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Die Feldlager (Ergänzung: Digitalkanaken)

murtenIch habe noch einmal über den heute in der Blogosphäre und im Twitter zu Recht bejubelten, großartigen SpOn-Artikel von Christian Stöcker nachgedacht. Ich meine, daß die einzige kleine Schwäche des Artikels die von ihm unterstellte Altergrenze von 35 ist, die er aber ja auch selbst „willkürlich“ nennt.

Abgesehen von der Tatsache, daß die Leute, die als Kinder mit dem C64 angefangen haben, heute vierzig sind, gibt es einfach zu viele fitte Alte und zu viele dumme Junge, als daß eine Alt-Jung-Unterteilung mehr sein könnte als ein ganz ungefährer Anhaltspunkt.

Es gibt auch genug Obrigkeitliche mit Goatie. :übel: (Wie frei_sein mal im k2 aufgefallen war…)

Ein Versuch einer Heerschau der Lager in den „Neuen Burgunderkriegen“, von deren Schlachten wir in letzter Zeit einige gesehen haben – oder gar daran teilgenommen haben:

Wir („die Eidgenossen“):

  • Die Blogger
  • Die Twitterer
  • Das Designer-Volk
  • Die Freelancer
  • Die Bohème digitale
  • Die Linux- und Mac-Kinder
  • Die ITler
  • Die OS-, OA- und CC-Fans
  • Die Leute, für die das Netz ein Selbstverständlichkeit und keine irgendwie bedrohliche Räuberhöhle ist.
  • Google, auch wenn gerade dieser Kanton einigen sehr unsympathisch ist.
  • Leitmedien: Heise, SpOn, neuerdings Der Freitag.

Sie („die Burgunder“):

  • Die Obrigkeit
  • Die Reglementierer
  • Die Euro- und Bürokraten
  • Die verfetteten Ver.di-Typen
  • Die Musikindustrie
  • Die von dieser angespitzen Musiker – eigentlich gutmütige Leute, aber mit wenig Ahnung von der Materie und von eher ängstlichem Charakter.
  • Einige Verlage
  • Die von diesen angespitzten Schreiber („Heidelberger Appell“), zur Charakterisierung siehe sub voce „Musiker“.
  • Geistesaristokratische Intellektuelle
  • Die „Schützer“ – Leute, die gerne ungefragt andere Leute vor etwas schützen, am besten vor sich selbst.
  • Die, die immer noch nicht ganz wissen, was es mit diesem Internet nun eigentlich so auf sich hat.
  • Leitmedien: Diverse Behörden- und Verbands-Publikationen, Börsenblätter, die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Qualitätszeitung.

Und wenn mir jetzt jemand vorwerfen sollte, daß ich „unsere“ Kampfkraft überschätze, dann sage ich ihm: Ich bin auch von Selbstzweifeln geplagt. Wirklich. Immerhin, die Zensursula-Aktion war schon fein. Sie saß.

Ergänzung

Zugegeben, erst jetzt wird mir die Brisanz einer wunderbaren Formulierung Stöckers klar. Nämlich die von den „digitalen Immigranten“, von denen wir hier regiert werden:

Von Menschen, die immer noch stolz auf die eigene Fähigkeit sind, SMS zu verschicken. Von digitalen Immigranten eben.

[...]

Die einen, die digitalen Immigranten, machen Politik für die anderen, die in einer vom Digitalen durchdrungenen Welt leben. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen.

Im besten „Kiezdeutsch“ werden wir also von Digitalkanaken regiert. Das ist zugegebenermaßen ein bißchen kräftiger und plastischer als mein Herumreiten auf den Burgunderkriegen…

Bilderwechsel, mithin… Die Schweiz war halt immer auch schon so ein bißchen das „Herz der Finsternis“… Aber eben auch immer hübsch modern. ;-)

Bildquelle: lapideo, CC

2 Kommentare

  1. RF Meyer

    Schöne Aufzählungen, weiß nur noch nicht recht, wo ich mich einordnen möchte unter den Bündnisteilnehmern.
    Nur, und da würde ich doch großen Wert drauf legen, ist das nicht der einzige Punkt (süße Metapher, hört sich so niedlich an), von dem die „Burgunder“ keine Ahnung haben: spontan fällt mir ein gewisser zuständiger Minister ein, der ein paar Wochen, ehe die Finanzkrise Deutschland für jeden offensichtlich erreichte, allen Ernstes meinte, sie sei auf die USA beschränkt. (Und die Ex-Politiker-Landesbänker, und… gehören hier mit rein.)
    Bei der Perspektive – nämlich, daß die Herrschenden, die mehr Informationen haben sollten als wir, mindestens (und das ist schon ein Euphemismus) ebenso wenig durchblicken wie ich oder Du – da wird mir speiübel.

  2. Eben. Und nicht nur die Herrschenden, auch die Journalisten verlieren nun eben immer mehr ihren Informationsvorsprung…

    Was anderes: Ich lege Wert auf die Feststellung, daß mir bekannt ist, daß die Burgunderkriege politisch keine simple Auseinandersetzung zwischen der Schweiz und Burgund waren. Daß das nämlich außerdem noch Frankreich und Habsburg (und andere, sogar Neuss) mitgespielt haben. Aber die Schweizer machen halt die Hand- und Fußarbeit…

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