Tatort & Polizeiruf 110
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Todesstrafe (Saalfeld, Keppler)

Tatort - TodesstrafeTatort „Todesstrafe“, Leipzig, MDR, 2008, Eva Saalfeld (Simone Thomalla), Andreas Keppler (Martin Wuttke)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Kindesmißbrauch, Bürgerwehren, Todesstrafe

:-(

Ich möchte nicht gleich über die Neuen in Leipzig herfallen, aber ich habe die Ablösung des verschlagen-verschmitzen Ehrlichers durch eine unzivilisierte Ami-Detektivs-Karikatur als Abstieg empfunden. Furchtbar der Nadelstreifenanzug mit offenem Hemdkargen, entsetzlich die Siefeletten, peinlich die Action-Szenen, gerade das Springen von einem Häuserdach zum anderen.

Das war alles gewollt-bluesig, möchtegern-unprovinziell, eben antiprovinziell – und gerade daher ein bißchen hinterweltlerisch. Man stimmt das ab auf irgendein abgefucktes Ingenieurs-Studenten-Publikum, das Leute, die nicht Guten Tag sagen, schick finden kann.

Typen, die sich nichts Entsetzlicheres vorstellen können als „Bürgerwehren“ und die einen abgebeizten antiken Schrank in einem ansonsten leeren weißen Zimmer mit angestrahlter Decke hübsch finden – das war anscheinend die Zielgruppe; das unsägliche Juste-Milieu der TAZ-lesenden Italienische-Kaffeespezialitäten-Trinker, „Pasta“-Esser und Weinführer-Leser. Ein Tatort für Zigarrenraucher und Manufactum-Kunden, das war’s.

Überflüssig zu sagen, daß das überall hätte spielen können. Leipzig existiert nicht.

Aber ich wollte mich ja gar nicht so sehr aufregen. Wie verwegen, immerhin: die beiden waren mal verheiratet, man erfährt aber nichts näheres. Raffiniert, wirklich, was für ein Stilmittel. So dezent, lakonisch und zurückgenommen. übel Und natürlich: Sie dürfen keinesfalls den selben Namen haben, wo kämen wir da hin.

Und er zieht dann erst einmal in ein billiges Hotel ein, in dem die Leuchtreklame aufs Bett blinkt. Unsäglich.

Der Fall ist über die Maßen spannend und wird mit beeindruckender Geschwindigkeit entfaltet: Schon nach einer kanppen halben Stunde ist die Ehefrau des Opfers informiert. Sehr originell auch das Ende: Der Täter war selbst ein Mißbrauchsopfer – er weint und Puttchen Brammel, seine Ehefrau, steht stammelnd daneben.

Wirklich okay sind eigentlich nur die Kamera und der Schnitt, auch die Musik ist recht hübsch.

*kotz*

Und überhaupt ist mir dieser 700-Rummel in der letzten Woche, aus dem jede Nachrichten-Site versucht hat, Klicks zu generieren, sehr schnell nur noch auf die Nerven gegangen. Vielleicht auch daher meine schlechte Laune.

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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