Ein kurzer Hinweis für diejenigen, die es – wie ich – noch nicht mitbekommen haben und die – im Gegensatz zu mir – keinen frei_sein kennen, der sie darauf aufmerksam machte. In der FAZ hatte es in letzter Zeit zwei interessante, teils witzige Texte zum Thema „Literaturförderung“.
Im ersten polemisiert Oliver Jungen gegen die Flut von unbedeutenden, aber mit großmäuligen Namen hübschgemachten Literaturpreisen. Er meint, sie schadeten der Literatur und fordert Drastisches:
Natürlich kann niemand im Ernst die Zensur zurücksehnen, aber etwas weniger kunstselige Duselei wäre an der Zeit. Schließlich ist das Ziel der Literatur entgegen verbreiteter Ansicht weder die Adelung zum Hörbuch noch die Leseandacht im örtlichen Literaturhaus. Noch würdeloser wirkt allerdings der Dressurtanz im Preiszirkus. Gibt es einen Filter für große Literatur? Dass sich Schriftsteller auf eigene Verantwortung durchs Leben schlagen, wäre ein Anfang; Kafka jedenfalls hat es nicht geschadet.
[...]
Wenn der Literatur nutzt, was den Schriftstellern schadet, dann, liebe Förderfunktionäre und kuchenverdrückendes Literaturhauspublikum: Schadet den Schriftstellern! Hungert sie aus!
Vor ein paar Tagen nun hat ihm Richard Wagner geantwortet. Er sieht das Problem nicht in den Preisen, die es in der einen oder anderen Form schon immer gegeben habe, sondern vor allem in der Personalisierung des Literaturbetriebes, im werkfernen Literaturmarketing:
Selbst ein Oswald Spengler könnte heute nur noch seine Autobiographie veröffentlichen, am besten mit einem Vorwort von Harald Schmidt.
Auch die unsägliche Frau Roche wird eines Satzes gewürdigt.



Im Mai 1999…


Du ersparst Dir ja meist die Lektüre der Leser-Kommentare, was eine weise Entscheidung ist. Ich hoffe Du verzeihst, daß ich Dir hier trotzdem einen Ausschnitt unterjuble: Aus einem Kommentar zur „Aushungern-Polemik“:
Durch „Hungern“ wird man noch lange kein Talent, allerdings können Talente der „Verhausschweinung“ (um ein Kaplaken-Wort aufzugreifen) sehr wohl zum Opfer fallen. Anderes hat der Autor das FAZ-Artikels meines Erachtens auch nicht geschrieben.
Ich erspare sie mir sogar grundsätzlich.
Ich lese seit langer Zeit schon grundsätzlich keine Leserkommentare auf Nachrichtensites und meide Sites, auf den die Kommentare ohne zusätzlichen Klick gleich unter dem Artikel sichtbar sind.