Ein längerer Artikel in der IHT berichtet über den jüngst in den Türkei angelaufenen Film „Mustafa“ von Can Dündar. Es geht um das Leben des allseits verehrten Staatsgründes Mustafa Kemal Pascha, genannt Atatürk. Kurzes Nachsuchen ergibt, das der Spon gestern was darüber geschrieben hat – der erste Absatz ist sehr nett (der Rest ist dann ein Kurden- und Armenier-Sermon):
Zu besichtigen ist das Seelenleben eines einsamen Kettenrauchers und Nationalhelden. Der Mann konsumiert pro Tag drei Schachteln Zigaretten, eine Flasche Raki und endlose Tassen Mokka, er ist recht melancholisch, aber er gewinnt einen Krieg, erschafft eine Republik und revolutioniert eine Gesellschaft.
Auf diese Präsentation Atatürks (auch) als Lebemann stellt auch die IHT ab – klar, die Turbonationalisten, die Atatürk als Ersatzgott brauchen, regen sich drüber auf. Und es soll sich um einen guten Film handeln, was ja aus dem bisher gesagten nicht zwangsläufig folgt.
Und ich echt gespannt auf den Film, Atatürk ist ohne Zweifel eine überaus faszinierende Persönlichkeit und ein großer Mann.
Angeblich hat Dündar über fünfzehn Jahre unveröffentlichtes und teils zuvor gesperrtes Material, namentlich Tagebücher Atatürks, studiert. Einige der zutage geförderten Bemerkungen Atatürks über den Islam sind ihm der türkischen Öffentlichkeit unzumutbar erschienen, man wüßte gerne, welche.


Vermutlich Sentenzen wie der in den letzten Jahren auf „islamkritischen“ Seiten laufend kolportierte Passage (die vermutlich nciht so von ihm stammt):
Eine Diskussion dazu mit Anmerkungen findet sich u.a. hier.
Insgesamt ist das Bild, das Atatürk zum Islam abgibt, meinen bescheidenen Kenntnissen nach nicht sehr eindeutig. Einerseits kann man sehr „atheistische“ Aussagen von ihm finden, andererseits aber auch ein Lob der Religion, zumindest dann, wenn er sie als Mittel zum Zweck (Basis einer Nation) sieht. In der Institutionalisierung und Bevorzugung des Islams in der Republik kommt das auch praktisch zum Ausdruck.
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Insgesamt machte Atatürk auch optisch was her – das hat er zumindest den ganzen Güls und Erdogans voraus.
Sicherlich, jedenfalls ist das plausibel. Ein alldominantes Thema, dazu eine komplexe und impulsive Persönlichkeit, die zudem eher Tatmensch als Theoretiker ist. Wird einen kaum wundern, wenn sich da widersprüchliche Äußerungen finden lassen.
Aber hallo!
So einer (oder sehr ähnlich) hängt bei meinem Schneider im Laden
)
(Mit ein Grund warum ich dort hingehe – denn dessen handwerkliche Fähigkeiten liegen auch nur graduell über meinen
In der SZ heute ein Verriß des Films:
Und richtig geil ist das hier:
Überhaupt finde ich es schade, daß Atatürk selbst den Fez und seine Derivate, z.B. eben auch diese Pelz-Variante bei Offizieren, abgeschafft hat. Das sind wirklich prächtige Kopfbedeckungen. Und ja ursprünglich ebenfalls mal modernisierend gemeint.