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Monatsarchiv für Oktober 2007

Intervalle – Reprise I

IntervalleHeute abend gegen sieben einmal wieder ein Versuch, die Sache mit den Intervallen ein bißchen anzureizen. Mache das gelegentlich mal, wenn ich übermütig bin, wollte aber heute einmal sehen, wie weit man das treiben kann.

Nun, man wird nicht jünger und durch Schlunzigkeit nicht besser, wer hätt’s gedacht?

Auf der normalen täglichen/nächtlichen Strecke von sieben Kilometern mit einem Tempo von vielleicht vier Minuten dreißig auf den Kilometer folgendes: fünfzig Meter schärfster Sprint, dann hundertfünfzig Meter Normaltempo. Und so weiter.

Nach vier Zyklen war Schluß, und zwar definitiv. Es ist immer noch ganz unglaublich, wie das reinhaut. Nach einem Kilometer Normaltempo ist man dann wieder ganz bei sich.

Aufbruch in die Dunkelheit

epoundSeit langen, langen Jahren mag ich den Anfang des Ersten Cantos von Ezra Pound sehr. Leider finde ich den Band mit der meisterlichen Übersetzung von Eva Hesse nicht im Regal, sodaß ich die deutsche Fassung aus dem Gedächtnis rekonstruieren muß. Lapsus in der Übersetzung gehen in jedem Fall auf meine Kappe.

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Satisfaktion (Thiel; Boerne)

tatort_satisfaktion.jpg„Satisfaktion“, WDR, 2007, Frank Thiel (Axel Prahl), Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Studentenverbindungen

:-|

Preisfrage: Wer kann mir eine Rezension eines Thiel-Boerne-Tatorts zeigen, in der das Verb „nerven“ oder eine Ableitung davon nicht vorkommt?

Nun, die Kabbeleien zwischen den beiden fand ich diesmal deutlich wenig nervtötend als beim letzten Mal, auch die Gags waren nicht ganz so schlimm, wenn man von einigen ganz furchtbaren Ausreißern nach unten („Sein oder nicht sein“ mit dem Totenschädel in der Hand, das mit dem Vormärz = Februar) absieht.

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Jour gris

GrauHeute war sicherlich der graueste Tag seit Gott den Menschen das RGB-Farbschema erfinden lies. Alle Farbwerte die gleichen, vom frühen Morgen bis zum Abend. Und meistens waren sie auch recht niedrig, die Werte.

In den Gärten war das sogar sehr schön. Leichter Dunst in den gelben und zerfledderten Baumkronen; kühl, sehr humid und still. Wir haben mehrere Leute fotografieren gesehen, mit gutem Grund.

Nun, als Läufer hat man gerade für diese besonderen Stimmung keine rechte Sensorik, man ist ein Fremdkörper, ein Ruhestörer. Zu krachender Kälte und zu Gluthitze paßt ein Läufer, auch zu Wind, nicht aber zu einem Klima, in dem die Farben und die Dinge verschmelzen. Man läuft da durch etwas hindurch, etwas zieht an einem vorbei wie ein Film, man ist kein Teil des Ganzen.

Gestern ist mir sehr deutlich geworden, namentlich auch im Forum – in den Strängen und abends im Chat – in welchem Maß ich in den letzten Jahren von rechts nach links, nun, zumindest in die betreffende Richtung, irgendwie in Richtung Mitte, gedriftet bin. Was soll man davon halten? Es ist bestimmt nicht nur ein Reifungsprozeß, dafür bin ich zu alt, es ist eher ein gewisser Überdruß an der Online-Schreiberei.

Nachtrag: Wie armselig sind im Grunde „Tags“.

Ein spätes Mädchen (ARD)

fme_spaetes_maedchen.jpgEin sehr erträglicher bis erfreulicher Fernsehfilm. In der FAZ wurde das heute (Feuilleton, S. 46) sehr gelobt, wobei sich die Rezensentin unausgesetzt in der Pflicht sieht zu erläutert, warum es eben doch kein „Kitschdrama“ sei. Wir haben diese Bedenken nicht und müssen daher auch nicht mit einer „schauspielerischen Tour de Force der Hauptdarsteller“ argumentieren. Ich fand Fritzi Haberlands Mimik herausragend, nicht aber ihre Sprechweise – ich konnte der Stimme einfach recht wenig abgewinnen. (Wie kann übrigens ein Mädchen „Fritzi“ heißen?)Die FAZ-Autorin meint, der Hauptdarsteller sehe aus „wie ein George-Favorit“. Das fand ich nicht… Das Gesicht wirkt auf mich polnisch, aus meinem Munde ein Lob. Na, daß Felix aus einem ganz anderen Kosmos kommt als Henriette, merkt man gleich daran, wie er seine Kippe hält.

Man hätte mehr auf reaktionären Radikal-Schick setzen sollen – das Dutt am Anfang, wie es in meiner Kindheit die alten Frauen getragen haben, hat gewiß Zukunft. So etwas wie Julia Timoschenkos Frisur in der Ukraine werden wir hier auch noch zu sehen bekommen, vermute ich. Immerhin: Henriette fängt an zu rauchen, und das wird als Positivum präsentiert. Gut so.

Was heißt da eigentlich „spätes Mädchen“? Die war doch maximal fünfundzwanzig…

Die Szenen mit der Hundescheiße waren dermaßen unappetitlich, daß sie mir fast den Spaß an diesem hübschen Film verdorben hätten. Und man hätte den Mut zu einem ansatzweisen Happy-End haben sollen, würde ich sagen.

Aber vor allem: Mein Lieblings-Ohrwurm „Le vent nous portera“ von Noir Désir wird angespielt! :-)

(Eigentlich paßte dieser Beitrag besser auf k2 als hierher, aber nun habe ich mal hier angefangen zu tippen.)

Der Löwe von Münster

Ein Bild auf flickr

Wie auf Konjunktiv 2 erwähnt, wurden heute in der FAZ zwei neue Sammelbände über Bischof Clemens August Graf von Galen rezensiert. Ich habe mir einfach nicht verkneifen können, die Illustration zu der Rezension auf den Scanner zu packen. Gemälde von Wilhelm Lautenbach, Stadtmuseum Münster/Westfalen.

Der Traum von der Au (Batic; Leitmayr)

tatort_der_traum_von_der_au.jpg„Der Traum von der Au“, BR, 2007, Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), Ivo Batic (Miroslav Nemec)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Immobilien

Hm. In der FAZ wurde das verhalten freundlich rezensiert, der Autor hat sich an den teils grenzwertigen Exaltiertheiten der Milieustudien und an den Karikaturen von Stereotypen (mittelalterliche Nyphomanin, Wohlstandsschnösel) gestört.

Ich habe das auch so empfunden, eher noch negativer, einige Sachen, gerade auch einige Gags, sind mir sehr auf die Nerven gegangen. Ich möchte mich aber heute abend für befangen erklären. Bin in schlechter Form und war auch nicht ganz bei der Sache – und möchte nichts niedermachen. Außerdem habe ich mich schon so oft Lahmarsch-Tatorte aufgeregt und werde daher den Teufel tun, mich über ein mögliches Zuviel des Guten zu beklagen.

Teilweise hatte ich – wieder einmal – einige Schwierigkeiten, den bairischen Dialekt zu verstehen. Hm, nicht so schlimm, man hört das immerhin gerne. Wunderbar die Rolle der Gerti (Johanna Bittenbinder). Der V-förmige Haaransatz der Immobilienmaklerin Inga Uhl (Tina Bordihn) war eine weitere Zierde dieser Folge.

So, Carlo hört auf. Schade, war immer sehenswert.

Mord in Herrenhausen

Mord in HerrenhausenDas ist der Titel eines Artikels von Jens Hauschke in der hiesigen Lokalzeitung vom Donnerstag (HAZ, Nr. 243 v. 18.10.2007, S. 21).

Wie schon berichtet wird der nächste Lindholm-Tatort wieder in Hannover gedreht und hier spielen. Es wird um einen Mord in einer Kleingartenkolonie gehen. Arbeitstitel: „Erntedank“, die Folge soll im Schrebermilieu spielen.

Und zwar wurde in der Kleingartenkolonie neben dem Berggarten (A) gedreht, keine 500 m von hier entfernt. (Mitbekommen hatte ich davon übrigens nichts.) Das ist auch nur einen Steinwurf von den Häusern (B) entfernt, in die Charlotte vor zwei Jahren mit ihrem dann in einer der peinlichsten Tatortszenen seit Menschengedenken ums Leben gekommenen Tobias einziehen sollte. Irgend jemand aus der Crew scheint hier Drähte in die Gegend hier zu haben.

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Lili Marleen

Lale-Andersen-Denkmal auf LangeoogMerkwürdig, daß einer der populärsten deutschen Schlager aller Zeiten einen völlig undurchsichtigen, rästelhaften Text hat.

Die Frage, wer denn eigentlich die Lili Marleen gewesen sein soll, der die Verliebten da nacheifern wollen, ist hier gar nicht so erheblich – diese lyrische Rätselhaftigkeit wird auch einem Schlager ohne weiteres zubilligen können. Aber dann heißt es auf einmal „Mit dir Lili Marleen“. Sie ist also nicht nur eine Person, an die man sich erinnert, sondern sie ist gegenwärtig.

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Eine Leiche zuviel (Thiel; Börne)

tatort_eine_leiche_zuviel.jpg„Eine Leiche zuviel“, WDR, 2004, Frank Thiel (Axel Prahl), Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers)

Wiederholung im MDR-Fernsehen – Erstaustrahlung: 5. Dezember 2004

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Mediziner-Klüngel, gefakte Forschungsberichte

:roll:

Woran liegt’s, daß einem Münster-Tatorte nun auf die Nerven gehen? „Ruhe sanft“ war furchtbar, aber in dem Fall konnte man noch mutmaßen, daß einfach ein bewährtes Konzept überzogen wurde, daß sich die Sache überlebt habe und daß daher nun nahezu unvermeidlicherweise versucht werde, sie durch Überreizung des alten Erfolgsrezepts am Leben zu erhalten. Aber auch eine von den alten Folgen nervt nun. Oder lag’s daran, daß man nicht mehr von Liefers „politischem Engagement“ absehen kann, wenn man das sieht? Oder habe ich einfach zuviel davon gesehen?

Es ist wohl letzteres: Wer immer und überall witzig sein will, ist ebenso schwer erträglich wie einer, der es nie ist.

Plädoyer für ein Verbot von Fahrradhelmen

Eier

Hiermit rege ich an, daß die Obrigkeit auf das Tragen von Fahrradhelmen auf öffentlichen Straßen verbieten möge.

Die Statistiken, die belegen sollen, daß sich durch das Tragen von Fahrradhelmen schwere Kopfverletzungen verhindern ließen, sind ganz offensichtlich gefälscht. Wir haben die Hälfte unserer Kindheit auf dem Fahrradsattel verbracht – das war in den Siebziger Jahren so üblich. Nie hätte man gehört, daß dabei jemand einen ernsthaften Unfall gehabt hätte. (Jedenfalls keinen, bei dem ihm ein Helm geholfen hätte.) Wenn die Statistiken stimmten, warum sollten dann nicht auch Fußgänger einen Helm tragen? Auch als Fußgänger kann man sich ja doch den Kopf stoßen oder auf den Kopf fallen. Warum sollte man nicht geradezu immer einen Helm tragen? Nun, schon seit Jahren sieht man immer wieder Kinder gesehen, die beim auch beim Rollerfahren einen Helm tragen.

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