Auf Deutschland-Radio hatten sie vorhin den Literaturwissenschaftler Peter-André Alt im Interview – der Text des Interviews ist (noch?) nicht online, wohl aber die ihm zugrunde liegende Rezension eines Buches von Alt: „Kafkas Kopfkino“. Für Experten ist das alles vielleicht nicht besonders spannend (zumal das Buch anscheinend letztlich auf einer zwölf Jahre alten Studie eines andere Germanisten fußt), ich fand das aber sehr interessant.
Es geht darum, inwiefern das Werk Kafkas (Romane und Briefe) vom gerade aufkommenden Kino (und das heißt natürlich zunächst einmal nicht „große“ 90-Minuten-Filme, sondern kurze Slapsticks und Mini-Schnulzen) beeinflußt war. Es sei, so die Aussage, Kafka sei im Kino gewesen.
Erst die neuere Kafka-Forschung hat begonnen, sich für das erstaunliche Phänomen des „Kinogehers“ Kafka zu interessieren und daraus neue Einsichten über seine Wahrnehmung zu gewinnen. Eine vor zwölf Jahren veröffentlichte Studie des Schauspielers und Literaturkenners Hanns Zischler verglich beispielsweise Kafkas Tagebucheinträge und Briefe mit den Spuren der Filmprogramme in den Kinos an seinen jeweiligen Aufenthaltsorten und rekonstruierte liebevoll, welche Melodramen, Detektiv- und Slapstickfilme den Schriftsteller in seiner Heimatstadt und auf Reisen beeindruckt haben mögen.
Der Literaturwissenschaftler Peter-André Alt, der im vergangenen Jahr bereits die Kafka-Biografie „Der ewige Sohn“ veröffentlichte, greift Hanns Zischlers verdienstvolles Buch „Kafka geht ins Kino“ nun in einer eigenen Studie auf.
Alts Buch „Kafka und der Film“ interessiert sich dabei nur am Rande für eine mögliche Korrektur des überkommenen Kafka-Bildes, es bezieht sich auf sein Werk, indem es verdeutlicht, dass die Phantasmen, das Dunkle und Unzugängliche seiner Romane und Erzählungen gerade nicht aus einer radikalen Abgrenzung vom Leben seiner Epoche entstanden sind.



„Mich allein“

