Tatort & Polizeiruf 110
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Familienaufstellung (Lürsen; Stedefreund)

familienaufstellungTatort „Familienaufstellung“, RB 2009, Inga Lürsen (Sabine Postel), Nils Stedefreund (Oliver Mommsen)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Ehrenmorde, Zwangsehen

:-)

Sooo schlecht fand ich das trotz den teils schwer erträglichen, furchtbar plakativen Dialogen und trotz der zu breitspurigen Abhandlung des Rahmenthemas nicht… Vor allen Dingen war’s ein ziemlich spannender und dennoch durchschaubarer Fall.

(Nichts furchtbarer als Drehbuchautoren, die sich zu wichtig nehmen, die also den Zuschauer implizit auffordern, gefälligst ein bißchen besser aufzupassen, wenn sie schon die Ehre haben, zuschauen zu dürfen. Das war hier nicht der Fall.)

Wenn Stedefreund Türkischbrocken von sich gibt, wirkt das ungefähr so, wie wenn Ingenieurs-Prollos beim Italiener italienisch radebrechen oder beim Chinesen mit Stäbchen essen – man möchte vor Scham im Boden versinken. Wie er auf den Gedanken kommt, Türkisch sei eine komplizierte Sprache, das weiß Allah allein.

So, es gibt eine kleine Entschuldigung der deutschen Institution Tatort bei den Aleviten, bitte sehr.

Im Abspann wird ein „Live Chat“ beworben. Dafür funktioniert die Seite der Folge auch gerade nicht. So kann ich leider nicht ermitteln, wer den alten Delek, der was hergemacht hat, gespielt hat und welcher Schauspielerin die schönen braunen Augen der energischen lesbischen Anwältin gehören. Nachtrag: Es geht wieder. Also: Erol Sander. Die Schöne-Augen-Besitzerin ist nicht in der Besetzungsliste.

Wieso bringt das Mädchen die Anwältin am Tag vor der Hochzeit im Hochzeitskleid um? Denn eine Nadel davon war ja die entscheidende Spur…

Teils sehr schöne, warme Bilder und eine durchwegs angenehme Musik.

6 Kommentare

  1. Jep, Tobias, besten Dank! :-) Gerade habe ich nachgetragen, daß sie auch in der mittlerweile wieder funkenden Tatort-Seite nicht in der Besetzungsliste auftaucht…

  2. … da Du die Drehbuchautoren erwähnst, sei der Hinweis erlaubt, dass es zwei gleichermassen kompetente wie prominente Autoren waren diesmal: Seyran Ates und Thea Dorn … Gruss, t

  3. Da hat übrigens auch eine Exfreundin von mir als Komparsin mitgespielt… Eine der „Vertrauten der Braut“, die sie vor der abendlichen Feier ausstaffieren. Die im cremefarbenen Kleid, mit der großen Nase. ^^

    Ich persönlich fand den Tatort aber wirklich wenig überragend. Irgendwann nutzt es sich doch auch arg ab, dass bei Tatorten grundsätzlich IMMER derjenige am Ende der Täter ist, der von Anfang an so präsentiert wird, dass er es eigentlich auf gar keinen Fall gewesen sein könnte.
    Tja… Sowieso ist „Satisfation“ bisher der einzige gute Tatort, den ich je gesehen habe. Aus Gründen. ;-)

  4. Und noch ein Lob dem Drehbuch: Das Moslem-Mädchen weist daraufhin, daß es „in euren Adelsfamilien“ auch heute noch arrangierte Ehen gebe. Sehr gut.

    Was mich aber wiederum gestört hat: Die „Ehrenmords“-Sache wird einfach zu eng mit dem Islamismus assoziiert. Aber das sind zwe verschiedene Probleme. Die „Ehrenmörder“ hier sind keine Aufsteiger mit Milli-Görüs-Bezug!

  5. frei_sein

    Also zum einen würde ich sagen, daß (schon gar mit Zwang) arrangierte Ehen beim Adel ebenso selten vorkommen, wie bei andere gesellschaftlichen Gruppen, mir persönlich ist zumindest kein einziger Fall bekannt, und zum anderen zeigt sich wohl darin auch eine der Schwächen des heutigen Adels ;-)

    Ohne selbst Opfer einer arrangierten Ehe werden zu wollen, kann man wohl doch recht neutral feststellen, daß diese über Jahrhunderte hinweg wegen der sozialen und wirtschaftlichen („Liebe geht, Hektar bleibt“) Bedeutung der Ehe deren Charakter am ehesten entsprach.

    Heute ist das anders, zumal die Sozialversicherung und Scheidung die Bedeutung der Ehe als Institution ebenso reduziert haben, wie die übergenerationelle Vorstellung von Familientradition etwas ins Abseits geraten ist. Da erscheint die auf 7 Jahre geschlossene Vernunftliebesehe doch am ehesten den Erfordernissen der Zeit und den Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen.

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:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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