ein gegenreformatorischer Stil ist. Dennoch dürfte auch hier so ungefähr klar sein, wie ich das gemeint hatte.
Ich empfehle Dir zu Orientierung über das Deutsche Kaiserreich z.B. die Werke von Wolfgang J. Mommsen, Hans-Ulrich Wehler (sozialgeschichlicher Ansatz), Klaus Hildebrand (Schwerpunkt Außenpolitik), Wilfried Loth (katholischer Hintergrund), ganz besonders aber die von Thomas Nipperdey (liberal) und Heinrich August Winkler (liberal, Schwerpunkt eher innenpolitisch und „mentalitätsgeschichtlich“). Der betreffende Gebhardt-Band – sonst immer die erste Wahl zur Einführung für interessierte Laien und für Leute im Grundstudium – taugt leider weder in der alten noch in der neuen Auflage so besonders viel. Also: Lies Nipperdey und Winkler, da machts Du nichts falsch.
Falls ich Dir mit weiteren Literaturtips zu anderen Epochen der preußisch-deutschen Geschichte helfen kann: jederzeit gerne.
So, die Umfrage ist beendet – ich danke allen, die mitgemacht haben.
Eindeutiger Sieger ist die Belle Epoque, die allerdings auch von mir vielfach promoted wurde: Ich hatte für sie gesprochen, hatte sie bei ihrem schönsten Namen genannt und hatte immer wieder schöne Gemälde aus jener Zeit „rechts oben“ eingebunden.
Sehr gut steht erstaunlicherweise die Barockzeit, hatte ich ja schon notiert.
5 von 29 haben für die Adenauer-Zeit gestimmt, das waren die echte Rebellen!
;-)
Das Mittelalter hat noch ein bißchen aufgeholt – vielleicht auch wegen meines Eintrags zum MA in der Populärkultur?
Die Loser sind Spät-MA und Zweiter Weltkrieg. Das ist lebensklug. Es lebt sich halt nicht gut in interessanten Zeiten.
Und unterm Strich: Das 19. Jahrhundert! *schmacht*