Diese Aufnahme hatte ich vor ein paar Wochen erwähnt, in den letzten Tagen ist sie mir wieder zum Hintergrund-Ohrwurm geworden: „Leonard Cohen und Noir Désir – Der Partisan. Und zwar gefallen mir hier der von Cohen gesungenen Part am Anfang und das Duett am Ende auch recht gut, aber wirklich hinreißend finde ich die Stimme von Bertrand Cantat in den französischen Passagen in der Mitte. Und zwar ganz genau das hier, so ab 2:15:
J‘ai changé cent fois de nom
J‘ai perdu femme et enfants
Mais j‘ai tant d‘amis
J‘ai la France entière.
Uah, ich kann das nicht hören, ohne daß mir ein Schauer den Rücken herunter liefe… Die Stimme, die Intonation, es sitzt einfach: Zurückgenommenheit und Egozentrik, Pathos und Melancholie, Traurigkeit und Schneid – die Gegensätze gehen perfekt zusammen.
(Das empfinde übrigens ich als „kalten Stil“.)


Aber der eine Sänger ist ja nicht Cohen, sondern der große und geniale und auch verlorene David Eugene Edwards von 16 Horsepower/ Woven Hand, non?
Hier ein paar links, wegen der Stimme:
http://de.youtube.com/watch?v=O0dpHMRWAz0&feature=related (ab 2:05 primär wirds deutlich)
http://de.youtube.com/watch?v=57R0C8mi4xw&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=-c4iz-lFp9U&feature=related
Und über Cantats unglaubliche Intensität, nun ja, muss man nicht weiter drüber reden.
Torsten
16 Horsepower ist ja nicht schlecht, aber ich mag das Original doch irgendwie lieber:
oder eben der Klassiker
http://www.youtube.com/watch?v=Ui86Gk82KXY
(Die Bilder passen nicht, gut, aber die Interpretation ist großartig)
Hm, fällt Euch auf, in welchem Maße die beiden Lieder Gegensätze sind?
Hie im Chant des partisans (von Vercel verlinkt) der Schlachtruf, dort im Le Partisan die Verzweifelung (und ihre Überwindung, natürlich)? Einmal die Vogelperspektive, einmal die Froschperspektive. Es wird etwas ganz ähnliches erzählt – aber die Perspektive ist ganz anders.
Man beachte auch die merkwürdige englische Übersetzung von Le partisan. Die wird ja nun nicht gerade aus der Hochphase der Political Correctness so gegen 1990 stammen. Und dennoch ist dort nicht mehr explizit von „den Deutschen“ die Rede wie im Original, sondern von „den Soldaten“. Bemerkenswert auch, finde ich, daß es im Englischen eine alte Frau ist, die den Partisanen Unterschlupf gewährt und kein alter Mann.
Übrigens halte ich die ersten Takten von Le chant des partisans für einen der großartigsten Jingle aller Zeiten… Wie eigentümlich süß und flötend das anfängt.
Ach so, vom Chant des partisans gibt es übrigens auch eine Aufnahme von Johnny Hallyday:
Es mag sich bitte niemand aufgefordert fühlen, sie gut zu finden – so wie ich das in der Tat tue.