Hier die versprochene Kompilation aus dem Konjunktiv-2-Thread: „Wörter, die wir nicht mehr hören können“.
Zunächst hatte ich vorgehabt, sie alphabetisch zu sortieren, dieser Modus hat sich aber gleich als ganz unpraktikabel erwiesen; ich habe mich mit einer chronologischen Kompilation beholfen.
Wenn die Schmähung eines Wortes oder einer Wendung nicht ganz als Common Sense zu werten war und/oder einer persönlichen Aversion geschuldet war, habe ich den Urheber in kursiv hinzugesetzt. Ebenso natürlich bei wörtlichen Zitaten. Ferner gebührt Raistlin noch Dank für das Beisteuern einer Menge semiklassischer Aufreger.
„Weltoffen“ war tatsächlich nicht dabei, ich reiche es hiermit nach…
Also:
Blog
Logo (Damit hatte ich angefangen…)
„Soli“ für Solidaritätszuschlag. (PoL)
entsetzt sein „[Undifferenziert große Gruppe] sind entsetzt – sind betroffen – sind geschockt.“
kommunizieren transitiv: „Etwas kommunizieren“, auch „Etwas erinnern“
etwas „eskaliert“
politisch inkorrekt (das kam von Vinneuil, 30.7.07), „politisch korrekt“, das ja eh keiner verwendet, natürlich sowieso…
Handy / Natel – okay, es gibt eben nichts anderes, und das Mosebachsche „Mobiltelephon“ und nun auch nicht so toll…
meinen „[blabla], meint XYZ“ – wenn XYZ was gesagt oder geschrieben hat.
Grande Nation als Synomym für Frankreich (Harki)
Rakir:
frei schwebende Pronomina wie „wir“ und Passivsätze, deren Agens nicht klar ist wie in „das muss gemacht werden“. Im besonderen, wenn solche Konstrukte in der politischen Diskussion Verwendung finden.
Harki:
Generell allerdings, das muß ich zugeben, gehen mir diese neckischen i-Diminutive auf die Eier wie kaum etwas anderes, vor allem dann, wenn sie eine zärtliche Vertrautheit mit technischem Gerät ausdrücken sollen: „Compi“, „Lappi“ etc. Furchtbar. Vorhin beim Einkaufen habe ich jemandem von seinem „Rucksi“ sprechen hören – er meinte seinen Rucksack.
Rakir:
Ja, der unnachahmliche Gerhard Schröder hat den Gebrauch des ‚wir‘ perfekt beherrscht, um sich in eine Gemeinschaft der ‚Wohlmeinenden‘ respektive derer, ‚die guten Willens sind‘, einzureihen, wie das meiner Erinnerung nach hieß. Aber mich stört einfach, dass man nie weiß, wer ‚wir‘ eigentlich sind, wenn z.B. Ulla Schmidt das sagt. Manchmal muss man halt in Kauf nehmen, nicht zu den Wohlmeinenden zu gehören.
Dieses Arroganz-Wir, wie in ‚Wir haben unsere Standards‘ oder ‚We‘re proud to be American‘, hat Notker Wolf in seinem aktuellen Buch sehr schön beschrieben und es von dem Stolz, der auf dem gleichen Holz wie Dummheit wächst, abgesetzt.
„Beziehung“ und „zusammen sein“
Vinneuil:
Zu „Beziehung“ usw: „Partner“ ist auch schlimm, ich muß da immer an „Geschäftspartner“ oder die Cosa Nostra denken…
Es ist wirklich verteufelt: für alles, was über eine „Affäre“ hinausgeht (was auch schon grenzwertig ist) (österr.: „G’schpusi“) aber (noch) keine „Ehe“ ist (wie meistens), hat man kein vernünftiges Wort mehr. Ich versuche mich da immer kreativ bis altmodisch herumzureden, aber das ist auch unbefriedigend.
PoL:
Entsetzlich ist auch „Lebensabschnittsgefährtin“.
Ich empfinde „meine Alte“ sehr erfrischend
zeitnah, Rückmeldung, Diskussionsgrundlage
Feedback
Luminoire:
Heute mal wieder derb aufgestoßen: „no go“
Oder auch die deutsche Variante: „Geht gaaaar nicht“ übel
„Jemanden degradieren/deklassieren“ i.S.v. „jemanden besiegen“ (Harki)
„fühlen sich an (insert Nazivergleich here) erinnert“ (frei_sein)
erlkönigin:
„Ääh- hallooo?!“ verursacht bei mir allergische Symptome. Eigentlich klassischer Zickenton, aber mittlerweile auch schon FAZ-kompatibel (C. Geyer).
Flatrate (für alles mögliche)
„O‘zapft is‘!“ (Harki am 23.9.07)
Rückbau
Etwas „schultern“, etwas „stemmen“ i.S. von schaffen, bewältigen (Luminoire)
frei_sein:
Heute mal ein Klassiker, der trotzdem jedesmal Aggressionen hervorruft:
„frisch“ im Zusammenhang mit einem (neuen) Design
„Wer …, der hat aus der Geschichte nichts gelernt“
„Islamophobie“ (Möchtegern)
D‘accord. Dann aber auch „Islamisierung“. (Harki)
„ein starkes Zeichen“ für oder gegen wen- oder oder was-auch-immer setzen.
„in einer Höhe von 7,5 Kilometer“ (Harki)
Welt[XY]tag (Harki)
nachhaltig / Nachhaltigkeit, authentisch / Authentizität (von Harki am 23.10.07 mit fast schon schlechtem Gewissen nachgereicht)
Foto-Shooting
Stammtischniveau, ferner jede Form von „Lufthoheit“
Netzwerke
Seilschaften
Web 2.0
Stichwortgeber
„Grenzwertüberschreitungen“
Migrationshintergrund – und Derivate, klar…
Berater, Beratung, XYZ-Berater/Beratung (Harki)


Philipp von Boeselager gestorben


Ach, das ist wirklich eine wunderbare Liste
Jeder einzelne Eintrag eine offene Wunde, in die Salz gestreut wird! Jeder Eintrag eine Erinnerung an eine verlorene Schlacht! Jeder Eintrag eine Niederlage!
Im ernst, die Liste ist wirklich ist so schrecklich, daß sie schön ist!
Nun, Du hast ja das Deine dazu beigetragen.
Das war wirklich einer der besten k2-Threads. Ich werde auch nicht vergessen, wie nach dem Rausschmiß von Eva Herman aus dieser Talkshow jemand (PoL?) über die Äußerungen der unselige Margarete Schreinermakers meinte: „70 % davon hatten wir in dem Nerv-Wörter-Thread.“
Also, hier hab ich ein Neues:
Vinneuil, Du liest die falschen Zeitungen.
Nachtrag: Ach so, was meines Erachtens neben dem Berater unbedingt noch fehlte, wäre der „XY-Experte“. Ich glaube, frei_sein hatte das auch irgendwo erwähnt.
Nun endgültig, nachdem heute Schäubchen das in dem Sinne verwendet hat und nun ein Polizeigewerkschafter im FR-Interview (Die Rechten wollen Tote): „Mitte der Gesellschaft“.
Der Osten ist nicht die Mitte der Gesellschaft.
„gefühlte“ i.S.v. „gefühlte 80 Minuten“, „gefühlte 30 cm“ etc. Ursprünglich wohl von diesen albernen „gefühlten 8 Grad“ des Wetterberichtes. Zunächst eine ganz hübsche Entlehnung und Parodie, mittlerweile durch massenhaften Gebrauch unerträglich und sicher ein Nono-Wort.
Aus gegebenem Anlaß wäre neu auf die Liste zu setzen (und es ist eigentlich erstaunlich, daß es noch nicht drauf ist):
barrierefrei / Barrierefreiheit
Guten Abend,
diese Liste ist ja köstlich.
Mein derzeitiger Favorit:
Dies oder jenes sei „eine Verhöhnung der Opfer“; eine rhetorische Keule erster Klasse.
Was ich überhaupt nicht mehr hören kann:
dies oder jenes führe uns „zurück ins Mittelalter“ – sapperlot, dass das Mittelalter überhaupt jemand überlebt hat ist ein wahres Wunder, – was mich zum feministischen Klassiker führt, bei dem ich nicht einmal mehr so tun kann, als wäre ich d‘accord:
„Mich hätten sie im Mittelalter ganz bestimmt als Hexe verbrannt.“
Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.
Weiter so!
Spontan fällt mir noch ein, falls noch kein alter Hut:
spalterisch – böse
integrativ – supi
Und natürlich nicht zu vergessen: „Die Menschen von heute“ – die ja so wahnsinnig viel anders und entwickelter sind als die vor hundert Jahren, weswegen man
„im einundzwanzigsten Jahrhundert innovative Lösungen“ finden muss – na ja, viel Spaß dabei.
Falls mir noch mehr einfällt, wäre eine Zusendung genehm?
Ja, danke für die netten Worte – sie gehen ans aufgelöste Kollektiv.
Da ist nichts zu machen, das ist eingerissen.
Über die pejorative Verwendung des Begriffs Mittelalter regen sich Mediävisten (zu Recht, sicher) seit mindestens 150 Jahren auf.
Sicher, das „ich wäre eine Hexe gewesen“ kennt man auch seit Schülertagen. Na ja, so schlimm finde ich das aber nicht, wer will schon gerne langweilig sein? Außerdem ist das ja kein Wort, sondern ein stehender Topos oder so etwas…
Ah, nachgetragen:
Natürlich.
Des weiteren entwickele ich seit einiger Zeit schon einen Haß auf …landschaften und …welten, namentlich auf „Stadtlandschaften“ und auf „Lebenswelten“. Nach meinem Empfinden ist das ein zugleich dürres und aufgeblasenes Raumplaner-Vokabular.
Nur weils mir grad so auffällt.
Der Interviewte auf Fr-online sagt:
„Die Rechten wollen provozieren, sie nehmen Verletzte, auch tödlich Verletzte, in Kauf. “
Die Überschrift macht daraus:
„Die Rechten nehmen Tote in Kauf“
Und der Blogger:
„Die Rechten wollen Tote“.
Wir hatten das auf k2 in einem eigenen Thread… Es wird von den mittleren Chargen bis hinab zum allerletzten Pöbel in ganz entsetzlicher Schamlosigkeit verwendet:
„typisch deutsch“
Ein absolutes Nono, meines Erachtens…