Geschichte
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Kristallnacht

Wenn ich ’nen Pflicht-Ei zum deutschen 9/11 legen wollte, würde ich mir die beiden Interviews mit Winkler in der Welt und mit Wehler im Tagesspiegel zum 90. Jubiläum der Novemberrevolution vornehmen, aber mir liegt was anderes auf dem Herzen. Ich habe den Eindruck, daß das beflissen-lehrerhafte Wortungetüm „Reichspogromnacht“, daß über sicher zehn Jahre nahezu ausschließlich zu hören war, auf dem Rückzug ist.

Man hört wieder öfter „Kristallnacht“, kann das sein? Ich möchte nun keineswegs für eine gänzliche Rehabilitierung dieses Wortes plädieren und meine auch, daß man sich auf „Novemberpogrome 1938″ wird einigen können, wenn ein neutraler Diskussionsbegriff gebraucht wird.

Nur habe ich mich in den Jahre zuvor wieder und wieder darüber geärgert, daß der starke, unheimliche und Unheil suggerierende Begriff „Kristallnacht“ durch das für volkspädagogisch wertvoll erachteten, aber völlig blutleere und hirnlos ahistorische „Pogromnacht“ substituiert worden ist. Und nun gar in der meistens zu hörenden Form „Reichspogromnacht“! Liebe FR- und Zeit-Leser, das Dritte Reich ist tot (und alle anderen Reich auch). Ihr braucht da gar nicht mehr nachzutreten, indem ihr seine Begrifflichkeiten parodiert und seinen Sprachduktus imitiert. Ihr outet Euch damit als Dieter-Hildebrandt-Fans, oder so etwas.

Bildquelle: zen, CC

Ein Kommentar

  1. frei_sein

    Der SPON verwendet die „Reichkristallnacht“ scheinbar wieder bevorzugt. Sowohl bei Broder als auch in EinesTages. In den österreichischen Nachrichten ist es ebenfalls der gängige Begriff. Selbstverständlich folge ich Deiner Ansicht, daß Reichskristallnacht ein viel eindringlicherer Ausdruck ist, als das bürokratisch-volkserzieherische „Reichspogromnacht“.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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