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Peter Hammer, Köln

pierre_marteau.jpgDie abgebildete Geschichte der Herzöge von Burgund, verlegt 1687 von „Pierre Marteau“ in „Köln“, ist mir vorhin in die Finger gekommen. Der Band ist klein, er mißt 9 mal 14,5 Zentimeter und ist 550 Seiten stark. Was es mit Pierre Marteau auf sich hat, kann man auch auf Wikipedia nachlesen – da es aber das erste Mal gewesen ist, daß ich ein Buch „aus diesem Verlag“ (und dann auch noch eine Geschichte der Bugunderherzöge!) in der Hand gehabt habe, möchte ich es doch auch selbst erzählen.

Pierre Marteau in Köln ist ein fiktiver Verleger – unter dieser Verlagsbezeichnung werden im absolutistischen Frankreich Bücher verkauft, die regulär nicht verlegt werden können, weil die Zensur sie wegen ihres politisch brisanten und/oder schlüpfrigen Inhalts nicht durchläßt. Gedruckt wird das Zeug nicht in Köln, sondern meist in den Niederlanden, dann wird es nach Frankreich hineingeschmuggelt.

Irgend jemand fängt um 1680 damit an (das abgebildete Buch ist also tatsächlich eines der ersten), später springen andere auf den Zug auf, weil sie merken, wie prächtig sich Pierre-Marteau-Bücher verkaufen. Denn jeder weiß damals, daß diese Schwarten zwielichtig sind, daß es diesen Verlag nicht gibt. In den letzten fünfundzwanzig Jahren der langen Regierungszeit Ludwigs XIV. ist die Praxis sehr beliebt, in den späteren Jahrzehnten des Ancient régime weniger, die Zensur wird lockerer, in der Revolutionszeit kommt sie zu neuen Ehren.

In Deutschland wird der verlegerische Kniff kopiert: „verlegts Peter Hammer zu Cölln“. In der „Franzosenzeit“ werden auch antinapoleonische Schmähschriften von „Peter Hammer“ verlegt.

Falls nun jemand einen Verlag mit dem Namen Peter Hammer gründen möchte: auf die Idee sind schon längst andere gekommen.

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