Die Rote Reihe ist keine Serie des WDR oder eine vom FAZ-Feuilleton verantwortete Taschenbuch-Reihe, sondern eine nicht sehr lange Straße (so etwa 300 Meter) in Hannovers Calenberger Neustadt – jedenfalls geht es mir hier um diese Rote Reihe.
Die Straße liegt nur zwei Steinwürfe von meiner momentanen Wirkungsstätte entfernt, und gestern abend habe ich einen spazierenden Umweg durch sie gemacht.
Die Calenberger Neustadt, das ist die erste und eigentliche Neustadt Hannovers, gelegen südwestlich der Altstadt. Die Welfen haben eine Menge Obrigkeitliches hineingepackt, wovon Straßennamen wie „Kommandanturstraße“ oder „Am Kanonenwall“ Kunde geben. Noch heute wimmelt es da und in der Gegend geradezu von Landesministerien und Behörden. Aber es ist auch und dennoch ein verwinkeltes, altes Viertel.
Nun ja, was heißt „es ist“? In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 – „die Nacht in der Alt-Hannover unterging“, wie man das immer wieder, aber eben treffend, liest – wurde auch die Calenberger Neustadt furchtbar zerstört. Es greift ans Herz, Vorher- und Nachher-Bilder zu sehen. Herrliches Fachwerk ist verbrannt, nur wenig ist stehengeblieben. Nach dem Krieg wurde dann im 50er-Jahre-Stil (wie auch sonst) wiederaufgebaut – vieles davon steht heute unter Denkmalschutz, und es gibt da wirklich hübsche Sachen. Komischerweise mag ich diesen Stil mittlerweile sehr.
Also: Was haben wir da in der Roten Reihe?
1. Eine evangelische Kirche, die Neustädter Kirche, ehemals Hofkirche. Da liegt Leibniz.
2. Am anderen Ende der Straße die Clemens-Kirche, der sie nach dem Krieg eine Mini-St.-Peter-Kuppel verpaßt haben, um für jedermann gleich klarzustellen, daß es eine katholische Kirche sei.
3. Keine Synagoge. Die wurde 1938 von den Nazis niedergebrannt.
4. Dafür ein – Mahnmal. Etwas abseits vom alten Standort der Synagoge, glaube ich.
5. Neben dem Mahnmal das ev.-luth. Landeskirchenamt. Wer der alten Käßmann einen Brief schreiben will, muß sich aber eine andere Adresse raussuchen. Die residiert nicht in der Roten Reihe.
6. Die Erinnerung an einen berühmten Hannoveraner, der in der Roten Reihe in einer Dachkammer gehaust und gewirkt hat, nämlich an Fritz Haarmann:
In Hannover an der Leine,
Rote Reihe Nummer 8,
Wohnt der Massenmörder Haarmann,
Der schon manchen umgebracht.
Tatsächlich hat er in der Nummer 2 gewohnt. Ich habe versucht, den genauen Ort zu finden, das hat aber auf die Schnelle nicht geklappt, wohl wegen der Veränderungen des Ambientes durch Krieg und Nachkrieg. Es gibt heute weder eine Nummer 2 noch eine Nummer 8.
(Google-Maps ist geil!)


Also ich war ja einmal in Hannover, vor 20 Jahren oder so. Mir war recht fad dort zumute, außer die Herrenhäuser Gärten, da war grad Musik und Feuerwerk oder so was, das war sehr schön. *kann mich kaum noch erinnern*
Es ist wohl besser, nicht zu wissen, wie es vorher aussah. Immerhin hat die Beseitigung vieler Altstädte unser Bewußtsein vom Ballast einer mittelalterlichen und neuzeitlichen Vergangenheit befreit und den Spielraum der Identitätsfindung erheblich geweitet.
so in der roten reihe sieht man leider nichts mehr davon wo haarmann gelebt haben könnte
Es gibt Fotos von dem Haus, wo er gelebt hat… Aber von denen, die ich gesehen habe, kann man auch nicht sicher auf den Standort schließen. Es könnte sein, daß es gegenüber dem Vorplatz der Kirche war, also zur Calenberger Staße hin – aber das war nur mal eine Vermutung von einem (damaligen) Kollegen und mir.
Und hast Du ja gesehen: Es ist da alles komplett wegrasiert und in den 50ern neu aufgebaut worden.
Hi Klass, der thread ist zwar alt…aber ich versuch es trotzdem..
ich interessiere mich schon eine Zeitlang für den Fall Haarmann und mir fällt auf das sich die Hannoveraner sehr bedeckt halten. Daher suche ich jemand der Vorort ist, und da bin ich über dich gestolpert… Laut Aussage verschiedener Seiten soll das Haus Rote reihe 2, da wo die Einmündung(Rosmarinhof) gestanden haben…hier mal der link
http://maps.google.de/maps?q=Rote+Reihe,Rosmarinhof,+Hannover&hl=de&ll=52.371999,9.727587&spn=0.104386,0.303154&sll=52.371873,9.727534&sspn=0.000408,0.001184&t=h&z=12&layer=c&cbll=52.371999,9.727587&panoid=yJLHL5yFbQQAzsoFBafRWw&cbp=12,207.64,,0,1.74
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Nun habe ich aber durch ein anderes Forum erfahren, das das aber gar nicht stimmen soll, mit der Reihe 2..sondern eine andere Nr in der Str. die bei google street auch wirklich unkenntlich gemacht wurde…kann man hier auch per PN in Kontakt treten..???Hab da noch was anderes…na mal sehen ob hier überhaupt jemand antwortet…gruß Bart
Grüß Dich, Bart,
also, viel weiterhelfen werde ich Dir wohl kaum können, fürchte ich… Ich hatte, als ich den Artikel 2008 geschrieben habe, in der Bibliothek ein Buch zum Thema „Haarmann“ in der Hand, eine kleine, ca. 20 Jahre alte Monographie. Leider weiß ich den Titel, Verlag etc. nicht mehr.
Dort hieß es jedenfalls auch „Rote Reihe 2″. Und es hatte ein altes Foto von dem Haus. Und es schien (!) mir so, als ob das gerade am anderen Ende des Straße sei, also wenn man von den Calenberger Straße kommt gleich links. (Also nicht beim Rosmarinhof.) Ich kann mich aber getäuscht haben. Denn erstens war es eben nur ein Foto und zweitens und vor allen Dingen hat die heutige Bebauung nichts mehr mit der vor dem Krieg zu tun. Das waren zusammengebaute, malerische, aber gammelige Fachwerkhäuser – und die sind im Oktober 1943 tutti kompletti verbrannt. Ich habe Fotos von der Calenberger Straße nach dem Kriege gesehen: Da sind wirklich nur Trümmerhaufen übriggeblieben.
Und heute stehen da in der Roten Reihe eben diese gelben Backsteinreihenhäuser aus den 50er Jahren.
Ich weiß nicht einmal, ob man die Art der Numerierung (also: wo beginnt sie?) nach dem Krieg beibehalten hat. Und selbst wenn: es sind eben einfach andere Häuser.
Und wie gesagt: Eine Nummer 2 habe ich ebensowenig gefunden wie eine Nummer 8, ich hatte in der Straße danach gesucht.
Mich kannst Du gerne per E-Mail erreichen: leharki@gmail.com.
Ohh das ging ja schnell mit der Antwort.
Laut einer Aussage soll das Haus noch 1952/53 gestanden haben …laut einem Bildband über Hannover. Hier mal der genaue Worttext und die Quellen Angabe:
Das Haus Rote Reihe 2 stand ungefähr dort, wo heute der Rosmarinhof in die Rote Reihe einmündet. Es wurde im 2. Weltkrieg nicht zerstört, sondern erst nach dem Krieg abgerissen. Ich habe das Haus in einem Bildband über Hannover gefunden. Das Bild ist ca. 1952/53 aufgenommen worden. Dem nebenstehenden Text nach konnten die dort abgebildeten Häuser nicht mehr saniert werden – angeblich.–Old Atze 23:25, 25. Jan. 2008 (CET)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Fritz_Haarmann?uselang=de#Hilfe_bei_Bildmissbrauch
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stand das Haus nun noch nach dem Krieg oder nicht…???
so und das einzige was wirklich noch an Haarmanns Zeiten erinnern soll, ist der Gulli zum Leine-Ablauf, in dem er die Leichenreste entsorgte…ob das aber stimmt…kann mir wohl nur ein „eingeweihter“ sagen..gruß Bart
Hm, danke für den Hinweis!
Also, ausgeschlossen ist es natürlich nicht, daß das Haus den Krieg überstanden hat! Ich habe eben nur ein Foto von der benachbarten Calenberger Straße gesehen – und da stand wirklich nichts mehr.
Wie zuverlässig nun der Hinweis auf den Bildband ist, können wir nicht klären – es kann eben durchaus sein und klingt nicht unplausibel. Mich wundert aber schon, daß die Nr. 2 nicht irgendwo an einem Ende der Straße gestanden haben soll. Da, wo heute der Rosmarinhof einmündet, ist die Rote Reihe ja nicht zu Ende… Na, was soll’s? Wirklich klären könnte man das nur mit Bibliotheks- und Archiv-Recherchen…
Ja da hast du Recht eine kleine Str. Nr. fängt eigentlich nicht in der Mitte einer Str an….ich glaub ich lass das…und von diesem Gulli hast du davon schon mal gehört? ach egal…
ok ich danke dir für deine aufmeksamkeit
gruß Bart