Nehmen wir an, ich hätte so etwa 500 Follower und so etwa 500 Followingse. Ich würde also nur noch kursorisch zur Kenntnis nehmen, was meine Followingse so schreiben. Als emotionaler Mensch würde ich dann halt irgendwann auch einmal einen Trash-Post-Anfall bekommen – eben in der Trash-Wolke mitmachen. Eine ganz verständliche Spiel-Kalbs-Reaktion, alte Gewohnheit aus dem IRC. Damit würde ich aber zwangsläufig gegenüber denjenigen, die nur mir und zehn anderen folgen, als Spinner und Nervbolzen dastehen.Habe ich was falsch verstanden? Die von mir kürzlich gelobte Möglichkeit, sich seinen eigenes netz-soziales Umfeld zu schaffen (die sich überlagernden Kreise von Kontakten) birgt also auch Risiken: Man redet in Gegenwart von zu vielen unwichtigen Leuten und übergeht und verschreckt damit die wenigen wichtigen und interessanten. Man glaubt, zu vielen Idioten zu reden (wie gesagt: das mache ich auch gerne), vergißt aber, daß man sich gegenüber einigen wenigen Nicht-Idioten seinerseits selbst als Idiot präsentiert. Eben weil sich jeder (Du, ich, alle) dieses „in Gegenwart von“ selbst definieren kann.
Das Ganze hat also eine zwangsläufige Tendenz zum Massenansturm. Und da möchte ich halt nicht mitmachen… Harki ist und bleibt halt ein Sortierer und Möchtegern-Kontrollfreak. ;)
Ich meine wirklich, daß man Twitter nicht mit einem belebten IRC verwechseln sollte, auch wenn es sich so anfühlt. Es gibt da eben kein Ganzes, keine „Community“, wie in einem Forum oder im Chat, sondern nur eine Öffentlichkeit, die sich jeder selbst schafft.
Kurz und gut: Man weiß nie, wer einem wie zuhört. Vorsicht, mithin. :)
Ergänzung
Folge-Politik, Extrem 1
Man folgt wahllos möglichst vielen Leuten, in der meist berechtigten Hoffnung, daß einem dann auch einige davon folgen werden. Ergebnis: viele Follower, namentlich auch solche, die vielen anderen folgen. Der Twitter wird für einen selbst praktisch wertlos. (Oder gibt es Klienten, mit denen man Followingse „ausblenden“ kann?) Man selbst wird mithin ebenfalls uninteressant, da man den Twitter nur zum Spammen (freudlicher ausgedrückt: zum Verbreiten von Informationen), nicht aber zu Kommunikation nutzt.
Folge-Politik, Extrem 2
Man folgt grundsätzlich nur Leuten, die oder deren Äußerungen einen interessieren und hält auch seine Follower so gut es geht spammerfrei. Prominente werden einen selten nur interessieren, da sie selten gute Twitterer sind.
Alle möglichen Misch- und Zwischenformen sind denkbar. Was ich hier im Moment mache, ist ziemlich nahe an Extrem 2. Ob’s das bringt, weiß ich freilich auch noch nicht.
Keine Yoko Ono
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