Ich habe heute diese Verse, die letzten aus Borges‘ großartigem Doppel-Gedicht „Zwei Fassungen von Ritter, Tod im Teufel“, mit mir herumgetragen:
Ich werde die Asche sein und der Nebel;
Ich, der später aufbrach, werde mein sterbliches Ziel
Erreicht haben; du, der du nicht bist,
Du, Ritter des redlichen Schwertes
Und des strengen Waldes, wirst deinen Schritt
Fortsetzen solange die Menschen dauern,
Unerschütterlich, imaginär, ewig.
Das komplette Gedicht findet man hier.
Und ich bliebe gerne dabei, um wiederum Borges („Fragmente eines apokryphen Evangeliums“) zu zitieren: „Die Taten der Menschen verdienen weder den Himmel noch das Feuer.“
Und ferner: Wenn alles höhere Leben Spiel, Pose und Inszenierung ist, warum sollte sich dies in einem eventuellen Leben nach dem Tod nicht fortsetzen?
Swedenborgs merkwürdige Philosophie geht in diese Richtung: Man sucht sich sein Jenseits aus, es ist ein mähliches Hinübergleiten in einen anderen Zustand. Wir spielen die Rolle, die wir immer gespielt haben.
Und Ihr Katholiken: Euer Glaube beruht auch auf einer Inszenierung, auf einem Spiel mit dem schönen Schein, auf der Sehnsucht nach dem Schönen Leben. Und das wißt Ihr auch ganz genau.
Bildquelle: Wikimedia


Salve Harki!
Das Gedicht ist wie das Bild schön.
Zu Borges: „Die Menschen verdienen weder den Himmel noch das Feuer.“ In der Tat ist der Mensch weder Gott noch Teufel. Schön finde ich, daß Borges von einem Verdienst spricht und diesen zu Recht verneint.
Zu Deiner letzten Anmerkung: Die Liturgie ist der gelebte Glaube. Sie ist ein besonders Spiel – zum Glück ist dieser Begriff für einen Liebhaber Huizingas nicht so banal, daß er hier einer eingehenderen Erläuterung bedürfte.
Wie jedes andere Spiel, hat auch die Liturgie Regeln, die umgesetzt, sprich, inszeniert werden müssen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich wie Du davon sprechen würde, daß der Glaube auf der Inszenierung beruht.
Du selbst hast diese Aussage mit einem auch eingeschränkt. Mir ist das beruht zu stark, um die mittelbare Bedeutung der Liturgie für den Glauben zu beschreiben. Ich denke aber, daß Du in der Sache richtig liegst. Wir haben einen tiefen Sinn für das große Spiel.
Näheres zu Liturgie und Spiel habe ich in Romano Guardinis „Vom Geist der Liturgie“, im gleichnamigen Buch Benedikts XVI. und in Hugo Rahners „Der spielende Mensch“ gefunden.
Tiberius