Monatsarchiv für Oktober 2007

Der Göttersturm-Bund

Yukio Mishima

Das ist der Titel eines sehr merkwürdigen Stücks Literatur, nämlich eines historisch-politischen Traktats, den Yukio Mishima in seinen Roman „Unter dem Sturmgott“, den zweiten Band der Tetralogie „Das Meer der Fruchtbarkeit“, einbaut.

Der Roman spielt in den frühen dreißiger Jahren vor dem Hintergrund des japanischen Hochmilitarismus. „Und überall wurden die linken Lehrer verhaftet.“

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65 Jahre UPA

Wir lesen in letzter Zeit zu wenig… Erst durch einen ziemlich obskuren Fernseh-Nachrichten-Bericht bin ich darauf aufmerksam geworden, daß sich in diesen Tagen die Gründung der UPA, der Ukrainischen Aufständischen Armee, zum 65. Male jährt. Das ist gewiß zumindest eine Notiz wert. Diese jugendlich-idealistische Organisation hat immerhin dafür gesorgt, daß weite Teile der Westukraine noch in den frühern 50er Jahren für sowjetische Soldaten No-Go-Areas waren.

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Unter uns (Sänger; Dellwo)

tatort_unter_uns.jpg„Unter uns“, HR, 2007, Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki), Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Kindesmißhandlung und diverse andere soziale Verfallserscheinungen in Charlotte Sängers und Fritz Dellwos Nachbarschaft

:-/

Nach der Gelb-Bombe vom letzten Sonntag nun alles in Blau. Bitte sehr.

Man hat sich das erstaunlicherweise doch mit einiger Spannung bis zum Schluß angesehen, wenn diese Spannung auch im wesentlichen auf der Neugierde beruhte, was es denn nun mit dem geheimnisvollen Mädchen auf sich habe.

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Salto rückwärts

janklaas.de

Mein altes Weblog auf meiner dringend überarbeitungsbedürftigen Site janklaas.de liegt seit langer Zeit schon brach. Ich habe Anfang 2005 aufgehört, es zu führen – irgendwann habe ich dann die Kommentarfunktion abgeschaltet, weil meine selbstgeschriebenen Skripte keinen Spamschutz hatten.

Es ist ein Datenfriedhof.

Auf diesem Friedhof liegen jedoch einige schöne Leichen – Scheintote, die wachgeküßt zu werden verdienen. Ich werde daher demnächst dort die obsoleten Sachen löschen und die Texte, die mir noch wichtig sind, in überarbeiteter Form hier veröffentlichen. Texte mit Kommentaren bleiben jedoch in jedem Fall dort stehen.

Zusammen laufen

Zusammen laufen

Nach nun mehr als sieben Jahren Lauferei und mindestens 9200 Kilometern (vermutlich deutlich mehr) ist es mir heute abend zum erstenmal geschehen, daß ich nicht allein, sondern mit jemandem zusammen gelaufen bin. Man denke.

Das kam so: Ich habe einen lieben Bekannten getroffen, den ich vom Laufen kannte und mit dem ich mich früher immer wieder einmal nett unterhalten habe, ohne daß es doch eine richtige Freundschaft geworden wäre – zumal er dann zunächst für zwei Jahre ins Ausland gegangen ist und nun in der Gegend von Frankfurt lebt. Nun war ist er gerade bei seinen Eltern zu Besuch.

Da gab es nun einiges zu beratschern, und vor allem galt es, Sorge zu tragen, den Kontakt nicht wieder abreißen zu lassen – daher sind wir dann 5 km nebeneinander hergelaufen und haben geratschert und Sorge getragen. Man sieht das so oft, aber für mich (und auch für ihn) war das etwas ganz Neues.

Ich habe das als recht angenehm empfunden.

Klar ist aber auch, daß keine großen sportlichen Leistungen zustande kommen, wenn man das regelmäßig so macht. Gerade „Laufgruppen“ sind eigentlich immer sehr langsam. Logisch, sie sind maximal so schnell wie der Langsamste. Außerdem treffen sie sich, um sich zu motivieren, sind es folglich alleine nicht, also sind sie auch nicht trainiert. Laufen ist nun einmal was für verbissene Einzelkämpfer.

Der Milleniumsmörder (Eisner)

tatort_der_milleniumsmoerder.jpg„Der Milleniumsmörder“, ORF, 2000, Moritz Eisner (Harald Krassnitzer)

Wiederholung im Ersten – Erstaustrahlung: 30. Januar 2000

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Bevorstehender Weltuntergang

Die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands scheint wie Nostradamus über die Gabe der Hellsicht zu verfügen: am Tage, da bekannt wird, daß der Friedensnobelpreis 2007 an Al Gore geht, um 21:45 die Wiederholung eines Weltuntergangs-Prophezeiungs-Tatorts. Und es ist aktenkundig: Die Folge wurde nicht spontan ins Programm genommen – in allen Fernsehzeitschriften kann man’s nachlesen.

Das saß. :d:

Und zur Folge: Bemerkenswert, daß man 1999 einen 90-minütigen Krimi drehen konnte, in dem sich fast alles um den bevorstehenden Weltuntergang dreht und in dem dennoch kein einziges Mal das Wort „Klimawandel“ fällt.

Ein bißchen österreichisch-schratig, aber sehenswert.

Abgezockt (Odenthal; Kopper)

tatort_abgezockt.jpg„Abgezockt“, WDR, 2004, Lena Odenthal (Ulrike Folkerts), Mario Kopper (Andreas Hoppe)

Wiederholung auf WDR 3 – Erstaustrahlung: Sonntag, 16. Mai 2004

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Geier-Marketing-Kettenbriefs-Firmen

:-)

Das habe ich mir gerade zum zweitenmal in der Wiederholung angeguckt. Ein bißchen überdreht vielleicht an einigen Stellen, aber das ist allemal besser als lahmarschig. Außerdem ist es eben an den richtigen Stellen überdreht: dort, wo die Schurken besonders schurkisch aussehen sollen, und dort, wo es darum geht, Fulminanz zu erzeugen. Und das ist es: eine fulminante Folge. Gut auf den Pudding gehauen.

Überragend: Ritchy Horst (Sebastian Blomberg) und Ursula Schäfer (Anna Schudt).

Und jawoll, an Lena beißen sich alle die Zähne aus! Die hat alle Chancen – oder sollte zumindest alle Chancen haben –, die erste Tatorts-Kommissarin zu werden, die vom Dienstantritt bis zur Pensionierung durchhält. Fände ich wirklich gut.

Ins Dunkle Drittel – Hunde mit Rücklichtern

Dunkles Drittel

Es beginnt sehr bald, das Dunkle Drittel des Jahres, die Zeit zwischen Mitte Oktober und Mitte Februar. Die Zeit der Nachtläufe auf den immer gleichen Strecken, meist nicht sehr lange Routen längs wenig befahrener Straßen oder auf irgendwelchen Wegen in Kleingartenkolonien.

Na, es sind im Grund nur zwei Strecken von sieben Kilometern Länge. Zur Monotonie des täglichen Laufens paßt es auch schlecht, sich abwechslungsreiche, „innovative“ Routen zurechzuschneidern. Man reißt die Sache halt ab wie einen Abenspaziergang. Die Stetigkeit der körperlichen Übung, auch beim Hantelstemmen vor dem Laufen, wird eigentlich erst durch die verhältnismäßige Eintönigkeit möglich. Zwar strengt man sich ziemlich an, kann aber gerade in dem festen Korsett des Programms die Gedanken laufen lassen. Weiß gar nicht, wieviele Texte ich dabei in all den Jahren schon im Kopf formuliert habe.

Heute gegen 19:00 Uhr das untrügliche Zeichen, daß es ins Dunkle Drittel geht: in den Gärten ein Köter mit Rücklicht. Wie blöd sieht das aus. Es sind Halsbänder, aber wenn man das auch aus nur mäßiger Entfernung sieht, denkt man – auch, weil das Licht rot ist – unwillkürlich, die hätten so einen Leuchtpröppel im *rschl*ch stecken.

Schlimm auch des Nachts der Anblick von Joggern mit Rücklichtlein: „Ich bin sportlich, aber verantwortungsbewußt und allemal vorsichtig.“ übel

Das namenlose Mädchen (Lindholm)

tatort_ein_namenloses_maedchen.jpg„Das namenlose Mädchen“, NDR, 2007, Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), Martin Felser (Ingo Naujoks)

Wiederholung auf NDR 3 – Erstaustrahlung: Sonntag, 15. April 2007

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Kinder

:-|

Die Erstaustrahlung hatte ich mir erzürnt nicht zu Ende angeschaut, weil mir das blöde Kampagnen-Abend-Logo „Kinder sind Zukunft“ auf die Nerven gegangen war. Und ich finde es weiterhin empörend, daß jetzt schon ein Tatort in den Dienst von Leyens Kampagne gestellt wird. Dennoch habe ich mir nun – ohne Logo – den Rest dieser gar nicht so schlechten Folge in der Wiederholung angeschaut.

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Nachtgeflüster (Ballauf; Schenk)

tatort_nachtgefluester.jpg„Nachtgeflüster“, WDR, 2007, Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Freddy Schenk (Dietmar Bär)

Gesellschaftlich-politisches Rahmenthema: Seelen-Striptease-Radiosendungen

:-)

Meine Güte, war das gelb. Eigentlich mag ich Gelbstiche und hasse Blaustiche, aber das war nun doch ziemlich kraß. Als Gegengewicht gab’s ein wahres Farbfeuerwerk im Sendegebäude: Königblau auf dem Flur, Grün im Plattenarchiv, Knallrot am Sendepult, Hellblau auf der Damentoilette. Ich rege mithin an, einmal einen Tatort in Schwarzweiß zu produzieren.

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Jour triste

Bitter-süßer Masochismus – und immer bitterer

99 %

Im Supermarkt habe ich vorhin gesehen, daß es mittlerweile Schokolade mit 99 % Kakao-Anteil gibt. Und nun frage ich mich: Wer ißt so etwas? Und warum?

Ich gebe beschämt zu, auch mitgemacht zu haben, als das mit diesen hochprozentigen Schokoladen losging, aber das ist nun doch schon ein paar Jahre her – und damals waren es nur 60 %, und das war eigentlich das alleräußerste, was man seinen Geschmacksnerven zumuten konnte, um sich ein bißchen als Connaisseur fühlen zu dürfen.

Kurz darauf hatte ich das Süßigkeiten-Essen fast ganz eingestellt, und nurmehr als interessierter Zeuge verfolgt, wie die Umdrehungszahlen immer weiter nach oben geschraubt wurden. Ich gebe heute gerne zu, nicht mal Zartbitterschokolade besonders gerne zu mögen. Und schon 60 % Kakaoanteil sind eigentlich ungenießbar, machen wir uns nichts vor.

Was mögen das mithin für Leute sein, die Schokolade mit 99 % Kakaoanteil wirklich – man wag kaum, sich das vorzustellen – essen?

Süßigkeiten müssen süß und schwer sein, auch fettig. Natürlich nicht „light“, aber schon mal gar nicht und noch weniger scharf, bitter, tranig oder harzig.