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Ausland, Geschichte
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Joe

Heute wäre der berühmte US-Senator Joseph McCarthy 100 Jahre alt geworden, und das gibt Amyklai Gelegenheit, seine gestern begonnene Serie „Die berühmtesten Schwerstalkoholiker aller Zeiten“ fortzusetzen. In der Welt hat es einen Artikel von Hannes Stein über Bemühungen in den USA, McCarthy zu rehablitieren.

Der Artikel scheint mir recht lesenswert und auch nicht ganz schlecht recherchiert, sofern ich das beurteilen kann – nur läßt er vielleicht doch zu wenig Zweifel daran, daß das furchtbare Image, daß McCarthy bis heute hat, einer Korrektur bedarf. Die Sache ist immerhin seit Jahren umstritten. Stein erwähnt auch nicht einmal, daß eine der wichtigsten Beteiligten dieser Debatte ausgerechnet die unsägliche Ann Coulter ist, die versucht, aus McCarthy einen antikommunistischen und – ihr noch wichtiger – anti-liberalen Heiligen zu machen.

Und bemerkenswert, gerade die SZ läßt Frau Coulter über drei lange, lange Seiten zum Thema zu Wort kommen. Eine Kostprobe:

Ja, ein großer amerikanischer Patriot! Von Gott gesandt; zum genau richtigen Zeitpunkt. Er trieb die Amerikaner in eine berechtigte Wut gegen diese nichtsnutzigen Demokraten, die immer nur ihren Verrat vertuschen wollen. Er immunisierte die Vereinigten Staaten für die nächsten 30 Jahre gegen die kommunistische Propaganda.

Und in dem Stil geht’s weiter, es ist wirklich schwere Kost. Und man hat den Eindruck, die Frau lebte in einer Traumwelt… Wer hätte dem Antikommunismus so geschadet wie McCarthy, auch wenn seine Motive ehrenwert und seine Befürchtungen nicht unbegründet gewesen sein mögen? Man hat den Eindruck, die SZ ließe die Coulter labern, um mit ihren bescheidenen Mitteln den Republikanern zu schaden.

Nachtrag: Übrigens systematisiert John le Carré heute in einem Interview in der FAZ den „Krieg gegen den Terror“ als „neuen McCarthyismus“, als „völlig überzogene Reaktion“

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