Ich empfehle allen am aktuellen Nahost-Rabatz Interessierten ganz unbedingt die Lektüre jenes Textes von André Glucksmann, anläßlich dessen seinem Verfasser neulich von Hanimann in der FAZ so eine Art moralischer Bankrotterklärung vorgeworfen wurde: „Die Worte und der Krieg“. (Original in Le Monde)
Der Betreiber dieses Blogs gibt gerne zu, so etwas wie ein Glucksmann-Fan zu sein. Und auch hier bringt es André G. auf den Punkt, nämlich indem er sich gegen die ahnungslosen Schreihälse beider Fangruppen im Westen wendet und ihnen unter anderem vorwirft, sozusagen der Diskussionskultur der nahöstlichen Akteure hinterherzuhinken. Gut, er hätte etwas gründlicher auf die westlichen Pro-Israel-Spinner eindreschen können, aber das sind halt auch nur ein paar vernachlässigbare Lunatiker (christliche Fanatiker, Konvertiten, Moslemhasser etc. pp.)
Aus dem Artikel:
In einem Konflikt teilt sich die öffentliche Meinung in zwei Lager, nämlich die Bedingungslosen, die ein für alle Mal entschieden haben, wer Recht und wer Unrecht hat, und die Zurückhaltenden, die nach Maßgabe der jeweiligen Umstände beurteilen wollen, ob diese oder jene Aktion angemessen oder unangemessen ist, und die sich notfalls mit einem Urteil zurückhalten, bis sie über mehr Informationen verfügen.
Die Auseinandersetzungen in Gaza, wie schrecklich sie auch sein mögen, lassen allerdings eine Hoffnung aufscheinen, die allzu oft von den schockierenden Bildern überdeckt wird. Im Nahostkonflikt ist der Fanatismus der Bedingungslosen womöglich zum ersten Mal in der Minderheit. Die Diskussionen unter den Israelis (Ist es der richtige Augenblick? Bis wo? Bis wann?) verlaufen wie stets in einer Demokratie.
Die Überraschung rührt daher, dass sich eine vergleichbare Diskussion erstmals auch bei den Palästinensern und ihren Verbündeten entwickelt, und zwar vor laufenden Mikrofonen, wobei sogar noch nach Beginn der militärischen Strafaktion der Israelis der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, den Mut fand, den Bruch des Waffenstillstands durch die Hamas als Grund für das Unglück der Zivilbevölkerung in Gaza zu bezeichnen.
Die Reaktionen der weltweiten öffentlichen Meinung – Medien, Diplomaten, moralische und politische Instanzen – scheinen leider mit dieser Entwicklung der Mentalität der direkt Betroffenen nicht Schritt zu halten.
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Welches wäre denn die gerechte Proportion, die Israel wahren müsste, um das Wohlwollen der Meinungen wiederzuerlangen? Soll die israelische Armee nicht ihre technische Überlegenheit ausnutzen und sich auf dieselben Waffen beschränken wie die Hamas, auf einen Kampf mit ungenauen Grad-Raketen oder mit Steinen oder soll es gar aus eigenem Antrieb Selbstmordattentate, menschliche Bomben und bewusste Angriffe auf die Zivilbevölkerung einsetzen? Oder sollte Israel gar noch ruhig abwarten, bis die Hamas mit Hilfe von Iran und Syrien eine gleichwertige Feuerkraft erlangt hat?


Die Diskussionen über diesen Krieg und die Argumentationen der Beteiligten rufen eigentlich nur noch Kopfschütteln hervor. Für mich ist das einfach nur schrecklich jeden Tag wieder neue Verwüstungen zu sehen. Wie soll das noch enden?