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„Kindersicherung für alle“

kindersicherungAus der Fülle der heutigen Artikel zum Thema „Zensurmaßnahmen im Internet“ (der PT hat uns orientiert) empfehle ich ausdrücklich den ganz exzellenten taz-Artikel „Kindersicherung für alle“ von David Fischer-Kerli. Die Kernthese: „Kinderschutz“ als Vorwand zu immer weiterer Gängelung und Rundumbetreuung des Bürgers und zur Sinisierung des Internets.

Das ist nicht neu, aber mit gefällt, mit welcher Deutlichkeit der Autor darüber hinaus die Sedierung, Hygienisierung und Sozialpädagogisierung der Gesellschaft, auch das alles erstickende Sicherheitsdenken, angreift.

Aus Zeitgründen verkneife ich mir hier einen Brückenschlags-Versuch zum Thema „Online-Feigheit“ und „Anonymität im Internet“, kommt vielleicht heute abend.

Wirklich, der Artikel von Fischer-Kerli verknüpft sehr schön Aussagen zu einigen Kernübeln unserer Tage. Auszüge:

Mit Kindern lässt sich alles verkaufen. Beispielsweise der Einstieg in ein nach chinesischem Vorbild verstümmeltes Internet. Für die Bekämpfung der Kinderpornografie sind Internetsperren größtenteils wirkungslos. Wirkung erzielen solche Maßnahmen hingegen auf die grundsätzliche Akzeptanz von Zensur. Ob Internetseiten mit rechtsradikalen Inhalten, illegalem Glücksspiel oder Raubkopien, immer wieder fordern Politiker und Lobbyisten Verbote. Und Ursula von der Leyens strahlende Kindergesichter sind immer in der Nähe.

Exzessiv bemüht wurde das Kinderargument in der Diskussion um Rauchverbote: Jede Absturzkneipe soll „rauchfrei“ sein, damit Kinder sie gefahrlos betreten können, jedes Privatauto, in dem Kinder mitfahren könnten, und auch die Medien müssen gesäubert werden, denn „Rauchen im Film ist ein Risikofaktor für den Beginn des Rauchens bei Kindern und Jugendlichen“ (Sabine Bätzing).

Die Reglementierung des Verhaltens von Erwachsenen, die Einschränkung ihrer Freiheiten und Privatsphäre wird in der Politik mit dem „Schutz von Kindern und Jugendlichen“ begründet. Sie bedeutet aber mehr: Die unmündigen Schutzbedürftigen, um die es geht, sind nicht die Kinder. Es sind die Erwachsenen: die Kinder des Staates.

Eine Gesellschaft, in der die Privatsphäre tendenziell aufgehoben ist, in der potenziell jede Handlung und sogar der Körper des Einzelnen in den Bereich obrigkeitlicher Verfügungsgewalt fällt, erinnert an das chinesische Modell. Sie erinnert aber auch an einen Kindergarten, in dem man es nicht mit selbstbestimmten Individuen zu tun hat, sondern mit Schützlingen, die erzogen, umsorgt und bewacht werden müssen: gesund, sicher, sauber.

Und wenn er noch was zum Thema „Schußwaffenkontrolle“ gesagt hätte, wär’s perfekt gewesen. ;-)

Antworten

:-) :-( ;-) :-D :übel: mehr »

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