Der ist heute, und damit basta. Vorhin haben sie im Bundestag eine „Gedenkstunde“ an den Volksaufstand abgehalten, so ließ es sich dem Twitter der nennenswerten Julia Klöckner entnehmen. Aber Gedenkstunden aus diesem Anlaß bringen’s eben nicht, und der 3. Oktober bringst schon mal gar nicht.
Der 3. Oktober ist ein mausgrauer Bürokratenfeiertag. Da ist mal irgendwas „in Kraft getreten“ – ganz furchbar. Außerdem ist er im Oktober, also in der Niesel- und Hustenzeit. Indiskutabel.
Der 17. Juni, das ist zuallererst ein Aufstand. Das ist sehr wichtig. Die Historiker müssen das genauer aufdröseln, für die Feierlichkeiten sind die historischen Abläufe nachrangig. Am 14. Juli 1789 sind auch nur ein paar Geistesschwache befreit worden, wen kümmert’s? Bloß keine Besinnungstraktätchen.
Ein Volksaufstand also. Hinaus auf die Straßen mit wehenden schwarzrotgoldenen Fahnen, herunter mit den Bonzenbildern, Barrikaden, Steine gegen die verhaßte Obrigkeit und gegen die verfluchten Besatzer, der Mut der Verzweiflung. „Fryheyt!“ Wunderbar, daraus macht man einen fröhlichen, schneidigen Nationalfeiertag. Es geht hier um die Ikonographie und um die Symbolik, nicht um historische Analyse; wohl um ein Gedenken, aber um ein bewußt unscharfes, idealisierendes Gedenken.
Und dann ist das mitten im Juni, fast zur Sommersonnenwende! Besser hätte man es nicht treffen können. Zwischen Picknicks, Würstchenbuden und Militärparaden ist alles drin.


Absolute Zustimmung! Der 17. Juni eignet sich viel besser als der dröge 3. Oktober. Aber mit dem 9. November könnte ich auch leben. Ach nee, da ist wahrscheinlich zuviel historischer „Ballast“ ob daraus ein Feiertag zu machen …
Also, da Deutsche halt immer irgendwie Deutsche bleiben werden (Gott sei Dank… obwohl ich ihnen ja gerade mal wieder vorgeschlagen hatte, Franzosen zu werden
), können sie dann alle Turbo-Besinnlichkeiten und Gedenkstunden ja auf den 9. November verlegen. Am besten auch als offzieller Feiertag: „Tag der deutschen Besonderkeiten“, vielleicht.
Am Nationalfeiertag aber möchte ich bitte feiern, und zwar heute.
„Tag der deutschen Besonderheiten“
!
Bester Amyklai-Eintrag ever!
Mit diesem staubtrockenen 3. Oktober als Feiertag habe ich mich noch nie anfreunden können. Den 17. Juni als Alternative finde ich tatsächlich symbolisch viel passender. Und ja, feiern im (Beinah-)Sommer macht eindeutig mehr Spaß
Jeder Staat braucht Symbole und Rituale, die den Bürgern Identifikationsmöglichkeiten anbieten. Die Bundesrepublik allerdings verzettelt sich in Halbherzigkeiten und falscher Bescheidenheit, finde ich.
Mich interessieren diese ganzen Feiertage überhaupt nicht, das ist doch bestensfalls nur Opium fürs Volk. Wenn ich einer Sache gedenken will brauch ich dazu keine aufdoktrinierten Rituale…