Feuilleton, Religion

Weiteres Gedicht von den Gaben

Zum drittenmal heute schon Hispanidad, zum zweitenmal Borges – und nach dem giftigen Ernst nun der freundliche Klee Xul Solar. Seit vielen Jahren schon schwärme ich für das „Weitere Gedicht von den Gaben“ von JLB:

Kompletter Text des Gedichts – verlegt’s Peter Hammer zu Cölln

Dank will ich sagen dem göttlichen
Labyrinth der Wirkungen und der Ursachen
für die Verschiedenheit der Geschöpfe,
die dieses einzigartige Universum bilden,
für den Verstand, der nicht aufhören wird, eine Karte
dieses Labyrinths zu erträumen,
für das Antlitz der Helena, die Beharrlichkeit des Odysseus,

Weihevoll, würdig und unaufdringlich, wie so oft bei diesem Dichter.

Einige der Verse sind geradezu Wuchtgeschosse:

für gewisse Abende und Tage 1955,
für die harten Hirten, die in der Ebene
das Vieh und den Morgen zusammentreiben,

Mit den Abend und Tagen 1955 ist der Militärputsch gegen Perón gemeint, den Borges gehaßt hat.

für die Sprache, die vor Jahrhunderten Northumbrien sprach,
für das Schwert und die Harfe der Sachsen,
für das Meer, das eine schimmernde Wüste ist
und ein Schlüssel zu Dingen, die wir nicht kennen,
und ein Grabspruch der Wikinger,
für die Wortmusik Englands,
für die Wortmusik Deutschlands,

Und Borges kann so wunderbar Abgeklärtheit und Pathos kombinieren:

für die Gewohnheit,
die uns wiederholt und bekräftigt wie ein Spiegel,
für den Morgen, der uns die Illusion eines Anfangs beschert,
für die Nacht, ihr Dunkel und ihre Astronomie,
für den Mut und das Glück der anderen,
für das Vaterland, gespürt im Jasmin
oder in einem alten Degen,

Das ist ganz nahe an dem „kalten Pathos“ des „faschistischen Stils“, aber es ist etwas anderes.

Und vor allem der Vers, der dem zitierten Anfang folgt:

für die Liebe, die uns die anderen sehen läßt
wie die Gottheit sie sieht,

Ja, natürlich, das ist es.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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