Ich kann’s mir nicht verkneifen, der Haß-Umfrage von gestern eine weitere nachzuschieben. Exakt die gleichen Jahre konnte ich dabei nicht verwenden, Überschneidungen hingegen gibt es schon. (Das ganze hat hoffentlich so erkennbar Spielcharakter, daß ich mir auch hier längliche Erklärungen zu den einzelnen Jahren meine sparen zu können.)
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Nun als Zweitwähler:
Angekreuzt habe ich. Und zwar 955 und 1492 (als Lutheraner klarer Fall).
Spiel hin, Spiel her: Zu 1914 und 1940 (‚37? ‚38? ‚39?) konnte ich mich nicht durchringen. Nicht, daß dem moralische Erwägungen zugrunde lägen. – Nein. Einfach so auf dem Zettel seinen eigenen Tod anzukreuzen? Das fällt mir bei allem Bellizismus dann doch schwer. Aber hätte man zu dieser Zeit gelebt und wäre im wehrfähigen Alter gewesen, sehe ich es auch ex post als MEINE Pflicht an, dann zu kämpfen. Alles in Allem bin ich hin- und hergerissen. Würde ich jetzt nochmal wählen, sähe es wohl anders aus. Der Wille sich dem zu stellen, dominiert.
Dann fehlen mir ganz klar 1864, 1866, 1871. Aber hier stellt sich die gleiche Problematik, wie zum 20. Jh.
Wie sagte Patton im gleichnamigen Film: „God! What do I hate the 20st century!“
Aber ich will mal das Mittelalter nicht verklären. Dann hätte man eben um Münster gekämpft. Ob das besser war?
Das Leben ist nunmal Kampf. Macht die tiefe innere Anerkennung dieses Satzes nicht einen Menschen konsequenter Weise zu einen Rechten? Wäre eine Welt ohne existentialistische Herausforderungen überhaupt wünschenswert? Ist die ganze menschliche Schöpfung oder Auslese nicht auf diesem Prinzip basiert? Ist nicht jede Generation (Männer) hoffnungslos unnatürlich domestiziert? Jeder Hund hat doch mehr artgerechte Haltung. Oder nicht?
Also Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
Nur kurz (in Eile)
Warum nicht:
1864 – schien mir zu unwichtig, es sollten eben nicht sooo viele Jahre werden…
1866 – kann man einem Hannoveraner nicht zumuten.
1871 – Der durchschnittliche Amyklai-Leser wäre eh nicht in den Spiegelsaal gekommen.
Aber aber! Wer ist denn Korpsstudent gewesen? (Ich nicht!) Feiert nicht dennoch ein jeder brav den 18. Januar als Urtag der Deutschen Einheit? Mit Flaggehissen, gemeinsamen Spaziergang zur nächsten Bismarcksäule? Was ist des Deutschen Vaterland auf den Lippen? Aber dabeigewesen wäre ich dennoch gerne. Bismarck soll ja weder weiß gewandet gewesen sein, noch generell im Zentrum gestanden haben. Warum auch? Naja euch Hannoveranern verdanken die Deutschen ja die fast ganze deutsche Einheit. Mit den Mitteln aus dem Reptilienfonds wurde der Bayerische König bestochen, der dann aus neuschwansteinischen Gründen auch endlich die Krone antrug.
Nein. Wir Amyklai-Leser wären wohl nur am Rande dabeigewesen. Als „Besatzer“ hätten wir uns im Januar den Podex abgefroren, während die Herrschaften in der Etappe feierten. Aber Freude hätten wir schon empfunden. Und das Kribbeln, was denn ein Deutsches Reich alles so Neues mit sich bringen werde. Aber daß im Schlosse zu Versailles nun der Grundstein zu zwei verheerenden Weltkriegen gelegt wurde, konnte sich damals (außer einem – dem einem!) keiner vorstellen. Und deswegen gibt es auch keine Sonntagsspaziergänge zu den Bismarcksäulen mehr. Übrigens die Hohenzollern waren die einzigen Monarchen, die die Kaiserkrone nicht wollten. Das unterscheidet sie von den Welfen ganz maßgeblich.
Gruß ins ehemalige Königreich Hannover!
Ich finde, es ehrt dieses Blog, daß überdurchschnittlich viele Leser gerne in den „tollen Jahre“ 1848 und 1968 dabeigewesen wären. Hatte ich auch angehakt.
Ferner natürlich noch 1789. Und die Stimme für 1525 ist von mir: Klöster plündern!
(Außerdem habe ich aber auch nicht der Versuchung widerstehen können, 1914 dabeigewesen sein zu wollen, auch wenn man da in der Tat den eigenen Tod ankreuzt. *klick*
)
Nee, 1848 und 1968. Nee. Die waren ja langweilig, weil risikolos. Nicht hingegen 1849 ff.
Aber 1789? Interessant? Aber als was? Darf man sich das auch aussuchen? Als Girondist? Jakobiner. Als Robbespierre höchstselbst? Oder gar als zukünftig Dekonstruierter? Beobachter? Spannend wäre es gewesen. Nur nicht risikolos.
Und zu 1525. Ohne zu zögern: Na klar. Im schwarzen Haufen rote Hähne auf Klösterdächer setzen? Auf gehts. Leider wäre das Ende auch absehbar.
Was denn nun? Totgeschossen werden willst Du nicht, aber ganz risikolos soll’s auch nicht sein?
Generell: Ich habe nur die Epochenjahre angeführt, die man halt kennt… Mir ist also z.B. schon klar, daß viel, was heute unter „1968″ subsumiert wird, tatsächlich 1967 passiert ist… Und eben 1849 auch noch eine ganze Menge.
Ja, man könnte vielleicht fast von Ikonen-Jahren sprechen.
Es ist wie mit dem Bergsteigen. Wenn es risikolos ist, ist es langweilig. Aber trotzdem nimmt man immer schön Seile, Gurt und Klemmis mit.
Man muß die Möglichkeit haben, aus eigener Kraft eine gefährliche Situation zu meistern. Soviel zu meiner Ausrede.
Friedliche Jahre weiß man erst zu schätzen, wenn man das Gegenteil erlebt hat.
Und umgekehrt? Grüße an Ernst Jünger. Daher also unsere Vorliebe für die actionsreichen Jahre.
Die Ausrede ist schon recht…
Sicher.
Und der (angeblich) alte chinesische Fluch für böse Feinde ist wohl auch bekannt: „Mögest Du in interessanten Zeiten leben.“
HALLO! Nein, den kannte ich nicht.
Aber Widerspricht das nicht der Tatsache, daß im chinesischen (angeblich) ein Wort die Bedeutung Krise und Chance zugleich enthält? Zumindest ein Widerspruch auf der sinologischen Metaebene? Vielleicht. – Auch nicht.
Aber mir gefällt er. Aber in meinem westlich-egoistischem Sinne werde ich diesen Fluch nicht auf zu verfluchende Gestalten sprechen, sondern mir wünschen, jemand möge mich damit belegen – besser meine weitere Umwelt (damit ich noch schön die Entscheidung im Sinne der obigen Ausrede habe), damit die Krise/Chance mal endlich kommt. In der Weltpolitik ist diese Situation wohl schon längst anerkannt (seit 10.000 Jahren vermute ich; nur zwischdurch mal vergessen), aber wohl bis in unsere Vorgärten und Lofts noch nicht durchgedrungen. Oder hast Du schon Sandsäcke bereit liegen?
Also, da Du ja ‚48/‘49 und ‚68 sowie 1525 angekreuzt hattest: Mögen wir in interessanten Zeiten leben! Im besten Sinne!