Feuilleton, International
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Von der Hisbollah lernen,

bilderkrieg_196hieße das siegen lernen? In der NZZ findet sich ein Text über die Propaganda-Methoden der diversen religiös-politischen Lager im Libanon, der für Leute, die sich für Ikonen und Ikonisierungen interessieren, ganz interessant sein könnte: „Der Krieg der Bilder“. Daraus:

Die Schiitenbewegung nutze ihre Propaganda, um sich auf der politischen Landkarte zu positionieren – in Libanon wie international, bestätigt Zeina Maasri, Professorin für Grafikdesign. «Die Bilder des Hizbullah sind auffallend eklektizistisch: Sie bedienen sich globaler PR-Techniken, aber gleichzeitig des Pop-Art-Stils, weil dieser mit der linken Protestkultur der sechziger Jahre in Verbindung steht, und zusätzlich islamischer Elemente.» Allgemein stellt die Autorin des Buches «Signs of Conflict – Political Posters of Lebanon’s Civil War» eine zunehmende Professionalisierung der Propaganda fest. «Früher beruhte die Wirkung der Poster auf dem direkten Verhältnis zu den Anwohnern der jeweiligen Vororte», erklärt sie. «Jetzt entwerfen Werbegrafiker Digitaldrucke für die Plakatwände an den Autobahnen.» Das Ergebnis sei eine glatt retuschierte Hochglanz-Propaganda, deren Ästhetik sich kaum von Anzeigen für Konsumwaren unterscheide.

Abseits der Hauptstrassen sprechen die Bilder grösstenteils noch in einer ganz anderen Sprache. In den kleinen Läden der Dahiye ist die Propaganda des Hizbullah zu einer lukrativen Industrie geworden. Eine junge Frau im schwarzen Tschador breitet eine Auswahl von Bildern auf dem Verkaufstresen ihres Fanartikel-Geschäfts aus. «Die habe ich alle selbst gemacht, mit Photoshop», erzählt sie. Zu sehen sind Montagen der immergleichen Elemente: farbintensiviert grüne Landschaften, Koransuren, Engel, Raketen, Kinder und stets das Gesicht Nasrallahs. Woher sie ihre Inspiration nimmt? Sie lächelt scheu und sagt: «Von Gott.» Mit Bart, Brille und Turban ist Nasrallah längst zum werbewirksamen Emblem des islamischen Widerstandes geworden – sein Porträt ziert Sofakissen, Spardosen, Kaffeetassen.

(Hervorhebung von mir)

6 Kommentare

  1. frei_sein

    Zu sehen sind Montagen der immergleichen Elemente: farbintensiviert grüne Landschaften, Koransuren, Engel, Raketen, Kinder

    Der Geschmack der Hisbollaah-Grafikerin unterscheidet sich scheinbar nur graduell von dem der „Cat Content“-Produzentinnen (oder diveresen christlichen Jesusverkitschungen) aus den USA und sonstwo.

    Selbtverständlich lege ich Wert darauf, Cat Conent und den zugehörigen Stil, der gerne auch für Familienseiten verwendet wird, nicht von oben herab zu verurteilen. Es machen sich schon genügend Leute darüber lustig, so daß es angezeigt erscheint, sich hier an der Seite dieser Damen zu positionieren :-)

  2. Das Wort „Cat Content“ (ich kannte es nicht) hat bei mir in der Tat einen kleinen Lachkrampf ausgelöst. :-)

    Und mein Verhältnis dazu ist ähnlich wie Deines: es machen sich alle drüber lustig, also macht man’s instinktiv nicht. Du weißt ja, daß ich sogar versuche, weitgehend ohne das Wort „Kitsch“ auszukommen, um mich von den Design-Ärschen abzusetzen.

    Der Geschmack der Hisbollaah-Grafikerin unterscheidet sich scheinbar nur graduell von dem der „Cat Content“-Produzentinnen (oder diveresen christlichen Jesusverkitschungen) aus den USA und sonstwo.

    Auch die Ähnlichkeit in der mentalen Struktur ist sicher richtig notiert.

    Edit: Gerade gefunden, nicht unwitzig:

    http://instant-thinking.de/wp-content/uploads/2007/09/hisblog.jpg

  3. Hm.

    Das sind aber keine typischen Katzenseiten… Es ist halt keine feminine Web-Ästhetik mt Elfen und Glitzerkram und Schnörkelbuchstaben.

    Schade, habe gerade keine Links zur Hand, aber gab da mal tolle Sammlungen von Paint Shop Pro-Erzeugnissen. PSP hat so etwas geradezu provoziert, weil es durchsichtiger, halt nicht so extragalaktisch zu bedienen war wie PS (und GIMP).

    Wie schon zart angedeutet: Ich finde diesen „femininen Kitsch-Content“ immer noch erheblich erträglicher anzuschauen als den Designer-Scheiß. So ein bißchen der Bouguereau-Effekt, halt. (Wobei das auch nicht ganz trifft, weil Bouguereau die kaum betreitbare Stärke hatte, wie kein Zweiter im 19. Jh. mit Ölfarbe umgehen zu können.)

  4. frei_sein

    Ja stimmt schon, kein typischer Katzencontent. Und ja, das gute alte PSP. Ein Wegbereiter der Engel, Elfen und Glitzerbuchstaben waren natürlich die legendären Picture Tubes. Leider sind die echten Klassiker der Tubeseiten (natürlich bei Geocities oder tripod gehosted, mittlerweile meist verschwunden ;-) ).

  5. Oder auf stud.uni-hannover.de. ;-) Nee, keine Angst, echten Cat-Content habe ich nie produziert, aber mit PSP verbinde ich in der Tat auch aufrechte melancholisch Gefühle. Und mit Neopaint auch noch. :-)

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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