Kishore Mahbubani, seines Zeichens Dekan der Lee Kuan Yew School of Public Policy der Nationalen Universität von Singapur, kritisiert – durchaus im Sinne des Namenspatrons des von ihm geleiteten Instituts – auf Project Syndicate die Entscheidung des norwegischen Nobelpreiskomitees: „Ungerechtigkeit bei Nobelpreisverleihung“.
Er zweifelt (natürlich) nicht daran, daß Martti Ahtisaari ein bedeutender Mann sei, der den Nobelpreis verdient habe.
Aber er stößt sich an der Begründung – nämlich daran, daß in ihr ausdrücklich Artisaaris Beteiligung an der Beilegung des Konflikts zwischen der indonesischen Zentralgewalt und der zum Separatismus neigenden, besonders muslimischen Provinz Aceh betont werde. Diese Konflikts-Lösung im Jahre 2005 möchte Mahbubani vor allem als innermuslimische Erfolgsgeschichte verstanden wissen. Das Komitee sei ignorant und lebe in der Vergangenheit, den Preis hätten „die Indonesier“ verdient, die weißen Mann brauche da jetzt keine Lasten mehr zu schultern.
Grundlegender: Die Erwähnung von Aceh in der Begründung für die Vergabe des Nobelpreises wirft ernste Fragen über die mentalen Landkarten auf, die das Nobelpreiskomitee bei der Vergabe dieser Auszeichnungen zugrunde legt. Die Mitglieder des Komitees scheinen zunehmend in der Vergangenheit gefangen zu sein. Sie gehen weiterhin davon aus, dass wir in einer weltgeschichtlichen Ära westlicher Vorherrschaft leben.
Aber diese Ära ist vorbei. Die übrige Welt hat sich zunehmend von Objekten der Weltgeschichte zu ihren Subjekten entwickelt. Mit der Vergabe des Friedensnobelpreises an die Indonesier statt an einen europäischen Mittler für Aceh hätte das Nobelpreiskomitee anerkannt, dass sich die Welt verändert hat.
[...]
Aceh war im Wesentlichen eine eindrucksvolle muslimische Erfolgsgeschichte. In sofern hat das Nobelpreiskomitee eine wertvolle Chance vertan, eine Botschaft der Hoffnung an die 1,2 Milliarden Muslime in der Welt zu schicken – eine Botschaft, die die Welt von der großen globalen Illusion befreit hätte, dass das Friedensstiften eine „Last des weißen Mannes“ sei.

