Der Film Operation Walküre wurde am Montag uraufgeführt, es gibt also heute die ersten Kritiken – vgl. auch das schon schnellverlinkte JF-Blog. Mir scheint die Rezension von Hanns-Georg Rodek in der Welt sehr brauchbar, nicht nur, weil ich sie als ausgewogen empfinde, sondern vor allen Dingen auch, weil sie die seinerzeitigen Vorschuß-Arien Schirrmachers konterkariert und den Sinn des Films ein wenig zurechtrückt. Daraus:
Dem Strickmuster von „Operation Walküre“ kommt am besten auf die Spur, wer begreift, dass dieser Film für die Amerikaner etwas anderes sein soll (und darf) als für uns. Für Deutschland ist der 20. Juli 1944 einer der moralischen Gründungspfeiler des neuen, demokratischen Deutschland. Für den Rest der Welt läuft schlicht hier ein Thriller ab, ein historischer zwar, aber einer, dessen Ende so bekannt ist wie bei dem Attentatsversuch auf De Gaulle, den Fred Zinnemann in „Der Schakal“ schilderte.
Deshalb baut Bryan Singer Thriller-Elemente ein, wo immer es sich verantworten lässt. Als von Tresckow (gespielt von Kenneth Branagh) die bei einem früheren Attentatsversuch nicht explodierte Bombe zurückholen muss, stellt Singer das Paket groß in die Mitte, von links und rechts greifen zwei uniformierte Arme darauf zu – und nach einer gefühlten halben Ewigkeit zieht sich die Hand, die das Paket öffnen möchte, zurück, und die andere Hand zieht es an sich.
Mit solchen Hilfskonstruktionen, die Spannung erzeugen sollen, wo eigentlich keine aufkommen kann – schließlich kennen alle den Ausgang – arbeitet „Operation Walküre“ permanent. Würde man lediglich den mit unheilsschwangerem Getrommel gespickten Soundtrack ohne Bild anhören, käme das noch deutlicher zum Vorschein; John Ottmans Musik ließe sich problemlos in einen Psychothriller mit düsteren Häusern und nassglänzenden nächtlichen Straßen versetzen.
Neben der Anstrengung, der Geschichte Spannung zu injizieren, kämpft „Operation Walküre“ noch einen zweiten Kampf: den, einem internationalen Publikum, das zumeist noch nie vom 20. Juli 1944 gehört hat, den deutschen Widerstand zu erklären. Bei diesem zweiten Kampf ist Singer erfolgreicher als beim ersten. Der Gewissenskonflikt mit dem Eid auf den Führer, die Vorbehalte der Alt-Verschwörer gegen Stauffenberg, die Mechanik des „Walküre“-Plans – all das kann ein unbeleckter Kinogänger in Dallas oder Djakarta innerhalb dieser zwei Stunden durchaus begreifen.
Und noch ein wegen seiner Photostrecke zu Cruise Mimik witziger Blogeintrag, gefunden hat ihn der PT von heute morgen.
Ergänzung
In der FR heute eine freundliche Rezension von Daniel Kothenschulte, während Jordan Mejias von der FAZ sich behelfen muß, weil er anscheinend (trotz des Trommelfeuers der FAZ für den Film während der Dreharbeiten!) nicht zur Premier eingeladen war. Das war auch dem PT heute morgen schon aufgefallen.


Oh nein, nicht schon wieder

